31. Juli 2009

Aus den Augen verloren

Welt
(via)

Ganz dringend, unbedingt und verbindlich Nichts wollen zu wollen und gleichzeitig ganz Vieles und Notwendiges müssen zu müssen, verwirrt ab und an ein wenig und man weiß ein bisschen nicht mehr, dass Rot im Dunkeln noch immer Rot und Tag immer irgendwo ist.
Von hinten schiebt etwas konsequent und ignorant an, wie bei Kindern, die Fangen spielen. Und schon im Fallen begriffen, beschleunigen sie unfreiwillig noch einmal bis sich im Gesicht das Strahlen zum Heulen formt.

Menschen, die 1968 geboren wurden, scheinen besonders geschoben. Neben Christopher McCandless, den es quer durch die USA trieb und der am Ende allein und vergiftet in Nirgendwo 1992 starb, hab ich in der schlafgestörten Nacht auf Arte die Geschichte von Andrew McAuley gesehen. Der wollte 2007 mit dem Kajak vom Tasmanien nach Neuseeland fahren – 1600 Kilometer. Das Kajak wurde dann verlassen 80 km vor der Neuseeländischen Küste gefunden. Den Notruf hatte er abgesetzt, als er die Küste schon hätte sehen können. Seitdem ist er verschollen. Es zerreißt einem nicht weniger als das Herz, in der Dokumentation mit Originalaufzeichnungen zu sehen, wie er von Frau und Sohn Richtung Meer aufbricht, sich nicht mehr umdreht und dennoch bitterlich weint, weil er um die Gefahr weiß, aber scheinbar getrieben keine andere Wahl hat. 1968 müssen sie den Babys was in den Brei getan haben.

Bei solchen Geschichten bewegt man sich dann zwischen Unverständnis, Faszination und dem Einsehen, dass Menschen wie diese die Welt wie sie heute ist, gemeisselt haben, mit allen Entdeckungen und Erfindungen.

„Man entdeckt keine neuen Weltteile, ohne den Mut zu haben, alle Küsten aus den Augen zu verlieren.“ André Gide

29. Juli 2009

The Art of: Werbung

Die Köpfe von “Sixt” scheinen mir mächtig auf Zack zu sein. Habe zwar Zweifel an Frau Schmidts Segen in dieser Sache. Gelungen ist die auf “Spiegel Online” geschaltete Werbung definitiv:

Spiegel
(Screenshot Spiegel Online)

27. Juli 2009

Absolutes

surferwelle
(via)

Absolutes wird gemocht im Hause Liebe und Leid; wenn schon nicht für immer, dann wenigstens auf ewig. Herr Niggemeier hat mir heut den Arbeitstag, wenn nicht sogar die Woche gerettet. Und geballt nach Everlaunch-Ohrenschmeichelei habe ich mich verliebt in “Barcelona”, eine Band, die unverdient unentdeckt scheint, was sie aber wieder so besonders macht, dass man sie hört als hätte man die Lottozahlen von morgen geträumt und die Formel für Zufriedenheit entdeckt.

barcelona
(via)

Nachtrag:
Und vorenthalten, will ich euch das Gesamtkunstwerk von Jon Rawlinson auch nicht:
Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

26. Juli 2009

Menschenskinder

WG
(via)

Putztag. Im Wechsel unter staubbedingtem Niesen und Schwindel durch Reinigungsmittelgeruch gelitten. Nebenbei den ZDF-Fernsehgarten mit offenem Mund gesehen und die Leistungen der Menschheit (Erfindung von Rad und Buchdruck, Mondlandung und Schuhe mit Klettverschluss) für ein Wunder erklärt.

24. Juli 2009

Im Bus ganz hinten

Erwische mich bisweilen noch immer dabei wie ich ungläubig außenpolitische Nachrichten schaue, verzaubert Spiegel-Online Bildergalerien durchklicke und heimlich bedeutungsschwanger an Martin Luther King denken muss. Und würde sich dieser Mann an der Macht als schlechter Mensch entpuppen, dann wäre das schade aber auch die Vollendung der Gleichberechtigung.


(via: Lisa Jack)

22. Juli 2009

The Art of: Studienortswechsel

fly
(via)

Heute den letzten Unitag bestritten. Das erste Semester seit dem Wechsel von Leipzig nach Dortmund ist somit Geschichte. Und der vom Umfeld eingeforderte Vergleich bringt die Apfel- und Birnenerkenntnis. Denn wenn Leipzig auf großen Plänen fußte, ist Dortmund von einer Vernunft getragen. Jedenfalls wurde alles Vorgenommene in den vergangenen Monaten erreicht. Vor allem in den letzten Wochen kann man das Ganze sogar als Einleben bezeichnen (Grillen auf dem Unigelände, Klassenfahrtsromantik beim Block-Seminar auf dem Land). Gut, die Unibibliothek kennt man nach wie vor nur von außen. Aber auch das wird sich bald ändern (müssen). Wenn alles glatt läuft, winkt nach dem kommenden Semester die Scheinfreiheit. (Obwohl dieses Wort beim Zergehen auf der Zunge irgendwie schon Fragen aufwirft.) Und was wären Semesterferien ohne Urlaub Arbeit. In diesem Sinne: ein philosphisches “keep on rockin’.

