25. Januar 2009

“Gelohnt hat es sich nicht.”

Du Narr; ich. Versuchst gebrochenes Glas wie Kugeln aus Butterteig in der Hand zu wiegen, willst versunkene Schiffe vorm Kentern retten, suchst Rückgrat im Opel und findest an der Sohle das eigene Zahnfleisch, gießt Kartenhäuser in Beton, versuchst rückwärts einen Marathon zu laufen, willst Möwen um Toast streiten sehen und trittst mit deinen Flip Flops in Hundescheiße. Hältst dunkel für eine Farbe, Alkohol für Trost und Liebe für bedingungslos. Und auf dem Zettel in deiner Tasche steht in Weißweinschift der nächtlich für logisch befundene Gedanke “Verlieben im Sinne von verwählen”.

23. Januar 2009

Das geht alles. Irgendwann.

Elf Stunden Arbeit. Glaube auf allen Vieren. Bahnsteig. Sieben Minuten Wartezeit. Ein Mann ohne rechten Arm und Augenlicht, mit Stock und rechter Beinprothese übt den Weg zum Bahnsteigausgang. Mithalten unmöglich. Ich habe nichts zu bieten außer Zeit und Lethargie im faustgroßen Muskel. Er bittet um Hilfe beim ersten Versuch, den Weg zu finden. (Ich sehe Parallelen und strafe mich für diese Gleichsetzung mit Fingernagelstechen in die Handinnenfläche.) Sein Geruch als er sich unterhakt: eine Melange aus Zigarren und Schicksal. Für kurze Zeit rieche ich nach Demut und Sanddorn. Er fühlt die runden Einbuchtungen der Wartehauswand und schwärmt davon. Ich sehe die tote Taube zwischen den Gleisen und sehe die tote Taube zwischen den Gleisen und sehe die tote Taube zwischen den Gleisen.

20. Januar 2009

Schwarz auf Weiß

Die Fallhöhe des grünen Vogels ist größer als die der Amsel. Verkackende Amseln bekommen eine zweite Chance.

12. Januar 2009

Neulich in Gottes grüner Wiese

Die neun Striche auf dem Bierdeckel sehen aus wie eine BurgerKing-Krone. Ein Moment, in dem man zahlen und nach Hause gehen sollte. Man hört sagen: Je mehr Arbeit desto besser. Denn wenn nicht Überstunden die Risse füllen, dann Bier und Asche. Also: Arbeit.

Die Striche auf dem zweiten Bierdeckel erinnern an einen Baum mit Ästen und Wurzeln, wie man ihn damals in der Marienkäfergruppe gemalt hat. Wieder ein guter Zeitpunkt, den Kopf auf dem Biber zu betten. Vielleicht geht Niederlassen doch nur mit erkundeter Herkunft. Es wird erwartet, vom Umfeld enttäuscht zu werden. Ist das nicht der Fall, erzeugt das Verwirrung.

Auf dem Klo im Spiegelbild ein fuselseliger Abklatsch vom traurigen Abklatsch von einem selbst. Das Original ist ein Mischling, der, inzwischen zwei Jahrzehnte auf dem Buckel, dem Stock in der Luft nur noch träge hinterher schaut und sein Chappi, weil altersmüde in ganzen Brocken auf den Flokati kotzt.

Zurück am Tisch, wird beim Zücken des Portmonees die schwammige Finanzkrise zum ganz persönlichen Hartgeld. Den Zeitpunkt, die Zeche zu prellen verpasst. Man hält die Präsenz des wartenden Kellners im Speziellen und dieses Präsens im Allgemeinen aus und lässt sich dann aushalten.

An der Scheibe nach draußen laufen Jugendliche vorbei, deren Freundschaft man an der identischen Frisur erkennt, für die ihnen zu Schulzeiten aus Spott in die Apfelschorle gepisst worden wäre.
Als aus einer Münze auf dem Tisch vom Hinsehen zwei werden, hält der Gedanke die Idee bereit, dem Kater zu Hause die Tür aufzuschließen. Der wurde noch nie freundlicher vom Warten.

