6. Dezember 2011

The Art of: Bart

Dieser Mann schlägt Kerben in altes Holz, rettet Kinder aus Brunnen und schleift Steine so rund, dass sie auf der Wasseroberfläche springen. Er holt Splitter aus Wunden mit seiner Stimme und er kann machen, dass man an keinem anderen Ort seine Zeit lieber verbringen mag, wenn er mit seiner Gitarre im Raum steht und durch seinen imposanten Rauschebart singend der Melancholie ein Denkmal baut.
Und man kann dazu unheimlich gut an die Wand gelehnt den Bierbecher in der Hand theatralisch im Takt wiegen.
Hinreißend, dieser Abend und dieser William Fitzsimmons. Das rockt auf eine ganz leise aber nicht weniger kompromisslose Weise.

26. November 2011

Geschmackssache

Ja, verrückt. Man sagt ja, alle sieben Jahre ändern sich die Geschmacksnerven. Und da is was dran. Inzwischen landen Spiegelei, Kapern, Spargel und Oliven auf dem Teller. Allerdings scheint das auch für Fernseh-und Kinogedöns zu gelten. Anders lässt sich nicht erklären, dass – ja, ich weiß doch auch nicht wie das passieren konnte – man sich neulich dabei erwischt hat, Mitglied in einer Videothek zu werden, nur um leicht peinlich berührt zwei DVD-Hüllen über die Theke zu schieben. Ja, aber diese Twilight-Saga ist ja auch irgendwie total gut gemacht von den Effekten her und so, und die Handlung ist ja auch irgendwie zeitlos. Nun ja, ich werd wohl nächste Woche mal die Mittagspause auf nem Schulhof verbringen müssen um jemanden zu finden, der auch den vierten Teil im Kino sehen will.

Aber das ist noch nicht alles. Auch Castingsshows hab ich bisher verschmäht und auf dem Teller liegen lassen. Und jetzt dieses The-Voice-of-Germany versaut mir die Bilanz. Aber das ist echt total spannend, uffreshend schon allein wegen der sich anbietenden bezaubernden Schärfenverlagerung zwischen Jury und Sänger so klug gemacht, dass es mich ganz schön catcht. Und dann auch noch der Xaver, der Held meiner musikalischen Jugend. Für den stand ich mit meiner Schwester mittags 13 Uhr vor einer Halle und musste so dermaßen aufs Klo. Weil aber die erste Reihe dem Damenklo immer vorzuziehen ist, hatte ich es bis nach dem Konzert ausgehalten. Und ich könnte noch von sage und schreibe sieben anderen Konzerten erzählen, die mit langem Warten begannen und mit Xavier Naidoo endeten. Und es war die Sache immer wert. Also gut, vielleicht wird man der letzte Mensch sein, der den Kram wegen dem Kurt guckt. Aber da bleibt immer noch meine Schwester, die das auch noch guckt und zumindest heißt das, dass sich nicht alle Geschmacksnerven irgendwann ändern. Und ein bisschen Konstante ist ja auch eine feine Sache. Und wer in der Pubertät sowas oder sowas (bei 1:24 hab ich mit meiner Schwester immer auf “still” gedrückt) hört, kann doch gar nicht sooo ein schlechter Mensch sein. (Ach, der is toll, nicht trotzdem sondern deswegen!)

19. Oktober 2011

Inseltreue

Wie aus heiterem Himmel fräst es Furchen in die Stirn, die seit Jahren nicht da waren. Und irgendwie hört es sich so vertraut an, dass man die Ohren gar nicht mehr davon lassen kann und will. Und jeder Song ist nur so neu wie ein guter alter Freund, dem man nach mehreren Leben nachts halb zwei frierend am Bahnsteig begegnet. Und man kann nicht anders und nicht weniger aus dieser Gelegenheit machen als zusammen in der nächsten Kneipe zu versacken und so lange in alten Geschichten zu schwelgen bis sie wieder zu den aktuellen gehören. Famos.

Manche nennen es altersmilde – Ich nenne es aufgeräumt. Dieses Album ist unbemüht geradeaus, Rotz und Wasser, Chuzpe und Vehemenz, Bier und Pandora, Drama und Rauch, zurück und nach vorne, Schall und Absolution. Und prompt fällt mir wieder ein, dass ich unbedingt mal ne Weile in Great Britain leben muss. Aber der gebuchte One-Way-Flug nach Cape Town rockt auch schonmal sehr.

15. September 2011

Wildgänsehaut

Diese Musik ist keine Musik im Sinne von Noten und Strophen. Sie ist das warme Atmen an kaltes Glas und alles das, was dann, irgendwann mal mit Fingern auf die Glasscheibe geschrieben, sichtbar wird.
Sie erinnert an das, was man noch riskieren muss um irgendwann einmal in einer alten Küche zu sitzen, die Katze auf dem Balkongeländer dabei zu beobachten, wie sie die Basilikumtöpfe streift und sich vom Pfeifen des Teekessels nicht aus der Ruhe bringen lässt und um aus der Dusche einen kurzen Schrei zu hören weil der Küchenwasserhahn das warme Wasser stielt.
Und sobald das alles so ist, muss nur noch auf repeat gedrückt werden, weil nichts aber auch gar nichts mehr fehlt.
Diese Musik bedeutet.

