26. Februar 2012

Programmhinweis

Magmatronic kommt selbstverständlich zurück, übertreibt es aber erstmal maßlos mit der Reisefreiheit. Wer mitreisen und mitgerissen werden will: hier entlang!

24. Februar 2012

Für immer die Menschen

Ich habe nachgedacht: Die vergangenen Wochen waren die wertvollsten seit langem. Allein für sie hat es sich gelohnt, diese Reise zu planen. Ich habe für all das Zeit gehabt, was im Alltag sonst hinten runter fällt. Und ich durfte sie mit diesen grenzenlos fabelhaften Menschen teilen, die ich sonst viel zu selten zu Gesicht bekomme. Und diese Reise hat verraten, was sich in dem Umschlag oder hinter dem Tor zu jedem dieser Menschen verbirgt. Und es war nirgends diese unsagbar hässliche Zonkfratze. Diese Wochen haben mir zwar drei vom Zahnarzt kurz vor Abreise panisch verpasste Zahnfüllungen beschert, aber auch die Erkenntnis, wie sehr alle um mich herum auf mich abgefärbt haben. So viele selten gute Herzen auf einem Haufen gegenüber zu haben, lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass ich doch irgendwie auch ein feiner Mensch bin. All die kleinen, bezaubernden Familien, die da entstanden sind, die Paare mit den Plänen für die Ewigkeit, die Menschen mit Sätzen für die Herzinnenwand und die eigene Familie, die meinen Zustand zwischen Hektik und Tiefenentspannung, Nervenzusammenbruch und Verpeiltheit mit so viel überdimensional großen Tüten Liebe, Kisten Verständnis und Kartons voller „Alles wird gut“ aushält – das alles macht es nicht leichter, diese Schnapsidee nüchtern durchzuziehen. Danke dafür!

Und vor der Tür steht seit Tagen die Vorfreude und drückt schüchtern die Klingel. Und ich traue mich nicht, sie rein zu lassen, weil ich sie doch gar nicht kenne. Sie kann mir ja viel erzählen wie gut das alles wird. Ich habe aber schon ein schönes Leben. Wahrscheinlich sollte ich sie langsam hereinbitten, die Kaffeemaschine anschmeißen und ihr ein Stück Kuchen anbieten. Die letzten drei Tage kann sie ja mit der Familie auf der Couch sitzen und uns alle davon überzeugen, dass das, was da kommt auch nur ein Kapitel im dicken Buch ist, aber dennoch eines mit vielen Abenteuern, auf die es sich zu freuen lohnt.

20. Februar 2012

Danke, Pullunderkind

Zwischen uns beiden hat es alles andere als direkt gefunkt. Ich war skeptisch, kannte nur deinen Bruder, mit dem du dich immer kabbelst. Er war immer der Coole von euch beiden, hat die Mädels mit seinen zerschlissenen Jeans und Tattoos rumgekriegt. Bei dir aber musste immer alles akkurat sein: Gel in den Haaren, aufgestellter Kragen beim Polohemd, teure Schuhe. Viele halten dich für eingebildet. Dabei hast du einfach nur stolz. Du warst früher bestimmt immer das Kind auf dem Spielplatz, das Pullunder getragen hat und das sich wegen der Flecken nie knietief in den Sand gebuddelt hat. Damit hast du mich am Anfang etwas abgeschreckt. Aber immer wenn ich in meinen Chucks an dir vorbei gelaufen bin, hast du auch ein wenig geschmunzelt. Und mir hat das irgendwie immer imponiert, dass du nie auf den Deckel schreiben lässt. Gut, dein Bier ist nichts für jedermann und warum du Currywurst mit Blattgold anbietest, ist mir bis heute ein Rätsel. Aber je öfter ich mit dir unterwegs war, desto unwichtiger wurde das für mich. Mit der Zeit habe ich deine Straßen ins Herz geschlossen, die so oft sternenförmig aufeinander zu laufen. Und fast immer liegt in der Mitte eine kleine Kneipe. Und du verstehst es, zu beeindrucken. Dein Stadion war manchmal mein Wohnzimmer. Denn du bist breit aufgestellt: Public Viewing, Grand Prix, Fortuna. Wofür ich dir aber am meisten danke, sind die Menschen, die du zu bieten hast. Sie können “reunde” in “amilie” verwandeln und sie hängen Heliumballons an die Melancholie. Schon allein deshalb werd ich zurückkommen, mindestens auf ein Alt. Ach Düsseldorf, schön wars. Du hast mir viel geschenkt, danke dafür. Und während ich weg bin, kannst du das mit dem Aufstieg ja noch eintüten. Das hast du dir verdient.

