10. Mai 2011

Der Framekamin

Das Fernsehen ist die Banane unter dem Medienobst – vermeintlich gesund aber so energiereich, dass sie im Grunde ein Mittagessen ersetzt. Wahrscheinlich fährt man deshalb als Ossi so drauf ab. Und man mag ja über dieses Fernsehen denken, was man will. Es ist laut, grell, schnell, bunt, böse, aufdringlich, viereckig, anmaßend, flüchtig und ein kalter Framekamin. Es ist aber auch ein wunderbar krawalliger Kasten, der Eskapismus noch groß schreibt und dem oft zu Unrecht eine Oblatendünne Tiefgründigkeit unterstellt wird. Aber Emotionalität wird hier nie zur Bückware und deshalb seien in dieser historischen Woche zwei Dinge ans Satellitenschüsselherz gelegt:

Freitag, 13. Mai, Fröhlicher Frühling mit Wolfgang&Anneliese, Sat1, Primetime

Samstag 14. Mai, Eurovision Song Contest 2o11 aus [Yeha!] „Dusseldorf“,
Das Erste, 21 Uhr.

Nachdem meine Sozialisation mit langgezogenen aber erfolglosen, schlechten und grottenschlechten Grandprix-Abenden vollgestopft war, inklusive langatmigen Punktevergabeprozeduren und androgynem Glittertrashpop, ist der kommende Samstag nicht weniger als historisch. „Gut“ und „Schlecht“ sind NICHT die Kriterien, eher „Abgefahrn“ und „what the hell?” (Apropos: Irland!). In Bild und Ton erklären es die Herren Heinser und Niggemeier seit einigen Tagen auf dem Duslog mächtig vorzüglich.

Man wird hier berichten vom Halbfinale am Donnerstag, dank Traumbegleiter ganz ohne Fernsehen sondern mit Ticket. Yeha. Fieber.

8. Februar 2011

super bowl – 111.000.000

Es ist nicht so, dass man erst jetzt aus der Super Bowl Trance aufgewacht ist. Genau genommen, hat sich die Festplatte im Kopf in der Halbzeitpause aufgehängt und spielt seitdem in Dauerschleife diesen wahnsinnig superlativen, grandiosen, phänomenalen brausepulveresken Auf-dicke-Hose-Mach-Kracherauftritt der Black Eyed Peas im Kopf ab. Nach diesen 12 Minuten 52 möchte man sehr gern US-Amerikanischer Staatsbürger werden. Deshalb soll das dem schlafenden Volk nicht vorenthalten werden. Nun bitte die Möbel wie beim Tetris in die Ecke des Zimmers stapeln, Ton aufdrehen, Vollbildmodus aktivieren und mit offen stehendem Mund staunen, was die Profis unter Show verstehen:

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10. September 2010

Stuck ist gut – Stuckrad besser

Es gab Zeiten, da war man gerührt, weil er so uneitel war; bewegt, weil er so absolut war, überrascht, weil er so ungewöhnlich Gedanken puzzelte, und auch skeptisch, weil er so extrovertiert verletzlich war. Vor allem aber war man immer ein bisschen erschrocken, weil er mit einem Satz den Nerv freilegen konnte. Seine Bücher stehen immer noch im Regal. Und beim Flug nach New York, lag er mit “Auch Deutsche unter den Opfern” auf dem Sitzplatz nebenan, weil es so skurril wäre, wenn man nach einem Absturz das Buchcover gefunden hätte. Er hat geprägt und keinesfalls an Großartigkeit verloren. Und mit Ulmen im Rücken kann so viel daran sowieso nicht falsch sein. Zumindest hat der geschätzte Stuckrad-Barre hier auf unkonventionelle Art mehr vom Wesen des unsäglichen Manns der Stunde freigelegt als andere es in diesen Tagen vermocht haben. Und das mit einfacher Neugier statt kokettierend zur Schau getragender Entlarvungsmission.

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31. August 2010

I’ll be ready

Noch ist es schön, zu merken, dass man älter wird.

