29. Juni 2007

update – “…dass nichts bleibt wie es war.”

Die Tage vergehen wie im Nu. (what the hell is “nu”?) Morgen versuche ich erneut mein Wohnungsglück in Köln. (Auf dass die Bahnmitarbeiter nicht streiken.) Gestern noch ein Abschiedsmilchkaffee mit Carsten getrunken: Hilft in der Tat: das geteilte Behördenleid. All the time, just the same: von hier nach dort, alles neu und doch irgendwie das Gleiche in Grün bzw. West oder Wien. Und man macht mit. Weil´s so schön ist: immer wieder. Flexibilitätskarussell ohne Zuckerwatte.
Kommende Woche dann wieder L.E.
Man kommt also rum. Gut, wenn dabei auch was rum kommt.
Ciao.

26. Juni 2007

TV-Abschiede, Kinopleiten, Hundstage

Die vergangenen Tage waren gefüllt mit Weisheiten und Begegnungen mit der etwas anderen Art – der Tierwelt.
Zunächst eine Nachreichung: Konrad das Reh gab sich schüchtern bis verschreckt. Abgeschossen von der Kamera wurde er dennoch. Ebenso erging es Schwedenschanzenhund Gummiohr (wesentlich aufgeschlossener gegenüber Menschen). Auch er konnte sich meinen Streichelerprobten Händen und der jederzeit Schnappschussbereiten Kamera nicht entziehen. Die Tage im Zeichen des Hundetiers wurden amüsant unterbrochen vom langgeplanten und endlich in die Tat umgesetzten Kinobesuch mit Annett. Seinerzeit teilten wir den Mövenpickalltag und unser damit einhergehendes Spülmaschineneinräumleid. (Nur dass sie den eindeutig längeren Atem bewies.) Dass Kompromisse nicht immer die zufriedenstellendste Lösung sind, bewies die Filmwahl. Zwischenzeitlich erwägten wir die zweite Hälfte von “Spieder-Man III” durch ein Stück Kuchen oder ein Mädchenbier zu ersetzen, hielten am Ende jedoch tapfer durch, erlitten flache Dialoge und dicke Techniktricks. Unterhaltend war der Abend dennoch, denn der Regina-Palast erwies sich als skurrille Kinogrenzerfahrung. Zusammengefasst bekommt dieser Ausflug die Auszeichnung “bester Kinobesuch trotz Quatschfilm”. (Nächstes Mal toppen wir das ganze mit nem Knallerfilm, ne – Hand aufs KNIE?!) Und wo wir schon bei Kino sind, bleibt in Sachen Prominenz (welchen Grades auch immer) zu berichten, dass es nach dem Sichten von Wohnungsgleichschaltungsmoderatorin Enie van de M. auch Neues über Oliver “voraussichtlicher Schmidt-Wunscherbe” Pocher zu berichten gibt. Da wir zwei so [Zeige- und Mittelfingerumeinnderschling] sind, weiß ich aus C-Prominenzkreisen, dass er sein bisheriges zweites Standbein als Uhrmacher an den Nagel hängt (Hmpf, komisches Bild) um sich von nun an voll der so genannten “Comedy”-Karriere zu widmen. Hier das Beweisfoto. Um diesem Eintrag einen Rahmen zu geben, bleibt mir noch vom Wochenende zu berichten. Stylisch gemäß dem Motto “Das Runde muss ins Eckige” ging es mit Björni Freitagabend nach Coburg. Dort wurde Schwesterngeburtstag gefeiert, gegrillt, Wii-mäßig gesiegt und Gitarre gespielt.