6. Januar 2009

toughen up

Übrigens: In acht Monaten habe ich Geburtstag. Ein Vorhaben: diesen im kommenden Jahr ähnlich mit Ignoranz und Abneigung zu begehen wie im vergangenen Jahr. Das junge 2009 schon mit einem 20 Minuten verfrühten Flug begonnen. Die gewonnene Lebenszeit gestern bei 2 Stunden Arbeitsweg (so genannte “vereiste Weichen”) mehr als verloren. (Dabei einen (w)irren Gedanken gehabt: Würde die Umweltzerstörung statt Erderwärmung eine Erdabkühlung bewirken, kämen die Menschen sicher schneller in die Puschen und wollten den Co2-Ausstoß schneller mindern. Glaube ich.) Ansonsten mit zwei neu gekauften linken Handschuhen das kernige Dortmund besucht, inklusive exklusive Stadtführung.(gracias!) Die Erkenntnis: das Erheben von Studiengebühren und das adrette äußere Erscheinungsbild einer Uni verhalten sich umgekehrt proportional zueinander. (Zumindest was Leipzig und Dortmund angeht.) Ähnlich sieht es mit Mietkosten und dem Sanierungsstatus von Badezimmern aus. Einem Soli-West stehe ich daher (auch aus eigener Betroffenheit heraus) aufgeschlossen gegenüber. (Gern auch direkt auf mein Konto!) Mit dem Januar ist auch mein letzter Volo-Monat angebrochen und ein Operettendate für den 1.Tag danach hab ich auch schon. Außerdem wird fortan für “PP” – “Panke Plasberg Persönlich” gearbeitet, was sich nach zwei Tagen inhaltlich und arbeitszeitlich recht gut anfühlt. Ein “Hart aber fair-Entzug” lässt sich allerdings nicht leugnen. Und auch die erste Musikliebe 2009 hallt in den Ohren: Bloc Party.
So viel zu den ersten Tagen. Sum days left to be lived.

2. Januar 2009

Selbstreferentialitätspunk 2008

Sehschwächenentwicklung? unverändert
Haare? rocken weiterhin
Alltagsmittelpunkt? S11 zwischen Köln und Düsseldorf
Die gefährlichste Unternehmung? 
den klaren Punkt zwischen deutschen und mosambikanischen Wurzeln setzen und die Linie zwischen ost- und westdeutschem Dasein ziehen.
Bedeutendste Anschaffung? 
Mac Book, Haftpflichtversicherung, Exmatrikulationsbescheid Uni Leipzig, Bügelbrett
Versäumnis 2008? Urlaub im Ausland, Halbbruder kennenlernen
Lebensmittelexperiment? 
Tomatensauce mit Zimt
Fernsehgewinn des Jahres? How I met your mother (Originalfassung)
Illusorisches Vorhaben 2008? hinwegkommen
Das bedeutsamste Buch? 
Pletzingers “Bestattung eines Hundes”
Die relevanteste CD? 
Tomtes “Heureka”
Das schönste Konzert? 
Erfurter Uni-Festival
Die meiste Zeit verbracht mit…? 
Arbeit
Vorherrschendes Gefühl 2008? 
konsequente Rastlosigkeit
2008 zum ersten Mal getan? Frühstücksei essen, Silvester in Leipzig feiern, den Kölner Dom besteigen
Die schönste Textzeile 2008? “Du nennst das Pathos. Ich nenn es Leben.”
3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? 
Hamster im Restmüll begraben, sonst muss alles irgendwie so
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Das Hinwegkommen und Hinweggekommensein
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? ein Friedensschwanzlebkuchenherz
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? 
ein Ohr, Pletzingers Buch, Radiowecker
Der hitzköpfigste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? Mach dir in Zukunft keine Sorgen um mich, sondern um Erderwärmung und Arbeitslosigkeit.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? 
”…irgendwann geht es immer los! Das ist dieses Jahr – JETZT!”
2008 war mit einem Wort? 
halbvoll