14. Februar 2012

Der Tag, von dem wir später reden

Draufgeschissen, ich bin bekannt für duselige Texte. Und es müsste mit allerhand Beschiss und unpassender Distanz zugehen, wenn gerade der hier nicht auch einer von der Sorte werden würde.
Es war wie der Moment, in dem man sich fünf Lose auf der Kirmes kauft. Davor hat man sich nur für diesen Augenblick morgens aus dem Bett gequält und Zeitung ausgetragen. Nur um das Geld zu verdienen um sich diese fünf Lose leisten zu können. Denn Kirmes ist selten in der Stadt. Und das Glück nur mit den Tüchtigen. Und dann puhlt man diese fünf Lose aus der Kiste während der oberlippenbärtige Verkäufer grimmig mitzählt und seine Frau marktschreierisch im Hintergrund übers Mikro Gewinne anpreist. Und dann hält man sie in den Händen. Vier Nieten.

Und dann setzt man alles in das letzte Los, reißt langsam links und rechts die Perforationslinie ab. Und das ist es dann: der Hauptgewinn. Diesen Moment erleben viele nie. Im Kopf ein Wunderkerzenfeuerwerk und das Herz glüht so sehr, dass man aufpassen muss, dass man sich nicht daran die Finger verbrennt. Diesen Moment hatte ich am Samstag auf meiner Abschiedsparty. Und der Moment war 720 Minuten lang. Diese 12 Stunden bedeuten. Die Gesichter, die rührende Rede, die Geständnisse auf dem Balkon und in der Küche, das superlative Baby auf dem Arm, der leergeputzte Nachtisch, der Limbo, die Filter, durch die man nur rosig sehen kann, die Autogramme und dann leider auch noch Whitney-Gedächtnis-Songs.

Ich habe auf dem Balkon gestanden und versucht, mir alles zu merken, was da drin grad passiert. Ich habe schon vermisst, bevor ich weg bin. Und ich war so gerührt, dass mir schwindelig wurde, während ich still da stand. Und ich habe gedacht: das hier ist so besonders, dass es mir unmöglich noch einmal in der Welt begegnen kann.
Und dann waren alle weg. Mit mehr Ringen als eine alte Eiche unter den Augen, wird die Sache jetzt ernst. Und ein bisschen hackt die Milch im Weltreisepudding. Weil da die Frage im Raum steht, ob danach noch alle so sehr dabei sind, wie zuvor. Und irgendetwas lässt mich glauben, dass es so sein wird. Und keine Zeile im kleinen Buch ist bisher gelesen. Nur Auszüge wurden vorgelesen. Und die hatten es schon in sich. Die Seiten werden aufgehoben für den Rien-ne-vas-plus-Moment im Flieger nach Kapstadt. Auf einer Skala von eins bis zehn seid ihr die Skala. Ihr seid der Maßstab. Danke fürs so Schwermachen. Hat ja keiner gesagt, dass es leicht werden würde.

Clueso – Zu Schnell Vorbei from Park17 Filmproduktion GmbH on Vimeo.

9. Februar 2012

Wurzelbehandlung

Die Tage rieseln wie Sand durch die Finger. Und so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass, je kürzer die Zeit bis zum Abflug, desto fabelhafter und merk-würdiger ist mein Leben, das ich für die Reise in ein Einmachglas fülle und von Erinnerungen gut bewacht in den Schrank stelle. Es ist, als tunkt einer den ohnehin phantastischen Oreo-Keks noch einmal in weiße Schokolade, als würde auf einer sowieso schon sehr perfekten Party plötzlich „Wonderwall“ aus den Boxen dröhnen und als bekäme man zu einem Sechser im Lotto auch noch Weltfrieden geschenkt. Die knappe Zeit verdoppelt den Wert.
Am Wochenende wurde der Abschied von der Verwandtschaft in Dresden mit mehreren Famililienpizzen gefüttert. Und es war in jeder Hinsicht perfekt. Irgendwie katapultiert einen das “Wo geh ich hin?” scheinbar automatisch auch zum “Wo komm ich her?”. Ich habe noch mal die weltbeste russische Quarktorte gegessen, habe meinen Großvater verschmitzt grinsen gesehen, nach Ewigkeiten in der Bravo meiner Cousinen geblättert und ich habe in Altenberg noch einmal im Schnee bei Minus 15 Grad gefroren.
Wenn man aus den letzten Tagen vor dem Flug etwas lernt, dann, dass man solche Tage im Alltag nicht hinten runterfallen lassen sollte und die Dinge immer so aufsaugen sollte. Der ganze Spaß ist noch nicht mal losgegangen und schon klebt die Erkenntnisstapete am Hinterkopf. Nicht auszudenken, wie weise ich zurückkommen werde von dieser Weltreise. Vor die Reise hat der Planungsgott aber glücklicherweise noch die Abschiedsparty gestellt. Das wird groß.