Außerem ging es zum Spanier, in die “Bar Celona” und auch Hunde waren am Start. (Achtung: der Kreis schließt sich.) Lieblingshund Buffy und neue Bekanntschaft Krümel genossen sichtlich Aufmerksamkeit und missbrauchten Oberschenkel als Schlummerstütze. Soweit, so geschehen. (Ich sollte ein Dasein als Hundezüchterin in Betracht ziehen – Connections sind da.)
Diese Woche ruft wieder einmal Köln – die unendliche Wohnungssuchgeschichte. Am heutigen Abend steht Fernsehkonsum auf dem Plan – letzte Folge der aktuellen “Greys Anatomy”-Staffel. (Im Übrigen sei Dittsche an dieser Stelle wieder einmal feierlich hochgehalten. Denn der Sonntagsabschied von Ilona Christen, oder wie hieß sie doch gleich, wurde durch das Lokalverbot von Jauch nicht nur noch amüsanter sondern auch Metaebeniger. Nur die Anne, die fehlt.)
Das wars erstmal.
Ein, auf das neue Gästebuch (rechts unter “Seiten” WIRtschaft_guestbook”) hinweisendes
Á bientot (ohne Dach)

24. Juni 2007

WIRtschaft-guestbook on air

Ab jetzt ist dank Technikgott Carsten mein Gästebuch “WIRtschaft_guestbook” online. (Zu finden rechts unter “Seiten”)
Haut ruhig rein euren Senf.
Bin wieder raus.
Au revoir.

21. Juni 2007

Unsterblichkeit einer Unlebbaren

„Unlebbar“ war sie – für sich und für alle, die sie umgaben. Zumindest behauptete sie das. Und was sie selbst anging, behielt Rosemarie Magdalena Albach-Retty wohl auch Recht. Mit gefeierten Jahrestagen verhält es sich ja meist ebenso schizophren wie mit Denkmälern. Sie versauen die Liebe indem sie diese vorschreiben. Aber so weise sind nur die hiesigen Helden. Natürlich erinnern sie, die Jahrestage, an große Zeiten von längst Verabschiedeten. (Oder vielleicht gibt es Jahrestage solange es noch Menschen gibt, die sich noch nicht verabschiedet haben? Angesichts der „Todestag-Remember-Kalender“ in den Medienanstalten unseres Landes wohl eher nicht.) Doch wenn es ganz schlecht läuft für die Legenden, die davon leben früh gestorben zu sein (Noch so eine Schizophrenie), dann werden kollektiv aus den Archiven abgeschriebene Gerüchte noch ein weiteres Mal „versendet“, dazu Bilder, die doch ohne all diese Mutmaßungen und Floskeln viel lebendiger gewirkt hätten. Nachruf nennt sich das. Mehr Glück hatte da die Legende Romy Schneider. Von gut gemeinten aber schlecht gestrickten Dokumentationen verschont, reservierten die Öffentlich-Rechtlichen die Nächte für sie und so manchen ihrer mehr als 50 Filme. Denn sie – das waren irgendwie ihre Filme. Keiner könnte heute wohl besser zeigen wie sie war, als sie es damals selbst auf der Leinwand tat. Das merkt man, wenn sie als „Scampolo“ alsdann im Zentrum steht, sobald sie den Raum betritt. Man erkennt ihre zerrissene Beziehung zu Deutschland, wenn sie in „Le train“ vor den 1940 in Frankreich eindringenden Deutschen flieht. Und es bedarf auch nicht großer Aufklärung, um sie als depressive Alkoholikerin in „Mado“ zu begreifen, die noch immer in der Lage ist mit ihrem Blick zu entwaffnen.
Diese Filme sagen vielleicht mehr, als es zusammengeschusterte Portraits je könnten. Einzig Erzählungen der wenigen wichtigen Vertrauten drücken ergänzend aus, wie sie war und wozu sie in der Lage war. So ist es herzerweichend, wie ein Fotografengott wie Robert Lebeck einer ist, aufgeregt inmitten seiner Fotografien von Romy Schneider hockt, sich in seinen Sätzen überschlägt, als glaubte er, sie stünde gleich persönlich im Türrahmen. Ruhelos hält er ein Bild nach dem anderen in die Kamera, zu kurz um sie wirklich scharf mit der Kamera abzubilden, lang genug um wahrzunehmen, für wie bedeutend er die Erinnerungen an sie erachtet. Und immer wieder der Satz, dass er „einfach nicht genug von ihrem Singsang bekommen” konnte, den er mit glücklichen Augen und einem verschmitzten Lachen abrundet.
Vielleicht haben Jahrestage für Romy Schneider allein aufgrund ihrer Geschichte mit Deutschland einen herben Beigeschmack. Vielleicht aufgrund der Tatsache, dass sie in den Augen vieler Deutscher immer nur die „Sissi“ blieb und nie Romy sein durfte. Vielleicht wegen der katastrophalen Umstände, auf die sie traf als sie sich nach langer Zeit durchgerungen hatte, einen Film in Deutschland zu drehen. Vielleicht wegen der deutschen Presse, die ihre Koffer bei Reisen zählte um ihr Divendasein zu unterstreichen und die sich auch nicht zu fein war, ihr Affären ins Bett zu schreiben. Wirklich erkannt haben sie damals die Franzosen, während wir in Deutschland noch heute nur selten in der Lage sind über den Sissi-Griesbrei-Tellerrand an Weihnachten zu schauen. Wer das tut, der findet mehr als 50 Filme, die all die nächtliche Schlaflosigkeit wert sind, findet heraus, wer sie gewesen sein könnte, wähnt, die Grenzen zwischen Leben und Drehbuch zu erkennen, bewegt sich auf verschwimmenden Konturen ihres Lebens, verzeiht sich nur schwer, zu spät geboren zu sein. Doch so ähnlich die Rollen der Schauspielerin waren, einen Unterschied gibt es noch heute. Konnte Rosemarie Magdalena Albach-Retty im Leben angeblich auch noch so wenig und war „unlebbar“ – Romy Schneider war in der Lage, auf der Bühne alles zu sein und ist damit unsterblich.

