30. März 2009

b-seite

“/Du merkst, dass du alleine bist, wenn du in einer Gegend stehst, in der die Armee Manöver fliegt/ Gibt es jemand, jemanden der mehr flucht als du über die Grenzen über das alles und den Fluch/ Meide die Küste, umarme den Feind und küss mich da wo die Sonne nicht scheint/”

26. März 2009

Vor die Hunde

Koffein, Fluppe, Blister, Work, Koffein, Blister, Work, Fluppe, Weiß und Rot, Schlaf. In Endlosschleife. Schön, so ein fester Tagesablauf.

25. März 2009

desolate Euphorie

“Now I’m drunk as hell on a piano bench
And when I press the keys it all gets reversed
The sound of loneliness makes me happier.”

23. März 2009

Zuversichtstabletten

“Hau den Hass auf diesen Handrücken, die Enttäuschung in die Nierenschale aus Styropor, schlag die Teller an die Wand aus Porzellan. Und dann legt die gelbe Sau sämtliche Sorgen in lebenslange Falten und das Wasser in den holländischen Tomaten lässt den Meeresspiegel steigen.”

17. März 2009

ein heer von kerzen und ü-wagen

Meine Heimatstadt ist ein wenig wie Mutter Beimer. Irgendwie in die Jahre gekommen und dennoch um den Anschluss an die neumodige Welt bemüht, dem Kauf eines hippen, farbenfrohen Kostüms nicht abgeneigt und gleichzeitig darauf bedacht, dass das für gewagt befundene Outfit dennoch zum Wohnzimmer aus den 80ern passt.

Steckt man als junger Mensch die Füße unter Mutter Beimers Tisch, fühlt man sich behütet, weiß aber, dass die erste sich bietende Möglichkeit eines Wegzugs nutzen wird. Denn man fürchtet, sonst sein Leben zu verschlafen. Man mag die nette Altstadt, den kleinen Fluss und die aneinandergereihten Fachgeschäfte bis man eines Tages Wolkenkratzer schöner findet, im Sommer der kleine Fluss zu stinken beginnt und große Kaufhäuser vergeblich gesucht werden. Steht nach dem Auszug ein Besuch ins Haus, wird man sich darauf freuen, die liebevoll in die Pfanne geschlagenen Spiegeleier zu schätzen wissen, sie mit Freude essen, aber auch ebenso gern wieder abreisen. Erfurt ist eine schöne Stadt zum Besuchen, nicht aber zum Bleiben. Man denkt, die größte Gefahr im Erfurter Alltag bestünde darin, von einem der wochenendlichen Rentnerreisebusse am Domplatz angefahren zu werden.

Und mitten in dieser scheinbar nur auf dem Papier existierenden Großstadtstatus-Identität zieht ein 26.April einem den Boden unter den behüteten Füßen weg. Überall Lähmung dekoriert mit sieben Blumenmeeren, Plakaten und begleitet von ununterbrochenem Gedenkläuten der mehr als 42 Kirchen. Kaum einer spricht weil man nur das Falsche sagen könnte und wenn man bereit sein will, damit abzuschließen, stolpert man über brennende Kerzen. Weinende Lehrer, leere Kaufhallen, gefüllte Kirchen, ein Heer von Kerzen – und Ü-Wagen.

Insofern war der vergangene Mittwoch ein Bumerang-Tag. Man denkt weniger rational, findet, der kleinen Fluss stinkt gar nicht mehr und der Kopf verzerrt die Situationen. Man fühlt sich unwohl, wo das Thema die Überschriften erreicht und tauscht Nahrung gegen Wissensdurst. Dass man diesmal eine andere Rolle spielt wirkt erst befremdlich, dann als Pflasterweg. Denn man hat diesmal etwas zu tun, eine Aufgabe, einen Job, weiß wohin mit sich und gleichzeitig fürchtet man, genau das zu tun, was noch vor sieben Jahren pietätlos in Endlosschleife mit Liveticker der aktuellsten Todeszahl lief.