Die 90er waren genau genommen die zehn Jahre im Leben, die man in der prallen Mittagssonne verbracht hat – Alles was in dieser Zeit auf die Haut kommt, hinterlässt einen Abdruck. Und das Schöne: durch Nostalgie aufgeladen erhält selbst Schrott die Legitimation zum Starksein.

Und Schrott am Strand ist immer noch besser als nur Schrott. Insofern: an dieser Stelle eine kleine Hommage an die Serie, die früher an Nachmittagen Sand ins Wohnzimmer gebracht hat und die fast so cool war wie Knight Rider, eine Ode an die Reduktion von Handlung, Schauspieltalent, Lebensnähe und Strandmodenstoff. 20 Jahre Trashserie.

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26. Juli 2010

Weltuntergang

Man hat einen Hals, einen Hals so breit, dass der Kopf darauf so klein wirkt wie ein Kolibri auf einer 150 Jahre alten Eiche. Es wurde inzwischen alles geschrieben, und leider sogar noch mehr. Und genau jetzt wäre es groß, das Level der Tausend Emotionen und Wahrheiten zu verlassen, abzuwarten, zu beobachten, an verantwortlichen Stellen nachzufragen um reflektiert und respektvoll aufzuklären, wieso wurde, was nun ist. Unfassbar ist gerade vieles, auch Journalisten, die Geschmacklosigkeit als Rechercheleistung deklarieren, wild mit einer Namensliste in der Luft rumwedeln und einen davon überzeugen wollen, es wäre Journalistenpflicht, einen 10 kg schweren Salzsack durch den Telefonhörer in unfassbar große frische Wunden rieseln zu lassen. Ja, Pietät ist tatsächlich ein Fremdwort. Aber es gibt Fremdwörterbücher.
Zeit, bald wieder nach Hause gehen.

10. Juli 2010

Knoten hinter die Ohren

Hier wird ja nie was verlangt, abgesehen von diversen aber sehr berechtigten und damit absolut legitimen Musikkaufempfehlungen. Und diesmal wird auch überhaupt nichts verlangt, denn wenn man sich folgende Fernsehsahnehauben nicht anschaut, dann wird man sich selbst in den Hintern schießen und sich ins Knie beißen. Man wird nicht mitreden können und seinen Enkelkindern nichts zu erzählen haben. Soll also keiner meckern, dass hier nicht ausufernd angekündigt wurde. Wer wissen will, warum es sich gelohnt hat, sich beim Besuch des Vertreters der unliebsamen GEZ für eine Unterschrift zu entscheiden, der schreibt sich folgende Termine aber sowas von hinter die Ohren und macht fünf Knoten ins Taschentuch:

11. Juli 2010, Wo warst Du, als die Welt zu Gast bei Freunden war?, Das Erste, 23.55Uhr
18. Juli 2010, Wo warst Du, als der erste Mensch den Mond betrat?, Das Erste, 23.55Uhr
25. Juli 2010, Wo warst Du, als die Concorde abstürzte?, Das Erste, 0Uhr
1. August 2010, Wo warst Du, als die Alliierten kamen?, Das Erste, 23.30Uhr
8. August 2010, Wo warst Du, als der Rock’n’Roll nach Deutschland kam?, Das Erste, 23.30Uhr

30. Juni 2010

Wahlwiederholung

Hui, wie warm das heut wieder geworden ist. Auf dem Weg quer durchs Land glühen die Gleise und die Luft darüber flimmert und diese im Wachkoma geglaubte Dame Demokratie macht an diesem Tag alles außer zu dehydrieren. Im Gegenteil: sie hat sich heute wahrscheinlich in die brütende Sonne gelegt und vorher keinem verraten, dass sie wechselwarm ist.
Tante Demokratie dankt sicherlich denen, ohne die das alles – ihr wisst schon…
“Und, was hast du am WM-freien Tag so getrieben? – Ach dreimal 1244 Namen vorgelesen.”
Warum der Lammert nicht einfach das Tor in den Plenarsaal schleift und die Geschichte so austrägt, wie es sich in diesem Sommer gehört. Politik Viewing.