19. Juni 2007

Zwillingsuraufführung

Wieder ein paar Tage älter und weiser. Zumindest: Dinge getan, die vorher noch nie unternommen wurden – Premieren.

First: spontanes Beiwohnen beim Grönemeyer-Konzert im Erfurter Steiger. Dabei: festgestellt, dass er in der Tat, wie zuvor in diversen Interviews behauptet, ein “begnadeter Tänzer”[/mypicref] ist und natürlich Töne/Texte gehört, wie sie andere nicht treffen könnten. (bis uff da xaver-natürlich) Schön wars. Gleichzeitig möchte ich hier Frieden schließen und bekennen, dass er nie mir sondern nur der Muddy für drei gefühlte Ewigkeiten tieeeef in die Augen geschaut hat. (Gründe dafür: 1. Ich bin “nicht sein Semester.” 2. Ich war ja eigentlich primär für den Special Guest da. 3. Die Muddy hat die Tickets bezahlt- deshalb hab ich alle Rechte aufs vom Star Angeschautwerden abgetreten. – Frieden, Muddy?)

da clueso

Clueso, der special guest und auch Puffbohne war nett anzusehen und -hören.
Nochwas Neues, vergangenes Wochenende:
-Kuchen verkaufen zum guten Zwecke im Kindergarten
-Zwillinge auf dem Arm halten – abwechselnd natürlich (nicht gleich überfordern). Denn eine gute Freundin hat vor zwei Monaten zwei Racker bekommen. Und beide habe ich höchstpersönlich gehalten, entgegen meiner Befürchtungen nicht fallen gelassen und einer hat auch gar nicht geschrien. Seitdem bin ich hin und weg und nur die zwei Zwerge dürfen höchst offiziell auf meiner Schulter ihr Bäuerchen verrichten. (Das war die 20 km Radtour wert-jaha.)
-Letzte Premiere: echtes Rehkitz namens Konrad besucht. (Viel kleiner als ich dachte) Deja Vu mit Bambi-Filmen. Aber in echt noch viel hmpf, ja in der Tat schöner. (Beine allerdings X-iger als ich dachte)
Ansonsten gehts wie gewohnt weida, dreht sichs um die eigene Achse.
Gruß an die Franzi – im Freitagsregen verabreden war allerhöchste Eisenbahn. Bald wieder?
Ich = raus.