enemy
(via)

20. Juli 2009

Suburban Grace

album release 24.07.09
(release: 24/07/09)

Es gibt Augenblicke zwischen Dialogen, Pausen zwischen Sätzen ohne Satzzeichen und Töne zwischen zwei Stimmen, die Absichten und Gefühle hinter kaltes, ehrliches, gelb getöntes Glas legen. Und es gibt Unwetter, die den Eindruck erwecken, das sei nun unweigerlich das Ende aller Tage; sodass selbst ein Horten von Dosenravioli im Keller hinfällig wird. Dann beginnen sich Tüten auf der Straße der Schwerkraft zu verweigern und fliegen vorbei an Menschen, denen der Regen im Gesicht die Konturen nachzeichnet. Und sie sind so bemüht, alles, was sie besitzen in Sicherheit zu bringen, dass ihre Adern auf der Stirn hervortreten. Und ihre Pläne werden zu rohen Eiern, ihre letzten Telefongespräche zu geschälten Tomaten. Im Dunkeln ist das Glimmen der Zigaretten die einzige Lichtquelle. Die Mischung aus Panik und Bier lässt sie nervös an ihren Ringen drehen und sie haben nur noch die offenen Rechnungen in der Tasche, die schon längst verjährt sind. Und sie haben nur noch Gespräche im Kopf, die sie längst hätten führen sollen. Und dann legen sich die Tüten nach einigen Kilometern wieder auf dem Asphalt in Falten und es wird wieder hell. Und keiner denkt mehr an Dosenravioli, offene Rechnungen und Gespräche. Und die gelbe Sau geht auf, als wäre nichts gewesen. Nur zwischen den gerissenen Adern in den Augen der Gesichter ist eine Ahnung zu erkennen, dass alles was zu tun ist, im Weitermachen liegt.
Everlaunch sind gelb getöntes Glas, das es schon immer gab. Und es geht nicht um Erfindungen, sondern darum, die Dinge irgendwie auszuschöpfen. Und sie bringen eine Naivität mit, ohne die das Wesentliche keine Chance hätte. Sie sind in einer Weise absolut, die das Gleichgewicht aus den Angeln hebt. Statt kalkuliert Dosenravioli zu kaufen, schütten sie sich im Regen noch Wasser über den Kopf, schlagen rohe Eier auf die Straßen und stellen im Sturm noch Windmaschinen auf; nur um zu sehen, was passiert. Und sie zünden neue Zigaretten an, wenn die alten den Filter erreichen. Und wenn alles vorbei ist, sind sie die ersten, die merken, dass sich die Tüten nicht auf ewig der Schwerkraft entzogen haben.

gravity
(via)

19. Juli 2009

Raging Reward

schnee-bank
(via)

Heute morgen eine Serie gesehen, in der die Zeiger Weihnachten geschlagen haben. Und vermessener Weise habe ich sofort Schneeflocken auf Nasenflügeln, Lebkuchengeruch und den Hass auf Weihnachtsmarktglühwein herbeigesehnt. Inzwischen tickt die innere Uhr wieder konform und lediglich die Sehnsucht nach einer Weltreise hält mich noch von diversen Aktivitäten in Richtung Arbeit und Uni ab.
Zusätzlich hält mich das Seminar der vergangenen Tage auf Trab und ich grüble nach, was ich mir wünsche. Und da es da nichts zu wünschen gibt, was in meinen Bügeleisenverbrannten Händen läge, grüble ich darüber nach, was ich gern ändern will. Ich will mehr Geld und Zeit spenden, keine Tütensuppen mehr essen, häufiger anrufen, illusorische Erwartungen an Menschen von Bedeutung runterschrauben, den Arbeitsplatz aus Gründen in Frage stellen, Rundfunkgeräte abmelden, das Studium vorgestern abschließen, Geld verschenken, Zeit kaufen, nicht länger schlechter Verlierer – dafür aber besser Mensch sein und weniger rauchen.
Inzwischen habe ich beschlossen, über so ein alltagsfernes Gedöns nicht mehr nachzudenken. Is halt so. Funktioniert ganz trivial: Dieses gottverhasste bezaubernde Spiel besteht aus nur wenigen Tasten:

play
(via)

18. Juli 2009

Sitzen lernen

Naturskepsis
(via)

Das Schönste an Ausflügen ins Dorf ist die Abreise. Auf Bildern spielt die Natur einem ja immer Idylle und Unschuld vor. Und dann stürzen sich Mücken, Bremsen und Wespen im Kollektiv auf die Flip Flop freigelegten Füße. Als Konsequenz sieht das Laufen plötzlich nicht mehr gewohnt sexy aus, sondern hat eher den Charme eines Kleinkindstolperns. Und die Füße nehmen Michelin-Formen an, dass man sie wahrscheinlich der Wissenschaft zur Verfügung stellen sollte. Meine zurückgelegte Laufroute beschränkt sich jetzt somit auf die Stationen Bett, Tiefkühlfach, Bad und Balkon. Morgen plane ich das um die Station Tankstelle zu erweitern. Zur Not arbeite ich derzeit an einer Handstandperformance.