Was am Ende des Tages herauskam, war eine Sendung, wie ich sie an diesem Tag für angemessen, tragbar und bedeutsam halte, mit bedingter Nähe und notwendiger Distanz. Freischwimmen am Arbeitsplatz.
Und dennoch die Erkenntnis: andere können und wollen nach wie vor die Worte Taktgefühl und Pietät nicht buchstabieren:
Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

Ergänzung (7.April) Video hier.

14. März 2009

auf einem Auge taub

Aufzüge bei Umzügen müssen wie All you can eat –Angebote nach dreitägiger unfreiwilliger Nahrungsaufnahmeabstinenz sein. Insofern stand der Nachkarnevalistische Umzug vor zwei Wochen unter einem guten Stern. Die Verwüstung im Kopf, die jeder Umzug mit sich bringt – das ist also der zukünftige Blick vom Balkon, dieses Bad wird mich ab sofort morgens in die Arme schließen, wenn ich uneuphorisch und unmotiviert Zähne putze, hier höre ich ab jetzt das Geldautomatgeschnatter wenn das Portemonnaie leer ist.

Um die räumliche Veränderung zumindest in der ersten Nacht sanft vonstatten gehen zu lassen, habe ich am Vorabend ein Kölsch in den Kartons vergraben. Doch die Kiosks dieses Düsseldorfs sind liberaler als erwartet. Somit sind regelmäßige Sixpackreisen nach Köln und zurück überFlüssig. Nach zwei Wochen liegt das erste Einleben, Einkaufen, Einschlafen hinter mir. Auch die nähere Umgebung ist abgesteckt. Ein Eingangsbereich mit Spielplatz kann so schlecht nicht sein. Einer Hinwendung zum christlichen Glauben stünde auch nichts im Weg, denn direkt nebenan ragt eine Kirche aus dem Asphalt. Allein: ich bin nicht gläubig. Dahinter: eine Art Park, der aus etwa fünf Bänken, einer groben Ahnung von Grün und durchschnittlich 7 Trinkern besteht, die dort den Tag mit Bier Zigarettenschachteln totschlagen.

Auf der anderen Hausseite: Sylvias Sonnenschänke. Eine Kneipe, die nur aus Hardcore-Kneipengängern besteht. Sie haben dort einen Flatratehocker, sitzen jeden Tag wortlos auf ein Bier zwischen Spielautomaten und sich selbst. Sylvia spielt meistens vor dem Fenster Dart. Das Ganze gibt jeden Abend beim Vorbeilaufen ein Gefühl von Zuverlässigkeit, wofür ich überraschender Weise in den ersten unsicheren Tagen dankbar bin.

Die Wohnung selbst besticht derzeit durch Campingplatzatmosphäre. Ohne Küche mutiert das Wohnzimmer zur Herberge für Elektrowok und einen Kühlschrank so groß wie eine Hotelminibar. Allein es fehlen die kleinen überteuerten Wasserflaschen und die Kümmerlingarmee inside. Auch auf meinem Kopfkissen lag an noch keinem Tag Schokolade. Wohl kein Raumservice hier.
Wenn ich im Wohnzimmer auf dem Sofa liege, kann ich im 90 Gradwinkel Wolken ziehen sehen. Dass sich der Balkon zum Aufbewahren von bis zu 25 Menschen eignet, gefällt auch. Nicht auszudenken wie viele Menschen dort drauf passen würden wenn man sie liegend stapelt.

Ansonsten wird sich noch immer an dem einen oder anderen Karton das Schienbein regenbogenbunt gestoßen. Die trockende Luft macht die Nasenscheidewände blutig. Und auch der 20-Liter-Rucksack mit 85kg Übergewicht wurde erfolglos in Köln vergessen und erschwert nun in Düsseldorf das Öffnen der einen und anderen Tür.