13. Juni 2007

Pornoregisseurstandbeine

Richtich Somma is jetzt. Und den verbringt man gefälligst draußen an der schwülen Luft. So auch die Krissi, der Daniel, der Richard und meinereiner. Den Abend haben wir am Stattstrand verbracht. Der ist zwar direkt neben dem Bahnhof, aber wir sind ja flexibel und können uns Meeresrauschen vorstellen. Gemütlich ist es dort allemal. (Vom Stinken der Kleidung nach dem Lagerfeuertanz mal abgesehen.) Zu berichten gibt es nicht allzu viel Neues. Hunger hatten ich und Krissi gestern, als aus unserem Picknick dank Niederschlag ein Heimkinoabend wurde. Neben meiner Dosenproseccopremiere gabs Mädchengespräche, die Erkenntnis, dass die Welt ein Kaff ist und “La Piscine” mit dem Alan und der Romy. Ah, ja und die Erkenntnis, dass Pornoregisseur ein siebtes Standbein von der Krissi sein könnte, gleich nach Pralinenmacherin.
Auch gut zu wissen sowas. Ich werde wohl beim Straßenbahnfahrerinzweitstandbein bleiben. Man kann ja nie wissen.

8. Juni 2007

Ein bisschen Flugzeugabsturz

Fliegen liegt dem Menschen, betrachtet man die Evolution, genetisch nicht im Blut.

Die Natur hat vorgesehen uns mit zwei Beinen auszustatten. Diese sollen uns tragen, morgens bis ins Bad, danach bis zum Sitzplatz in der Straßenbahn und schlussendlich bis ans Ende von Welt und Leben. Umso geballter ist argumentative Stütze meiner stets gehegten Hassliebe zum Fliegen. Doch neben meinen Bedenken, die sich aus physikalischem Halbwissen nähren, steckt in mir auch ein wenig der Typ, der sogar mit Flügeln aus Wachs versuchte, die Erde von oben zu bewundern.

Vielleicht schüchtert mich auch einfach nur die Gewissheit ein, dass ein Absturz nicht viele Optionen ermöglicht. Da bringt auch die statistisch erfasste Seltenheit von Flugzeugunglücken wenig. Es gibt ein bisschen Pizza und sogar ein bisschen Autounfall – Blechschaden zum Beispiel. Aber ein bisschen Flugzeugabsturz gibt es ebenso wenig wie ein bisschen Frieden, auch wenn das Besingen dieses Paradoxons mit großen Preisen belohnt wurde.

Voll gestopft mit genetischen und gedanklichen Widersprüchen war es wieder einmal Zeit für einen Selbstversuch. Die erste Schwierigkeit ließ dabei nicht lange auf sich warten. Je mehr Zeit die Zweifel nährt, desto größer werden die Bedenken. Und so ist das meist vorprogrammierte Warten am Terminal kontraproduktiv. Ganz ohne mentale Absicht schleicht sich die plötzlich sehr realistisch erscheinende Handlung des Films „Final Destination“ ein. Der sonst so tunnelblicktreue Instinkt beginnt nach der zickigen Cousine Einbildung zu schielen. Katastrophen spielen sich vor dem geistigen Auge ab. Erste Zweifel. Das Boarding steht bevor. Jetzt hier ernsthaft abhauen und sechs Stunden Zug fahren? – zu doof und auch teuer. Also, was dann? – Fensterplatz sichern. Denn wenn schon, dann in der ersten Reihe sitzen. Es beginnt somit das Gedränge am letzten Schalter vor Betreten des Flugzeugs. Plötzlich verschwinden die zwei Airline-Damen, deren ständiges Grinsen, trotz des Wissens um deren Künstlichkeit doch irgendwie beruhigend wirkt. Obwohl: die haben ja gut Lachen, bleiben am Boden. Ich versuche auf selbigen der Tatsachen zu bleiben. Wo sind sie also hin, die Ladies? Tasche von der Schulter schälen, warten, zum Fenster rausschauen – all das tun sie alle.

