27. März 2007

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Kuttner vs. Kaiser, Chucks vs. Schnee, Wasserkocher vs. Anbetung – Die Leipziger Buchmesse 2007

Ganz gleich wie flatterhaft und unentschlossen man gestrickt sein mag. Schleudert einen das Schicksal erst einmal auf die Welt, landet man immer wieder aufs Neue an Kreuzungen, die eine Entscheidung unabdingbar machen: „Wetten dass?!“-Gucken oder stolz zur Minderheit gehören, liebenswerte Menschen in Foren übermotiviert kritisieren oder einfach mal Fressehalten, Glühbirne reinschrauben oder Globus retten. Es gibt aber auch die Gattung Optionen, die einem den schieren Unsicherheitsschweiß auf die Stirn treiben, bei denen man die gestreifte Krawatte lockern muss um nach Luft zu ringen. Und ist das Gehirn erst einmal wieder mit Sauerstoff versorgt und damit befugt klar zu denken, lässt man sich die Alternativen nochmals auf der Zunge zergehen.
Ähnlich erging es mir auch auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig: Denn Donnerstag 14Uhr gaben sich gleich zwei ganze Große der so genannten Showbranche die Autogrammstifte in die Hand. Die Wahl? –Eine Qual. Denn nicht weit entfernt von der charmanten Sarah Kuttner schwang zeitgleich the one and only Roland Kaiser das Schreibutensil. Es stand also nichts Geringeres zur Wahl als zukünftig ein idealistisch wertvolles weil handsigniertes Buch im Schrank oder große Geschenkfreude bei Omi zum 70. Da Omis sich auch über Ikea-Fussreinkriechwärmkissen freuen, entschied ich mich für ersteres. Und da ging es Horizont-al zu: denn Sterne überall, links und rechts, auf Jacken und Lenden. Und trotz Ellenbogen im Rücken und mobiléesk in der Luft schwingenden Fotohandys stieg die Vorfreude auf die Lesung am Abend. Der war mit Im-nächsten-Leben-Bitte-mein-Onkel-Sei-Thadeuz und der sich in verbaler Bestform befindlichen Sarah dann sowohl hörens- als auch (dank sportlicher Journalistinnenschreibpositionsdemonstrationen) sehenswert. Bleibt die Frage, die sich mir an diesem Tag mehr als einmal stellte, mit der man älter wird und sich auch noch mit 21 unerwartet wie 14 fühlt: Wie sich verhalten wenn offenkundig großartige weil unheimlich kreative, erfolgreiche, bekannte und nett anzusehende Menschen unverhofft vor einem stehen? Karten auf den Tisch legen und persönliche Zugewandtheit durch bedächtiges Händeheben im knienden Zustand demonstrieren? Oder doch eher zurückbesinnen darauf, dass auch das Gegenüber trotz der unverschämt beeindruckenden Art auch nur Wasserkocher wie jeder andere ist? good night king Uli Wickert einfach mal so eine geruhsame Nacht zurückwünschen und Alexander Osang lässig die goldenen Hände schütteln mit denen er die Texte schreibt, die den SPIEGEL vom Altersmuff befreien? Sarah Kuttner bekunden, dass man, wenn man könnte wie man wollte, ihr einen Sendeplatz im eigenen Sender garantieren würde, besäße man einen? Am Ende zelebriert man Schüchternheit und setzt im meistbereutem Fall auch noch eine Prise Ignoranz oben drauf. Dabei rechtfertigt man dieses Verhalten mit gedanklichen Sätzen wie „Interessiert den eh nicht, was ich denke“, „Hat er wohl schon tausend Mal gehört“, „Mach ich beim nächsten zufälligen Treffen, wenn ich grad kein quietschendes, vom Schnee durchnässtes Schuhwerk trage“ (An dieser Stelle die Warnung für alle, die es schon befürchtet haben: Chucks sind nicht wintertauglich!) Und auch wenn man den Mann vom RBB neben sich hatte, der tat, was zu tun war: nämlich sich hinten anzustellen um sich für eine wunderbare Lesung zu bedanken, so möchte man dann auch selbst mal Lobessenf verteilen.
Es war in vielerlei Hinsicht ein schnieker Abend. Mögen es die Worte zur aktuellen H&M-Madonna-Fusion sein, die die eigene Meinung gelungen reflektieren, die schmunzelnd verkaufte Tatsache, dass kein Buchexemplar für `Rockstarbitch´ sein wird oder einfach nur die wohlklingenden Texte. Noch viel großartiger macht diesen Kuttner`schen Unterhaltungsabend rückblickend die Zuversicht, dass er nicht nur Erinnerungen an frühere Fernsehhochmomente geweckt hat, sondern auch Trompeten-und-Posaunen-Vorspiel für zauberhafte TV-Augenblicke in hoffentlich naher Zukunft war.
Mein hysterisches Applaudieren im Moment der Rückkehr und das bis dahin mit langem Atem zelebrierte Daumendrücken für das Format, was es verdient hat, gemacht zu werden, ist garantiert.
Mit dem Wählen zwischen Optionen ist es ja so: Je kompromissloser man sich bis zur einzig glücklich machenden Chance geduldet, desto phantastischer fühlt man sich mit der Wahl.