30. Januar 2012

Dreifelderwirtschaft

Familie ist ja ein weites Feld. So weit, dass da das unterschiedlichste Gemüse querbeet wächst und gedeiht. Das eine wird zum lebenswichtigen, konkurrenzlosen Grundnahrungsmittel, das andere kreuzt nur selten den Weg. Und manche Teile des Feldes liegen jahrelang brach, bis man fast vergisst, dass da noch was in der Erde steckt. Dennoch ist da die Überzeugung, dass sich das Gießen und Pflügen, wenn auch in größeren Abständen, lohnt. Und ich tue gut daran, kurz vor der Weltreise noch mal durch das gesamte Feld zu springen. Dadurch fällt die Ernte ungemein reich aus. Hätte gar nicht gedacht, dass ich derart zufrieden auf ein prall gefülltes Gemüsefach schauen kann.

27. Januar 2012

PLAY & EJECT

PLAY. Am vergangenen Montag lief meine letzte Sendung. Also die letzte, an der ich beteiligt war. Und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal auf meinen Namen im Abspann geachtet habe. Ein seltsames Gefühl. Denn seit Pi mal Daumen sechs Jahren zieht sich diese Redaktion wie ein Faden durch meinen journalistischen Schal.

Angefangen hat alles 2006 mit einem Praktikum und einer Currywurst in Berlin Tegel. Und irgendwie bin ich, anders als bei all den anderen Medienklitschen, da kleben geblieben. Die Kollegen waren die reinste Sauerstoffdusche, die Arbeit war gegen den Strich gebürstet, CPM hatte hier nie was mit Druckgeschwindigkeit zu tun, gedimmte Emotionalität war ein Fremdwort und für Fußball-WM-Eröffnungsspiele waren den Maßen der Flagge im Hof keine DIN-Grenzen gesetzt. Und diese Redaktion hatte so viel Moral, das überbewertete One Trick Pony im Zirkuszelt mit gutem Handwerk in die Schranken zu weisen.

Und da sind zwischen Pokalspiel und Tippsieg, zwischen einem langen Drehtag mit Angola-Schal und einer guten Nacht im Schwarzen Café in Berlin ausreichend Magic Moments im Hinterkopf an die Wand tapeziert, dass ich wohl immer in der Wolle gefärbt sein werde, wenn mich einer nach meiner Talk-Meinung fragt. Scheiß die Wand an, diese Zeit konnte gar nichts anderes mit sich anfangen, als unter die Haut zu gehen. EJECT.

26. Januar 2012

Stippvisite

Da gibt es im Grunde nichts, was nicht schon gesagt wäre über Berlin. Man kann nur das schon Vorhandene unterstreichen und kleine Herzchen daneben kritzeln. Und vor der Weltreise musste man einfach noch mal kurz vorbeischauen.

3. Januar 2012

High Five

Eine Handvoll…Photos zwischen den Zeilen.
Eine Handvoll…Melancholie, die wie Griesbrei an Lettern klebt.
Eine Handvoll…Schalk, der zum bequemen Nackenkissen wird.
Eine Handvoll…Zeit, die wie Sand zwischen den Fingern auf eine Sandburg schneit.
Eine Handvoll…Musik, die wie ein Kettenkarussell schwindelig macht vor Herzrasen.

Heute war ich mit meinem Blog im Zoo und hab ihm ein Nogger gekauft. Auch wenn es keine große Sache ist. – Doch es ist eine große Sache. Für mich. Denn dieser feine Blogkerl feiert in diesen Tagen seinen 5.Geburtstag. Und am Anfang stand nie ein Fünfjahresplan mit dieser Langfristigkeit, dieser Vehemenz, Stringenz und Konsequenz. Ein bisschen ist er inzwischen der smarte Typ auf der Party, der irgendwie alle Gäste mit Charme und Bier unter einen Hut zu bringen vermag. Und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn dieser mit viel Mühe, Geduld und Spucke, Liebe und Kreativität großgezogene Hansdampf nicht weiterhin einfach um seiner selbst Willen wächst, gedeiht, weitere Sandkastenfreunde findet und Zeit wie Lakritzschnecken um den Finger wickelt.

Keep Your Head Up – Ben Howard from mickey smith on Vimeo.

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