Synchronwarten quasi. Doch was ich dabei entdecke, dopt meine Zweifel. Gerade wurde der Wasserschlauch aus dem Flieger (unserem!) gezogen und der Mann da unten bekommt die Klappe nicht zu, winkt zwei weitere Männer heran. Ist das das Zeichen, die Vorahnung, der Anlass zum feindlichen Lager, sprich zur Deutschen Bahn über zu laufen? Ich schaue mich um. Sehen die anderen das auch? Nein, wollen sie wohl nicht. Panik hat auch nur in der Masse einen nennenswerten Effekt. Ich verzichte also. Skepsis bleibt. Jetzt sind die Damen wieder da, lachen – haha. Jetzt wird die Verantwortung abgegeben an Flieger und Schicksal. Der Fensterplatz ist gesichert. Gerade als ich aufwühlende Filmfrequenzen wegzuatmen versuche, weist die Stimme aus dem Off auf den heutigen Einsatz einer unbekannteren aber befreundeten Airline hin, wegen eigener Überlastung. Eingeführt wird diese Fluglinie selbstverständlich mit dem Wort „renommiert“. Ach so, na dann. Obwohl, das Wort ist doch nicht geschützt. Da gibt es keine Kommission, die dieses Adjektiv feierlich vergibt. – Atmen.

Es folgt die klassische Schwimmwesten- Choreografie. Ich versuche den Ernstfall zu verdrängen indem ich mir die Performance der Stewardess untermalt mit Musik von Tokio Hotel vorstelle. Das wäre wohl lustig. Nur bitte nicht „Durch den Monsun“. Ich freue mich gerade über das kurze erfolgreiche Ablenken, als ich mich gerade zu wundern beginne, warum der Pilot noch immer nicht im Cockpit ist, sondern Taschen über den Köpfen verstaut. Wir rollen. Ich denke nach. Ah, er ist kein Pilot sondern einer der oft beschriebenen Stewards. Ach so, besser so. Ich denke noch mal an die Schwimmwesten, gehe die Schritte in Gedanken durch. Da fällt mir ein, dass da gar kein Ozean, kein riesengroßer See ist, den wir überqueren. Sollte denen da vorn mal einer sagen. Obwohl – sie geben sich so viel Mühe, haben all das extra einstudiert. Nein, Kinder unterbricht man ja auch nicht mitten im Weihnachtsmanngedicht um ihnen mitzuteilen, dass es diesen nie gab und er lediglich Produkt einer Werbekampagne ist.
Der Mann neben mir transpiriert stark. Weiß er was? Ahnt er was? Oder sind seine Schweißdrüsen einfach nur aktiver als der Durchschnitt? Einige Minuten später, wir rollen noch immer, beschleicht mich der Gedanke, der Pilot möchte uns eventuell ans Ziel fahren. Dann die Ruhe vor dem Sturm. Stillstand. Dann kommt das laute Gepolter. Gefühlt rasen wir. Adrenalin und etwas übermütiger Nervenkitzel steigt auf. Dann erinnere ich mich an die dreimal gesehene Reportage über ein Flugzeugunglück, bei dem ein 30 cm langes, auf der Rollbahn liegendes Eisenteil die Ursache des Absturzes war. Großartiges Timing. Ich konzentriere mich auf den Moment, in dem wir abheben. Die im Sitz versunkenen, Augen verschließenden Vielflieger um mich herum machen mich aggressiv. Ich rebelliere auf meine Weise gegen diese Gelassenheit und schaue touristisch zum Fenster hinaus. Schön eigentlich. Irre. Wie schwer die Maschine doch ist, wie klein der Flughafen, wie großartig das alles gerade. Diese seligen Gedanken halten an, bis wir oben sind, über den Wolken. Kein Grund gleich ein deutsches Lied zu komponieren, aber dennoch phantastisch. Dann aber verlieren wir immer wieder kurz an Höhe und der Sitz trennt sich von Hinterteil. Das Herz rutscht in die Hose, dann schmiegt sich der Sitz wieder an mich, oder umgekehrt. Durchatmen. Rausschauen. Das Kind in der zweiten Reihe schreit noch immer so laut, als wolle es uns allen etwas mitteilen. Nun, Kinder sind unschuldiger. Vielleicht ahnen die schon was. Ein Zeichen? Nein, wohl nur ein Schreikind, sage ich mir und bedaure die, akut Tinitus gefährdeten Eltern. Langsam wird es ruhig vorne. Erst jetzt merke ich wie sich meine Fingernägel beim Start in die festgehaltene Zeitschrift gerammt haben. Jetzt hat Frau Merkel Furchen im Gesicht. Noch mehr.