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Mitfahrgelegenheiten

Sie gelten als attraktive Alternative zur Deutschen Bahn. Und in der Tat: die MITFAHRGELEGENHEIT kann nicht nur beim finanziellen Aufwand punkten, sondern weist auch einen gewissen „Abenteuer Trampen-Nervenkitzel“-Faktor auf. Die einen schwören darauf und verteufeln jedes Zugticket, die anderen würden es nie tun, weil sie Entführungen fürchten. Wie so oft verläuft die Wahrheit irgendwo in der goldenen Mitte. Um alle Eventualitäten abzustecken und einen Einblick in die Welt des Mitfahrens zu geben, hier eine Bestandsaufnahme der 5 häufigsten Gattungen unter den Mitfahrergelegenheits-Bietenden:

Vorneweg: Am Anfang wirklich JEDER Mitfahrt steht ein Kommunikationsaustausch. „Wo kommst du her? Warum bist du mit im Boot, besser: im Auto, sprich: Was treibt dich in die die Stadt, die heute unser Fahrtziel ist? Was machst du sonst so? Student? Praktikum? Aha, nicht schlecht, blabla.“ Dieser Einleitungssmalltalk dient prinzipiell der Absicherung, dass kein Geldpreller, absoluter Freak und/oder Massenmörder nebenan oder gar hinter einem sitzt. Denn ein paar Informationen hat der Fahrer dann. Und das schüchtert vielleicht auch den Betrüger ein, der mit dem Gedanken spielte, sich, am Ziel angekommen, das Fahrgeld durch einen 100m Bestzeit-Sprint zu sparen. Ebenso soll der Fahrer ruhig wissen, dass diverse Freunde über das Autokennzeichen des Fahrers informiert sind und sich daher eine Entführung nicht lohnen würde.

Der Cowboy

Er will auch im Auto die Freiheit genießen. Freiheit, das bedeutet für ihn, sich bei geöffnetem Fenster den Wind um die Ohren wehen zu lassen und bei der Fahrt eine Zigarette nach der anderen zu genießen. All das tut der hartnäckige Cowboy auch (und sogar bevorzugt) im Winter. Vereinzelt erkundigt er sich im Vorfeld bei den Mitfahrern nach Beanstandungen. Spätestens wenn der erste sichtlich erleichtert und das Zittern seiner Hände offenbarend, sein solidarisches Mitrauchen bekundet, befinden sich alle weiteren Mitinsassen bereits in der Gruppenzwang-Falle und wollen ja auch kein Spielverderber sein. Was ihnen bleibt: Alle vorhandenen Jacken schließen, sich der Nutzung mitgebrachter Handschuhe nicht zu schämen und an das Gerücht glauben, Passivrauchen sei gar nicht so gefährlich.

Der Entertainer
Ihm sieht man die Fehleinschätzung des eigenen Humorpotenzials schon von weitem an. Mit einem Strahlen im Gesicht, welches eine Kleinstadt mit Strom versorgen könnte und überzogen gestikulierend steht er auf dem Parkplatz und hakt auf seiner Liste die eingetroffenen Mitfahrer ab. Den Entertainer erkennt man spätestens daran, dass er das Bepacken des Kofferraums moderiert. Und auch verzichtbare Witze über die Namen der Mitfahrer kann er sich nicht verkneifen. Meist wird schnell klar: dieser Fahrer will mit dem Phänomen „Mitfahrgelegenheit“ seinen geplatzten Berufstraum Schulbusfahrer kompensieren. Deshalb fährt er auch keinen PKW sondern einen Kleinbus, in dem bis zu sieben Mitfahrer Platz finden. Den hat er sich extra gekauft, denn rentabel ist das auf Dauer auch. Der Entertainer will der Ferrari unter den Mitfahrgelegenheit-Bietenden sein. Er hat eigens zu diesem Zweck Sitzheizungen und an der Rückseite der Sitze kleine Bildschirme einbauen lassen. Vervollständigt wird das durch seine umfangreiche DVD-Sammlung, in der natürlich „Independence Day“ und „Bean“ nicht fehlen. Doch dieser vermeintliche Luxus hat auch einen anderen Grund: Der Entertainer ködert damit seine Mitfahrer wie der Rattenfänger von Hameln. Denn zum DVD-Schauen kommt bei Ihm keiner. Wer neben ihm sitzt, hat VERLOREN. Von mitgebrachten Buchwälzern wird man nicht eine Seite lesen können, denn der Entertainer kann vier Stunden an Stück ohne Luftzufuhrpausen reden, und das tut er dann auch. Dabei erstreckt sich sein Themenspektrum von früheren Ausbildungserfahrungen als Koch über Kritik an der Deutschen Bahn (natürlich, weil ja Konkurrenz) bis hin zu Doping in der DDR. Bestechend ist auch, dass der Entertainer im Gegensatz zum Raser (siehe unten) jede Chance einer Pause nutzt und höchstens 130 km/h fährt. Denn für ihn ist der Weg das Ziel. Und wenn es nach ihm ginge, würde keiner je am Ziel ankommen.

