25. April 2007

restlos rastlos

Vielleicht liegt es am Wetter, vielleicht auch am vergangenen Nomadenjahr: zurzeit häng ich ziemlich gern zwischen den sonst so unbequemen Stühlen, hab Fernweh-Hummeln im Hintern, springe zwischen den Städten hin und her und bin so sehr wie noch nie auf Zug und Flugzeug abonniert. Wenn es nach mir ginge, ich stünde morgen mit Trekking-Rucksack, Kamera und Musik ausgestattet am Flughafen und würde die geplante Weltreise vorziehen. Aber erstens wollen Studium und Volontariat auch irgendwann mal Licht am Ende des Tunnels sehen und zweitens mangelt es noch am nötigen Startkapital. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass ich schon in zwei Wochen, wenn uns die Sonne eventuell wieder abhanden gekommen ist, anders darüber denke. Oder grade dann wird das Fernweh noch schlimmer? Wie auch immer. Zumindest den Zahnarzt hab ich überlebt und somit die Schmerzen im Mund verloren/ den Stempel im Bonusheft gewonnen. Jetzt kann ich im herzallerliebsten WG-Kühlschrank wieder engagiert die Türe öffnen. Für alle, die an einen Kühlschrank mit „Herz“ zweifeln, gibt’s hier den Beweis.

Kühlschrank mit Herz

Apropos Zweifel: die Parkour-Geschichte steht inzwischen wie befürchtet auf der Kippe, denn es gibt Konkurrenz beim Themenvorschlag. Hoffe, dass mir das Glück am Freitag nicht abhanden kommt. Krissi: Daumendrücken also. Ansonsten Abwarten und besagten Tee trinken.

tasse

Freue mich übrigens sehr über die kleinen aber wertvollen Freundeskreisschritte in Richtung 500 Homepage-Besuche. Bin mir ja durchaus der Tatsache bewusst, dass es der Quadratur des Kreises gleichkommt, eine Page hauptsächlich für „Ans Herz Gewachsene“, Anwärter und so genannte Bekannte zu konzipieren und gleichzeitig auf Besucherzahlen zu schielen. Das alte Dilemma Qualität versus Quote. So, wie es läuft ist das ein großartiger Mittelweg. Einige von euch, die ich derzeit am Wenigsten zu Gesicht bekomme, sehe ja demnächst per Kurztrip nach Norden und tief in den Westen mal wieder. Damit kann ich auch gleich meine Fernsucht kompensieren.

Wortge_WALD

Den Rasen im Quadrat gemäht
Greenpeace im Dreieck gesprungen
Den Umweltschutz im Kreis gedreht_

So weit das Ohr reicht
Sätze im ¾ Takt-los_
Von Restmüll und Planeten
Grünen Punkten und Moneten_
Nur eine Farbe ist moralisch korrekt:
Das Grün, doch bleibt in ihr versteckt
Ein Wasserfester Widerspruch_
Denn ohne Zweifel gilt`s bei Grün
Den rechten Fuß aufs Gas zu zieh`n_

Doch auch jenseits der Ampel
Gibt’s ökologisches Getrampel:
Trauben aus Argentinien
- nicht länger Kavaliersdelikt_
Erdbeeren aus Sardinien
- bei denen man am schlechten Gewissen erstickt_
Und vom gepredigten Wasser völlig benommen
Wird keiner vom Winzer `ne Antwort bekommen_
Gemeinsam ist uns eine Sicht:
Wegen Glühbirnenverbot seh`n wir kein Licht_

18. April 2007

Parkour, nicht Parkuhr

Es ist mitten in der Woche (das macht den Mittwoch wohl auch aus) und Hochdruck-Peggy hat sich etwas aus dem Staub gemacht. Was bleibt, sind 13 Grad und die Gewissheit, dass die Zeit für die Freunde des ausschlagenden Quecksilbers schlägt. Noch nicht einschlägig bekannt ist, wie ich in meinem Umfeld herausfinden musste: Parkour. Das Ganze kommt aus dem Land des Baguettes und sexy Akzents (zweitwichtigstes Atemraub-Akzent-Land ist selbstverständlich England) und beschreibt die Kunst der fließenden Bewegungen, über Geländer, Mauern, Häuser; all die Grenzen, die man gewöhnlich nicht zu überschreiten vermag, aus Angst oder gar Faulheit. Sofern mir Glück und Dozent hold sind, pack ich in der nächsten Zeit immer mal wieder neue Perspektiven des Parkour auf die Site. Denn die weiße Anstoßkugel des Projekts ist ein Seminar an der Uni.
Freitag steht nach wie vor der Zahnarzttermin auf dem ProPFUND und ich bei ihm auf der Matte. Daumendrücker erwünscht.
Ich bin raus.