Ich mache Fotos, obwohl mir einfällt, dass die gar nicht als Beweismaterial dienen könnten, rein theoretisch, wenn was passiert. Aber schön sind sie – auch wichtig. Der Mann neben mir schwitzt auch nicht mehr. Er blättert in einer Wirtschaftszeitschrift. Soll er. Ich schaue raus. So wie die Wolken da durchaus nett anzuschauen rumhängen, ist für mich ein für alle Mal der Glaube daran widerlegt, dass hier die Aufpasszentrale der Lieben ist. Die ist sicher noch höher. Bei den Sternen oder so. Quatsch, mahne ich meine Gedankengänge. Ich krame in meinem breiten Reportagenrepertoire und erinnere mich an eine über die Herstellung von Flugzeugessen. Dabei wurde der enorme Tomatensaftabsatz, bedingt durch intensivere Geschmacksknopsenaktivität bei dünnerer Luft erwähnt. Ich beschließe das für Blödsinn zu halten und bestelle einen Tomatensaft. Beweisführung. Er schmeckt nicht. Ich lege keine Hoffnung in eine Verbesserung durch die mitgereichten Tütchen Salz und Pfeffer. Also wieder hereingefallen auf das Fernsehen. Tomatensaft schmeckt `oben´ nicht besser, denke ich bis mir auffällt, dass ich `unten´ noch nie welchen getrunken habe. Das ist aber blöd jetzt. Kein Vergleich. Ist der notwendig? Ich entscheide mich für Nein. (Sofern ich wirklich wieder lebendig landen sollte.)