Der „Einer-geht-noch-Fahrer“
Eine allgemeingültige Regel die Platzwahl im Auto betreffend, gibt es trotz der Erfahrungen mit dem Entertainer allerdings nie. Prinzipiell will jeder Mitfahrer hinten sitzen um nicht 1. Ansprechpartner des fremden Fahrers zu sein. Und es ist ja auch schöner in der Anonymität des Rücksitzes zu verschwinden und erst am Fahrtziel wieder aus der Polsterversenkung wieder aufsteigen zu müssen. Insofern lohnt es meist, sich nicht erst zum verabredeten Zeit am vereinbarten Treffpunkt einzufinden, sondern 10 Minuten eher bereitzustehen. Auf diese Weise kann man sich einen der begehrten Plätze auf dem Rücksitz sichern. Wer zu spät kommt, ist bedient, weil beide Rücksitze belegt. Für die vermeintlichen Glückspilze auf der Rückbank gilt allerdings: Man soll die Reise nicht vor der Autobahnauffahrt loben. Denn kurz vor ebendieser biegt der „Einer-geht-noch-Fahrer“ überraschend in eine Wohnsiedlung ein. Fragezeichen in den Mitfahrergesichtern – Entführung? Was vergessen, Herr Fahrer? Orientierungsprobleme? – Nein, es wird mit den Worten „Ihr seid ja alle schlank“ noch ein Geschäftspartner vom Straßenrand aufgegabelt. Der hatte angesichts des bereits gut gefüllten Wagens nur noch Platz auf der Rückbank, womit denen da hinten das Grinsen vergeht während sich ebendieses zum Gesicht des tatsächlichen Glückspilzes, den Beifahrer bewegt. Gut erzogen signalisiert dieser natürlich prompt Tauschbereitschaft bei der nächsten Pinkelpause. Dass der Fahrer darin aber keine Notwendigkeit bei der Strecke sieht, ist Schicksal. Und so wird vom Bei-Mitfahrer Beinfreiheit genossen, während sie hinten nur sehnsüchtig gewünscht ist. Man sollte also nie die maximal mögliche Passagierzahl überschätzen. Die Einschätzung dessen liegt beim Fahrer. Fragt dieser im Vorfeld am Telefon nach dem eigenen Gewicht, sollten allerdings die Alarmglocken klingeln: hier handelt es sich um den „Einer-geht-noch-Fahrer“. Er schert sich nicht um den Komfort der Mitfahrer. Sein Ziel ist der höchstmögliche finanzielle Gewinn. Hat man Pech und trifft auch einen Hardcore-Vertreter dieser Gattung, wird man als Mitfahrer ganz schnell zum Statisten in den Proben für den geplanten „Wetten Dass?!“-Auftritt á la „In meinen Polo passen 17 Menschen?“ – Top die Wette gilt.

Der Raser
Er ist mit Vorsicht zu genießen. Bevorzugt fährt er 180-200 km/h. Und das bei Wind und Wetter, egal ob Tag oder Nacht, Autobahn oder Stadt. Er will einfach nur nach Hause bzw. zur Arbeit. Der Vorteil: Er redet nicht ununterbrochen, weil er sich ausschließlich auf das Fahren konzentriert und keinerlei Interesse an den Mitfahrern, ausgenommen das von ihnen gezahlte Fahrgeld, hat. Für ihn ist das Ziel das Ziel, nicht der Weg. Als Mitfahrer muss man sich auf eine erhöhte Herzfrequenz, immer wieder vorm geistigen Auge erscheinende Tunnel mit Licht, Gedanken an die verpasste Chance einer Patientenverfügung und ständige Bremsbestrebungen des rechten Fußes einstellen. Dem Raser mit dem Wort „Pinkelpause“ zu konfrontieren, ist eher unratsam. Denn statt einen Zwischenstopp in Betracht zu ziehen, tritt er nur noch mehr aufs Gas um die gesamte Fahrtzeit zu verkürzen und das Katastrophenszenario „Raststätte“ zu vermeiden.

Der politische Gesprächführer

Er ist ein angenehmer Fahrer. Ebenso wie sein Fahrstil ist auch seine politische Meinung gefestigt und diese möchte er diskutiert wissen. Am Besten eignen sich da natürlich die Mitfahrer. Sitzt man hier mittendrin, vermisst man nur noch Brillengestellschwenkerin Christiansen und einige Kameras. Das Auto wird zum Umschlagsplatz für Gedanken und Sichtweisen über die größten internationalen Konflikte unseres Planeten. Es wird abgewogen, informiert, diskutiert und zumeist mit der Einsicht „Uns sind da ja die Hände gebunden“ geschlossen. Der politische Gesprächsführer ist prinzipiell eine gute Wahl. An einem wortkargen Tag kann aber auch er zum anstrengenden Weggefährten werden.