27. Februar 2007

HEROsapiens

aN dIESER sTELLE; aLL dIE mERK-wÜRDIGEN hELDEN; dIE iN dER lAGE sIND mIT zEILEN; hUMOR; wORTEN; bLICKEN uND lIEDERN; dAS lEBEN lIEBENSWERTER oDER gAR dIE mENSCHEN (oDER nUR mICH ?) zU bESSEREN wERDEN zU lASSEN.
iN zUKUNFT wIRD hIER fÜR jEDEN eINZELNEN eINE aBSOLUT sUBJEKTIVE lIEBESERKLÄRUNG eNTSTEHEN; dIE aBER kEINESWEGS aLS zEITLOSES dENKMAL mISSVERSTANDEN wERDEN wILL. dENN; wENN wIR eINES wISSEN; dANN fOLGENDES:
„sIE hABEN uNS eIN dENKMAL gEBAUT
uND jEDER vOLLIDIOT wEISS; dASS dAS dIE lIEBE vERSAUT“
(wIR sIND hELDEN )

mAX fRISCH
eLLEN dEGENERES
xAVIER nAIDOO
jÖRG tHADEUZ
mORITZ bLEIBTREU
aNNE wILL
bENJAMIN vON sTUCKRAD-bARRE
fRANKA pOTENTE
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rOSEMARIE mAGDALENA aLBACH-rETTY
cHRISTIAN uLMEN
aLFRED hITCHCOCK
sARAH kUTTNER
sVEN rEGENER
tHEES uHLMANN – tOMTE
hARALD sCHMIDT
hANNAH hERZSPRUNG
aNNEKE kIM sARNAU
rOGER wILLEMSEN
mATTHIAS sCHWEIGHÖFER

8. Februar 2007

Weltmeistertitelsammler

Ein erster Haufen Inhalt steht inzwischen, ansonsten gibts noch so manches zu tun auf dieser Homepage, wie Fotos, Gästebuch und Frühjahrsputz. Inzwischen ist ja auch der erste Monat des neuen Jahres rum und das hat genügt um neben dem Amt des Hockey-Weltmeisters nun auch noch das des Handballweltmeisters aufgebürdet zu bekommen. Ausgerüstet mit Fan-Requisiten sind die Deutschen ja seit vergangenen Sommer. Auch wenn ich glaube, die Kölner hätten dank ihres wechselnd für sympathisch und abstoßend befundenen Karnevalfetischs ohnehin auf der Straße gestanden und gefeiert. Diese Woche wurde auch noch was anderes entschieden: “Anne Will wird Christiansen” habe ich gelesen. Inzwischen ist aber klar: sie darf ihren Namen behalten. Besser so. Ein bisschen Wehmut ist dabei, denn jetzt ist sie nicht länger Geheimtipp und Underdog. Ab September wissen sie es alle. Dass sie politisch korrekt trotz Schalk im Nacken ist. Nun ja, verdient hat sie es. Gleichzeitig freue ich mich natürlich auch, dass “hart aber fair” ebenfalls, wenn auch eher aus diplomatischen Gründen ins Erste rutscht. Somit muss ich in Zukunft vielleicht ein paar Leuten weniger erklären wo ich mein Volontariat mache. Und verdient hat es auch diese Sendung. Was bleibt, ist der Profi-Brillenschwingerin und Fragezettel-abhakerin ohne dramaturgischen Sinn eine wohlgesonnene Zukunft zu wünschen. In Paris oder sonst wo, nur nicht im deutschen Fernsehen.

Nummer Eins steht hoch im Kurs

Dieser Tage scheint genug Erstes für alles da zu sein. Zugegeben, historisch, sportlich und zwischenmenschlich betrachtet, ist die Nummer Eins schon immer Objekt allen Strebens. Ob es nun der erstmals gemeisterte Seeweg nach Indien war, der erste Platz inklusive Lorbeerkranz in den antiken Kinderschuhen der Olympischen Spiele oder die Pole-Position in der Warteschlange beim Fleischer von Nebenan ist: wir alles scheinen auf die Zahl 1 geeicht, verbinden mit ihr persönliche Zufriedenheit, gesellschaftlichen Ruhm oder wenigstens latente Zeitersparnis. Was sowohl den Zauber als auch das Konfliktpotenzial der Eins ausmacht: die Kleingedruckte Gewissheit, dass es sie nur einmal zu verteilen gibt und sich alle anderen ihr unterordnen müssen. Unglaublich phantastisch und partiell bissig sieht man das wenn sich gerade der Name des Handball-Weltmeisters mit dem im eigenen Pass aufgeführtem Geburtsland deckt. Da sind für Momente alle dritten Plätze des vorangegangenen Sommers vergessen, ähnlich wie es im letzten Herbst bei der Hocky-WM der Fall war. Da soll es den so verhasst am schwitzenden Körper klebenden Glitter ruhig in Tonnen regnen, die Flagge steckt im Balkonkasten und auch die leise Ahnung, dass die Kölner Handball-Euphorie zu großen Teilen auf Karnevalsversessenheit sockelt, wird in Klammern gesetzt.

So viel zum Sport. Der wird bekanntlich in den Tagesthemen verkündet. Die wiederum müssen nun selbst erst einmal eine neue Nummer 1 suchen, denn denen ist eine abhanden gekommen, die bald sonntags die öffentliche Willensbildung anführt. Sie Will – und darf, die Anne. Ihren Namen darf sie wohl behalten, muss nicht den der Frau annehmen, die früher Saft schubste aber nicht in der Lage war selbiges mit der Gesprächslenkung bei Politikern schaffte. Im Gespräch waren viele. Auch Frank Plasberg, der objektiv betrachtet schon immer viel zu wach war und seinen Gästen viel zu sehr zuhörte und auf ihre Aussagen reagierte, um mit Sabine Christiansen nach fairen Prämissen verglichen werden zu können. Christiansen ihrerseits stürzte sich in ihrer Sendung vielmehr in die Professionalisierung des Abarbeitens ihrer Frageliste unabhängig von Themenbrüchen und –sprüngen. Ebenso stand bei ihr die Perfektionierung des Brillenschwingens im Vordergrund. Die Frage, die dabei im Raum steht: Ist dieser Sendeplatz wegen der mitabbonierten Quoten so begehrt oder weil der Nachfolger zwangsläufig mehr Qualität bietet als Christiansen es je konnte?

Nun, dann war es entschieden – Will erhielt den Zuschlag und Plasberg einen frisch geflochtenen Korb in seiner Sammlung. Diesmal entschied sich das Erste zwar gegen ihn, gestand ihm aber gleichzeitig in einem Akt der Diplomatie einen anderen Sendeplatz auf der Eins zu. Scheint also, als wäre genug Erstes für alle da. In diesem Fall hat es zum Glück nur die wirklich Großen getroffen, die diese in Mitleidenschaft gezogene Fernsehlandschaft aus lispelnden Sprecherinnen, knochigen Blondinen und Bilderrahmen-Familienväter-Moderatoren erträglicher und manchmal sogar sehenswert macht.