Plötzlich fällt mir auf, dass es kälter wird. Ich höre Luftzuggeschnatter – undichtes Fenster? Wenn das zerbricht zieht es einen doch theoretisch sofort hinaus? Praktisch passiert aber nichts. Ist wohl die Klimaanlage. Also weiter rausschauen. Windräder. Aha, von hier oben gibt es keinen Grund zur juristisch diskutierten Lärmklage. Wieder so einen Quatsch gedacht. Naja, es hilft. Die sehen von hier aus wie ein Stecknadelkissen (nur mit Propeller oben dran). Zumindest erfüllen sie ihren Job, drehen am Rad. Ich wohl auch. Jetzt kommen fotografierwürdige Wolken. Irre, so entsteht Schatten. Toll. Ich begeistere mich sowieso gerade für alles, was meine Zweifel reduziert. Ich sehe einen lustigen Flickenteppich aus Feldern unter mir, empfinde Straßen abgeschmackt als Adern der Erde und freue mich sobald ich ein Gewusel da unten als mir bekannte Stadt enttarnen kann. So große Unterschiede zu Ameisen gibt es gar nicht. Bis auf die Antennen auf dem Kopf. Das ist das Stichwort. Ist mein Handy ausgeschaltet? Und wenn nicht – stürzen wir zwangsläufig ab? Nein, das mir aus einem Bericht angeeignete Wissen, wiegt mich in Sicherheit. Einer der von mir subjektiv als Helden bezeichneten Männer aus dem Cockpit kündigt die Landung an. Schon da? War das alles? Da dauern Start und Landung länger als das dazwischen. Das ist ähnlich wie dreieinhalb Zentimeter dicken Scheiben Brot zwischen denen eine, das, hindurch Zeitungslesen ermöglichende Scheibe Lachsschinken liegt.
Nun gut, Ich bin bereit. Das Kind schreit schon wieder. Herrlich. Ich konzentriere mich derart intensiv auf die Landung, als müsste ich auf telepathische Weise selbst das „Ding runterbringen“, wie es in einschlägigen Flugzeugkatastrophenfilmen heißt. Langsam beginnt es Spaß zu machen. Ich halte kurz die Luft an und: ahh. Wir haben den Boden unter den Füßen beziehungsweise Rollen zurück. Schön, denke ich. War zwar ein Nervenkitzel da oben so ganz ohne Boden, aber mit Stützrädern war das Fahrradfahren als Kind auch immer am Besten, weil sicher. Gedanklich applaudiere ich mir die Handinnenflächen rot. Tatsächlich aber lege ich mein Pokerface auf und schaue souverän in die Passagierrunde. Die sind jedoch noch souveräner (mist – merken fürs nächste Mal) und packen schon ihre Sachen zusammen. Einige stehen bereits und drängen nach vorne. Der, ich nenne ihn Ein- und Ausstiegsschlauch wird angedockt. Alle warten. Ich inklusive. Als Fensterplatzinhaber sitze ich jedoch noch und beginne die Drängler spontan zu verabscheuen, denke „typisch deutsch“, immer egoistisch und erinnere mich an die Harald Schmidt Folge, in der er Weihnachtsbäume an das Publikum verschenkte und eine Frau fragte ob sie drei haben könne und Ständer dazu. Tz. Ich sitze aus tiefster Überzeugung.

Alle stehen, werden ungeduldig. Dann kommt die Stimme aus dem Off. Die Stewardess verkündet Andockprobleme und infolgedessen den Ausstieg aller am hinteren Ende des Flugzeugs. Ich erinnere mich an den Satz „Die Letzten werden die Ersten sein.“ Die Leute hingegen schimpfen. Eine Frau murmelt Saftladen und enthüllt ihr Wissen um das Wasserschlauchproblem vor dem Start. Toll, jetzt kommt sie damit. Vorhin hätte ich mitgehetzt. Aber jetzt? Ein Mann der leider weit verbreiteten „In-kritischen-Situationen-reiß-ich-die-besten-Witze“ Gattung bemerkt lautstark, dass wir notfalls ja auch wieder hätten zurückfliegen können, da dort der Schlauch passte. Der Witz funktioniert – ein paar Frauen lachen. Ich wundere mich. Da macht sich hier Empörung und Sarkasmus breit und die Gesichter sprechen Servicewüsten-Bände, nur weil wir hinten aussteigen müssen? Ist es nicht vielmehr in unser aller Interesse, dass der Pilot des Fliegens mächtig war? Scheinbar nicht. Das Kind ist jetzt ruhig – hat wohl als Einziges gewusst, wann das Stimmeerheben gerechtfertigt war. Ich kann warten, lasse die Nörgler und Witzereißer vor und finde resümierend: ein bisschen `gern fliegen´ gibt es also.