13. Juni 2010

VerAnstaltung

Die Sache mit dem Fernsehen ist ja so eine Sache. Die einen tauschen ihr Format gegen Formate, die plump, öde und dumm sind. Die Realität ahmen sie aus Bequemlichkeit laienhaft nach und dann behaupten sie das sei Realität. Sie spielen Fernsehenmachen und glauben tatsächlich, sie machen da Fernsehen. Die anderen können wie Tausendfüßler kaum laufen vor lauter Beinen, die alle in eine andere Richtung wollen. Und ständig treten sie sich selbst auf die Füße. Und wenn es dann doch mal in eine Richtung geht, dann überschlagen sie sich vor lauter selbstüberschätzten Stolz, grölen „Habemus…“ und lassen weißen Rauch aufsteigen. Und vor lauter Nebel merken sie gar nicht, dass dabei an ein paar Füßen die Schnürsenkel aufgegangen sind und es nur ein Frage von Zeit ist, bis der ganze Raupenapparat wieder gepflegt auf dem Rücken landet und nur behäbig wieder auf die Beine kommt. Ach du, mein Medium.

3. Juni 2010

Flattr – Blogbrausepulver 2.0

Nun, technisch gesehen ist 2010 Champions League, Re-Recall, absolute Mehrheit der Bundesversammlung und 12 Points zusammen: kein Modemgeschnatter bei der Verbindungsherstellung, Pizzaautomaten in Innenstädten und ein Hype um eine Metallflunder ohne UBS-Anschluss. Das Größte aber ist, dass es immer berauschender wird, einen Blog am Leben zu halten. Was es dazu aber braucht, ist Zeit zum Herausputzen, Ausrüstung für Bilder, etwas Geld zum Hosten und – ach ja – Inhalt. Das alles wird sehr gern reingesteckt, weil man selbst zwar keinesfalls nur Blog ist, der Blog aber ein bisschen man selbst und weil da sehr, sehr gute Menschen sind, die das gern lesen. Wenn man dann sogar Fotos auf Nachfrage weitergibt, die in anderen Wohnungen groß über der Couch hängen und wenn man den famosen Musikgeschmack mancher noch famoser machen kann, ist das wie Ahoibrause auf der Zunge weil: Sinn der Sache. Und selbstverständlich wird diese Sache um ihrer Selbst willen gemacht. Aber gegen ein bisschen Ahoibrause oder eine schmeichelnde Kugel Eis, wenn Dinge gefallen, wäre nichts einzuwenden. Doch wir haben 2010, Brause ist keine Hauptnahrungsmittel und Eis schmilzt schnell. Deshalb haben sich kreative nordische Köpfe ein leichtes Prinzip mit – natürlich – Geld ausgedacht. Aber bitte seht selbst:

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Flattr also. Dieser kleine Blog hier ist ab sofort erst mal dabei um herauszufinden, wo die Neue-Medien-Reise hingeht. Unter jedem Beitrag findet man jetzt das Flatterlogo. Wem die Idee gefällt: bei flattr anmelden und Beiträge, von denen man mehr will flattrn. Man würde sich sehr, sehr geschmeichelt fühlen hier und das erste Geld würde in ein Eis ohne Essenzen investiert. Außerdem sei angekündigt: Man spart da gerade auf eine riesige Sache, durch die es hier vor lauter Texten und Hochglanzfotografie nur so wimmeln wird – Dann kann aber mal jeder hier sein Abo von Spiegel, Psychologie Heute, Geo und Apothekenumschau inne Tonne kloppen. Wer aber findet, dass flattr stinkt: Seinlassen. Und wer jetzt die Schmidtsche Medienhure zitieren will, der sei daran erinnert, für welches verruchte Studienfach die Frau Blogbetreiberin schon seit x Semestern eingeschrieben ist. Neue Medien – Neue Wege.