Please listen to: boy.

27. August 2011

empire delta of mind

Die erste Kastanie im August. Und im Ohr ein Album, das wie nasses buntes Laub an den Schuhen kleben bleibt. Und ab dem dritten Lied beginnt man ganz vorsichtig durch Kies zu gehen, damit man das Laub am Schuh nicht wieder verliert. Dieses Album ist schweißnasse Hände vor dem Gestehen, was Sache ist, Schwert für Märchenhecken, Moos für Barfuß im Wald laufen, der Schnaps gegen zuviel Kalkül, der Allzweckkleber, der den Handtuchhaken für die nächsten 1.000 Jahre halten wird, kalter Entzug für den Zweifel, die Leine für ein Heer von Heliumballons. Wer lieben will, muss hören:

Thees Uhlmann & Vom Delta bis zur Quelle
Thees Uhlmann & Casper/ & Jay-Z singt uns ein Lied

Man will immer leben, in jedem Moment ein Savoir Vivre tanzen im Laub am Straßenrand, ein Dolce Vita in der Hüfte, ein Cheers in die Luft, ein So jung kommen wir nie wieder zusammen mit der Faust auf den Holztisch und eine Heizung in der Brust. Man will das ganze Leben als ein Überleben erleben, den Moment, in dem man zu schätzen weiß: die perfekte Zeile in letzten Strophen, das Leuchten in Augen, Essen im Schrank, Funken am Stein, das Ausbleiben von Katastrophen. Aber da schwimmt immer irgendwo Sorge zwischen den Erbsen im Glas, ein Haar in der Suppe und Öl im Ozean.
Die Kunst ist, das Schöne zu erkennen und den Makel auf ein Bier einzuladen bis er gut aussieht.
/Für die Komödie gezahlt. Aber für das Drama geblieben./

früher [2o1o]
früher hoch 2 [2oo7]

11. Juli 2011

kuntergraudunkelbunt

Es ist faustballend, kompromisslos und so geladen mit Vehemenz, dass man mit ihm in Ohr immer einen Schritt schneller läuft und dunkelgelb für grün erklärt. Seit drei Tagen kratzen die Ohren an den Rillen dieser Platte, die alles ist aber nicht plump und naiv. Sie trägt ein Kleid, das man sonst an der Stange hängen lässt. – Hip Hop. Aber sie ist so dermaßen über alle Maßen jenseits von einem Maßband, von dem es angemessen wäre es anzulegen. Sie ist klug, runter gebrochen auf Essenz und hoch gekocht auf den Siedepunkt. Im Grunde fühlt sie sich ein bisschen danach an, als drehte man die Handinnenflächen beim Laufen durch den schwülen aufgeheizten Sommerabend nach vorn. Der warme Wind fließt durch die Finger und ein bisschen schämt man sich weil jemand einen dabei beobachten könnte. Und dann irgendwann ist es einem ganz gleich, weil dieses Album einfach besonders und nicht besonders einfach ist.

“Wenn schon scheiße tanzen, dann sodass die ganze Welt es sieht.”
Casper_xoxo

13. Februar 2011

Hand ins Feuer

Manchmal klebt die Heimat an einem wie ein Kaugummi, der einem aus Versehen aus dem Mund gepurzelt ist und den man gedankenversunken wie selbstverständlich schnell wieder in den Mund steckt bis man wieder große Kaugummiblasen damit machen kann, die man unangemessen aber voller Überzeugung laut platzen lässt.

An und für sich wird sich in Geduld geübt – bis Ende März der Cluesn das Ding mit Liebe fürs Detail richtig gut zusammengedengelt hat.
httpv://www.youtube.com/watch?v=A454uqI4ehs

26. Januar 2011

amazing

Vier Jahre Schorf an den Knien und Flausen im Kopf, vier Jahre eine pulsierende Ader auf der Stirn und ein Zucken in den Fingern, vier Jahre Zuckerwatte im Mundwinkel und ein flaues Gefühl im Magen nach der Karussellfahrt, vier Jahre Narrenfreiheit und Selbstbeherrschung, Stolz und Verlegenheit, Frage- und Ausrufezeichen, vier Jahre Melancholie und Euphorie, Zweifel und Überzeugung, Pathos und Ironie, vier Jahre Musik, Texte und Bilder, vier Jahre Wachsmalstifte, Edding und Winkelmesser, vier Jahre Teilen und Hoffen auf Gegenliebe. Vier Jahre magmatronic.de. Dankeschön fürs Begleiten.

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

And now: continue as before.

18. Januar 2011

zandvoort black&white

again some zandvoort-stuff and a precious list of old and new companions for auditory canals [especially for cold beach-days]:
ola podrida – eastbound*
tomte – an der flamme eures hasses (zünde ich mir eine kippe an)*
foals – blue blood*
barcelona – it’s about time*
efterklang – raincoats*
joshua radin – winter*
tegan and sara – where does the good go*
damian rice – 9 crimes*