7. Juni 2007

back from cologne

Seit gestern Abend bin ich wieder zurück von Ausflug in den Wilden Westen. (Was scheinbar selten vorkommt, denn wie ich lesen musste, gehen den fuselseligen, zurückgebliebenen ostdeutschen Haltestellenhockenden Männern die Frauen aus – so in etwa stand es im Spiegel, nicht meine Worte). Jedenfalls war es ein schöner, wenn auch stressiger Kurztrip. Wenn man mal kurz oben war, wird alles danach immer für kurze Zeit relativ, der Kopf zurechtgerückt und die Perspektive geändert. Zum Fliegen lasse ich mich ja schon an andere Stelle umfangreich aus. Deshalb sei hier noch das angenehme Bewerbungsgespräch bei RTL erwähnt. Wenn es für die Außenstation beim Volontariat nicht der Klöppelpeter wird, dann werd ich wohl S-Fehler-Katja kennenlernen. Anschließend ging es noch in die Redaktion nach Düsseldorf, alle mal wiedersehen, Fragen beantworten ob das medial gezeichnete Bild des Ostmannes der Wahrheit entspricht und ich habe meinen Vertrag endgültig bekommen. Danach bin ich gleich wieder zurück nach Köln, habe Wohnungen erfolglos besichtigt und mich noch mit dem mir liebsten Riesen am Rhein

getroffen. Am nächsten Tag stand noch eine Wohnung auf dem Programm. Doch auch die wird es wohl nicht sein. Verzweiflungsschreie sind aber inzwischen verhallt. Muss ich eben nochmal hin. Geld wird so oder so knapp. Ihr kennt das. (Glaub ich zumindest)

Carsten: ich steh also ganz nah bei dir wenn es um Wohnungssuche, Kautionen und Provisionen geht!- geteiltes Leid also) Nach einem Gang über die Shoppingmeile Kölns kam ich bedauerliche Weise nicht in den Genuss des Kirchentags und musste zum Flughafen. Den Rest kennt ihr nach Lesen des nächtlich erstellten Flugtextes. Ansonsten gilt es derzeit wieder fleißig zu sein: Urlaubssemester wollen in gefühlt jedem Raum des Studentensekretariats und Bafögamtes beantragt werden, Hausarbeiten stehen an, Texte auch, die Traumminihütte will gefunden und erobert werden, vom Ummelden bei Krankenkasse und Kindergeldstelle ganz abgesehen. In diesem Sinne: es lebe die Bürokratie.
Raus bin ich.(nicht ohne dem Verweis, dass unter Gastspiele neues Fotogedöhns hochgeladen ist – kennt mich ja.)

4. Juni 2007

Hoch hinaus mit Flunsh an Bord

Die freie, feierreiche Pfingstwoche ist vorbei. Morgen in aller Frühe geht mein Flieger nach Köln. Dort warten dann ein Vorstellungsgespräch bei RTL, mehrere Wohnungsbesichtigungen, ein Besuch in der Haf-Redaktion in Ddorf und ein Kölsch mit dem Sebastian. Es ist also viel zu tun. Und das in zwo Tagen. Stadtplan ist eingepackt. Nur das traditionell irrational maue Gefühl im Magen am Tag vorm Flug ist noch da. Es ist nicht so, dass ich klassisch Angst hätte vorm Fliegen (wenn überhaupt, dann nur vorm Absturz). Meistens will ich danach gar nicht mehr aussteigen und Karussellmäßig noch ein Ticket lösen. Das ist dann wohl immer eine Mischung aus Adrenalin und lebenslanger Dankbarkeit gegenüber Piloten, den netten Saftschubsen, den funktionierenden Tragflächen und Sitznachbarn und sowieso. Ich kann jedoch nicht verhehlen, dass ich die erste wäre, die das Flugzeug vor dem Flug mit verlässt, sobald ein Mitflieger plötzlich behauptet, dieser Flieger besäße keinen Flunsh. Ebenso sähe es aus, wenn ein Passagier meint eine Final-Destination-Vision gehabt zu haben und aussteigen zu müssen. In all diesen Fällen sei der Groll der übrigen Leute mit mir, während meine Tasche zeitlich aufwändig aus dem gesamten Gepäck herausgesucht wird.
Sollten diese beiden Fälle jedoch wahrscheinlicher Weise nicht eintreten, werde ich euch von oben aus dem Flieger im Blick haben und bin ich dann Mittwoch Abend wieder sicher zurück in Leipzig, auf festem Boden.
Es verabschiedet sich die auch auf Kurzflügen gern leidenschaftlich applaudieren würdende Siola.