13. April 2007

Versetzte Lindenberge

Heute Morgen war ich mit dem Lindenberg-Udo Brunchen. Dabei haben wir über die Notwendigkeit des Hutes als Imagepflege philosophiert und anschließend durfte ich ihn auch mal kurz aufsetzen. Aber ich beginne von vorn, denn die letzten Tage waren pickepackevoll. Ostern ist mit Schokoladeneieressen und 20km Kampfwanderung gemütlich über die Feiertagsbühne gegangen. Und nun ist schon fast die erste Vorlesungswoche vorbei. An die neue UNIform muss ich mich zwar noch immer gewöhnen, aber wer kann schon mit einer Open-Air-Uni prahlen. (Udo würde jetzt sagen „Auch Seifenblasen hinterlassen Trümmer“.) Zumindest scheint Leipzig trotz der geschätzten drölfhundert Baustellen keine Touristeneinbußen zu verzeichnen – im Gegenteil. So ein UNIkat (jaha, hab heut den Kalauer-Clown verspeist) zieht ja Fachsimpler-Opis und Baustellenfoto-Sammler an wie das Licht die Motten. Aber nicht nur die treten sich in Leipzig auf die Füße. Ähnlich sieht das in der Übergangs-Mensa aus, die ich wohl auch zum letzten Mal in diesem Semester besucht habe. Da ich auch nicht so sehr der Brotschachtel-Typ bin, soll zukünftig mehr selbst gekocht werden. Womit ich auch schon bei meiner neuen, fünften WG wäre. Die besticht nicht nur durch freundliche Mitbewohner, sondern hat auch Spidermans Füße an der Baddecke. Obendrein werde ich in meinem muggelischen Zimmer dank der großartigen Pflanzenwelt nie unter Sauerstoffmangel leiden. (Sofern ich das damals in Biologie richtig verstanden habe mit der Photosynthese.) Nun, eines gibt es jedoch nicht in meinem Zimmer. (Okay, außer vielleicht noch einem lebensgroßen David Hasselhoff-Pappaufsteller. Aber den hatte ich zum Glück noch nie in meinen vier Wänden.) Wie auch immer: kein Fernseher.

TV-Schrott

Das hat natürlich Vorteile: kein Kerner, kein Klöppel, kein Klum-Model-Gedöhns. Dennoch befürchte ich, den Entzug zukünftig mit apathischem Dauerkonsum zu kompensieren, sobald mir der erste schwarze Kasten vor die Pupillen kommt. Gleichzeitig fangen mich in dieser schweren TV-Schrottfreien Zeit die Freunde auf. Gestern Abend wurde bei der Kristin Schnapsgeburtstag gefeiert und der Plural von Wischmop diskutiert. Und heute habe ich von der Christin aus Stuggi ein umfangreiches Scissor Sisters Konzert-Essay erhalten. Danke dafür. Obendrein gab es ein Schnellsprech-Wiedersehen mit Annett inklusive Weltverbesserungsdiskussion. Für mindestens zwei Wochen nehme ich mir jetzt wieder vor nur Fairtrade-Kaffee zu kaufen. Basta. Das mit der Nahrungsaufnahme ist eh erstmal gegessen (Schwups, noch ein Kalauer) wenn ich am 20. beim Zahnarzt sitze. Dann wird mir nämlich auf bestialische Weise mein, den Weisheitszahn überlappendes Zahnfleisch unter wasserfallartigem Blutverlust und brutalsten Schmerzen entfernt. So oder ähnlich. Hm, wenn ich so drüber nachdenke, vielleicht wird das mit den Zahnärzten auch überschätzt und ich verschieb den Termin?!
Ob ich mich wirklich in die Praxishöhle des Zahnarztlöwen wage und wie ich den kalten TV-Entzug überstehe, all das gibts in ein paar Tage zu lesen. Achso. Denjenigen, die nur wegen dem packenden Lindenberg-Einstieg bis hierhin gelesen haben, sei gesagt: So ganz wahr ist das natürlich nicht gewesen, aber als Cliffhanger hat es ja schließlich seinen Zweck erfüllt. Alben vom Mann mit Hut dürfen trotzdem gekauft werden. Und sobald ich ihn mal sehe, sag ich euch Bescheid.

10. April 2007

Tomte

Mit Tomte verhält es sich so ähnlich wie mit den wenigen zunächst fremden Leuten die einem dann auf Lebenszeit ans Herz wachsen, die einen begleiten bis zum letzten Akt. Man sieht sie (die zukünftigen Freunde auf der Straße und die CD im Regal), ahnt nicht um ihre wirkliche Größe, verdankt es dem Zufall einen Blick riskiert zu haben und will sie fortan nicht mehr missen. So oder ähnlich ist das mit Tomte. Jenseits vom Rhythmus der Musikindustrie und völlig konträr zum Erscheinungsdatum der Alben, habe ich sie in einer Zeit im Regal entdeckt als ich sie bitter nötig hatte.

thees beim tomte-konzert im Postbahnhof

Dann steht man im Musikladen des Vertrauens, will „nur mal reinhören“ und verliebt sich auf Anhieb in Zeilen wie „Und die Zeit versucht zu trösten und die Liebe versucht zu bewahren, dass man weiß, dass man drüber hinwegkommt, wie man früher einmal war“, „Draußen wird es langsam kalt, für Wärme wird ab jetzt gezahlt“ und „Das ist nicht die Sonne, die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht.“ Nachdem wenige Tage später jedes erschienene Album für lebensnotwenig erachtet und daher gekauft wurde, entwickelt man in der nächsten Phase leicht diktatorische Züge, hört sich Sätze sagen wie „Wer das nicht groß findet, der kann kein guter Mensch sein“ und sprengt in der Straßenbahn die Dezibel-Grenzen der eigenen Kopfhörer um Mitreisende, hmpf – ja mitzureißen, notfalls unfreiwillig, zu bekehren. Irgendwann zwischen dem 75. und 113. Abspielen sind diese großartigen Sauerstofftexte, inzwischen besetzt mit diversen Erinnerungen, so zugehörig zum Alltag wie die Freunde. Auch wenn man sie immer seltener um sich hat, weiß man, sie sind da und ohne diese Gewissheit könnte man nicht gut einschlafen.

3. April 2007

Ortswechsel und Osterhasentier

It` s done. Die Taschen sind gepackt und morgen gehts offiziell zurück nach Leipzig. Auch wenn die meisten Dozenten über Ostern noch Beine und Ohren baumeln lassen, gibts am Donnerstag dann die erste Politik-Vorlesung. Am Nachmittag fahr ich nach der zugegeben harten Uniwoche über die Ostertage nach Dresden zur Familie. Wieviele Ostereier ich finde, Ob es den Osterhasen wirklich gibt oder ob er doch nur eine Kunstfigur der Schokoweihnachtsmann-Weiterverwertungsindustrie ist – all das wird hier investigativ nach Ostern weiß auf schwarz stehen.
Bis dahin. Wünsche große Freude beim Löffel langziehen. Schüssi

2. April 2007

Wenn die ersten Sonnentage Wärme bringen…

… Es ist endlich und (vor allem hoffentlich) endgültig soweit:

schniekes weeda am 1.april

Was die sympathischen Musikanten von Sportfreunde Stiller auf “burli” besingen, ist endlich da – der Frühling. Während ich noch vor Kurzem mit nassem Schuhwerk durch Leipzigs Schneelandschaft gewatschelt bin, scheint jetzt schon seit einigen Tagen die Sonne, pünktlich zur Osterhasi-Zeit. Eiersuchen kommt bei mir allerdings nüsch in die Tüte, vielmehr gilt es ab kommendem Donnerstag meine Seminarräume zu finden. Denn da das Timing und ich schon länger auf Kriegsfuß stehen und wir uns schon häufiger die Freundschaft gekündigt haben, kehre ich ausgerechnet in dem Semester an die Uni zurück, in dem das Zentralgebäude dem Erdboden gleich gemacht wurde. Da bekommt die Bezeichnung “Trümmer der Bildungspolitik” gleich eine neue Bedeutung.

new shoes

Aber mein Kumpel Frühling rettet die Stimmung, indem er mich zum Kauf neuer Schuhe animiert. Vergangenen Donnerstag wurde also ein bisschen Gehalt der Thüringer Allgemeine in Autofahr-kompatible-Übergangs-schläppsche angelegt. An dieser Stelle sei als Soundtrack zum Schuhkauf und -einweihen: Paolo Nutini mit “new shoes” ans Sandalen-Herz gelegt.
Ansonsten wurde die Homepage in den vergangenen Tagen wegen mehrere technischer Probleme quasi generalüberholt. Bei der Gelegenheit hat die Seite auch gleich ein neues Design verpackt bekommen und erstrahlt ab jetzt in smartem Schwarz. Neben mehreren Stunden Datenretten schulde ich meinem ganz persönlichen (und auch noch freiwilligem – muss man sich mal vorstellen!) Homepage-Helden schon mindestens drei Kugeln Eis plus Milchkaffee. Carsten: weeßte Bescheid. Beim nächsten Mal geht allet uff meinereiner. Ein regelmäßiges aber immer wieder ernst gemeintes “Danke” hast du ja schon abonniert.
Und auch Björn wurde zum gestrigen Aprilbeginn ganz ohne Scherz in die Waschanlage gefahren, gesaugt, getankt, Luftdruck kontrolliert und anschließend bei schönem Wetter ausgeführt. Einen kleinen

eyecatcher hat er inzwischen dank den unverbesserlichen Leuten von “hart aber fair” auch. Da er nur 70PS hat, sind die 120 km ja auch keine große Einschränkung. Aber wenn die Muddy Natur mal klingeln kommt, wird sie mich dann sicher in den O2-Himmel schicken, während alle anderen in die Co2-Hölle kommen – harhar. Apropos O2: noch maximal drei Tage und der Postmann bringt mein neues Mobiltelefon (formally known as handy). Im Zuge dessen hab ich auch zum ersten Mal erfolgreich runtergehandelt. Denn die Flohmärkte von heute sind ja auch nicht mehr das, was sie mal waren. Aber mit denen von O2 lässt sich verhandeln. Das Scham auslösende Rotwerden (und umgekehrt) ist beim Handeln am Telefon ja auch so umproblematisch. Jetzt wird also nur noch gewartet, auf den Postmann, das Handy und den den Osterhasi. Hach, die Vorfreude..