31. August 2009

Interpretationsspielraum

Freude
(via)

Wir sind Wahlsieger weil:
a) wir die meisten Stimmen der Wähler erreicht haben
b) wir das beste Wahlergebnis seit x-Jahren errungen haben
c) wir nur wenig Stimmen im Vergleich zur vergangenen Wahl verloren haben
d) wir weniger Stimmverlust als der politische Gegner haben
e) ohne uns keine realistische Koalition gebildet werden kann (Zünglein-an-der-Waage-Weisheit)
f) wir weniger Stimmen verloren haben als es die repräsentativen Umfragen vorausgesagt haben
g) wir die 5-Prozent-Hürde geschafft haben
h) Wir müssen doch mal die Kirche im Dorf lassen: darum halt.

P.S. Meine Erkenntnis des gestrigen Wahlabends: Wäre Jörg Schönenborn mein Mathelehrer gewesen: Ich wäre der Welt der Zahlen mit Faszination und Euphorie begegnet.

28. August 2009

Koketterie der Befangenheit

Bob
(via)

Loyalität, Gelbsucht, Loyalität, Gelbsucht, Loyalität, Gelbsucht – verdammt.
Selbstverständlich erwarte ich von euch, dass ihr zur finalen politischen Meinungsbildung das TV-Duell schaut, das Ganze als Public Viewing mit Freunden zelebriert, am Besten im Ersten und am Ende mit Erkenntnis für euch:
1. Steinmeier, who?
2. Longer jackets – why not Mrs. Merkel?
3. Who the fuck ist Peter Limbourg?
4. What a Knatschvoice has Illner?
5. What the hell ist an Klöppel Anchormanalike?
6. What a great Ansager!
(Befangenheit nicht ausgeschlossen) Aber was für Chuzpe da Pro Sieben zeigt, indem der Sender für die zeitgleiche Free-TV-Premiere des Simpsons-Films das Werbetrommelfell krachend zerstört, das lässt denen durchaus auch eine gute Quote wünschen. Schon allein weil auf deren Homepage die Simpsons-Version von Frau Künast Frau Künast mehr ähnelt als Frau Künast selbst. Chapeau.

26. August 2009

Kehrsaite

Gitarre© scp

Der mittlerweile zweijährige Besitz meiner Gitarre namens Gitarre hat neben einer gerissenen Saite und wunden Fingerkuppen noch eines zustande gebracht. Sage und schreibe insgesamt ein Lied kann ich seit eineinhalb Jahren darauf spielen. Und das ist das atemberaubende und ans Herz getackerte “talk tonight” von Oasis. Und so ein bisschen gibt es darin eine Textzeile, die ich mir derzeit mindestens jeden zweiten Tag mit Edding auf die Stirn und mit Pommes hinter die Ohren schreiben könnte.
Vorgenommen: am Wochenende Marmeladenbrot essen.

23. August 2009

Ein Loch in der Tasche der Lügen

Pflaster
(via)

Selbst am Wochenende sind sechs Stunden Schlaf das Höchste der Gefühle. Dann muss wieder was passieren. Aber im Licht von 28 Grad und Tennissocken in Sandalen verschwinden auch die Schatten unter den Augen. Das Leben fühlt sich derzeit stets bemüht an, verschenkt keine Perfektion und Wunderheilung, dafür aber ein Eis auf die Hand und Pflaster mit bunten Motiven. Heute sind das zwei bemerkenswerte Bands in einer ehrlichen Stadt und das an nur einem Tag.

16. August 2009

Blitzposen

Bolt
(via)

Da nimmt man sich nach mehrfacher Enttäuschung in Jugendtagen vor, nie wieder mitzufiebern weil doch alles zwar mit viel Herzblut aber leider auch oft mit Eigenblut erreicht wird. Und dann sitzt man doch wieder gebannt vorm Fernseher und drückt Daumen, kaut Nägel und vergisst den eigenen Umzugshelfermuskelkater wenn man sich dann vom Sessel springend (hoffentlich unbeobachtet) in Blitzposen übt.

10. August 2009

Die schlechte Nachricht

Schweinsohr
(via)

Wir müssen alle sterben. (Oh, ein starker erster Satz, der keinen billigen Optimismus vortäuscht und trotz der eiligen Beantwortung der Wie-gehts-aus-Frage durchaus Cliffhangertauglich ist. Trotz dieser selbstverschuldeten sprachlichen Fallhöhe muss man sich aber auch an den zweiten Satz wagen. Also weiter.) Mit dieser Erkenntnis hatte sich der eine oder andere auch schon vor dem Sommerloch die Zeit bis zu besagtem Ende vertrieben. Nun scheint mir aber eine Krankheit en vogue, mit der ich auch ab und an zu liebäugeln weiß, die aber den Großteil ihres Daseins mit müdem Lächeln gestraft wurde. Jetzt, im Sommerloch, erlebt die Dame scheinbar zweiten Frühling, goldenen Herbst und Wetterkapriolenwinter in einem. Ob nun auf öffentlichen Toiletten im Bahnhofsbereich, vor der Teilchenauslage beim Bäcker oder unter den Festhalteschlaufen in öffentlichen Nahverkehrsmitteln: Diese bezaubernde und standhafte Krankheit schafft es sogar, der PR-starken One-Hit-Wonder-Newcomerin aus Übersee namens Schweinegrippe die Stirn zu bieten. Wir müssen alle sterben – Es lebe die Hypochondrie.

Playing Talking

stumm
(via)
Small Talk ist wie Molekularküche, das Mädchen von Seite eins oder München – Geschmackssache. Ich hasse Small Talk. Deshalb bin ich auch an 363 Tagen im Jahr schlecht darin. Das “Wetter-Politik-Beruf-Und-Sonst-So?” ist nicht mehr als aktives Demonstrieren von Desinteresse. Nicht, dass ich ein Freund tiefschürfender Gespräche mit jedermann wäre; vielmehr Verfechter des ehrlichen, passiven Desinteresses: An der Theke sitzen, beobachten, trinken, Strohhalm kauen, drei Tage alte Salzstangen zerbröseln – sowas halt.

Ab einem gewissen Kilometerstand, ist es auch in der klassischen Mitfahrgelegenheitssituation soweit. Nachdem geklärt ist, dass kein Freak auf der Rückbank sitzt, kann auch mal geschwiegen werden. Anzugeben, man sei Auszubildende in einer Bank, war bis zur Finanzkrise ein Garant für wenig Nachfragen. Inzwischen ist man da lieber wieder ehrlich. Dennoch ist Roxette im Radio nachts 0:30 Uhr durchaus beachtenswert. Da schaut man lieber schweigend aus dem Fenster und denkt an Richard Gere, der Julia Roberts aus dem Cabriodach heraus mit dem Regenschirm umgarnt. Nachts ist so etwas vollkommen ausreichend und diese kitschige Konnotation mit Musik verzeihbar. Vor allem wenn man als Kontrast am Morgen bei Andrea Kiewel im Gespräch mit Waldemar Hartmann unterbewusst über den Weight-Watchers-Punktewert von einer Flasche Weißbier gemutmaßt hat.

6. August 2009

Sowas wie Urlaub

Sommer
(via)
Es gibt Menschen, mit denen habe ich am 12. Geburtstag neben der Garage Scabble gespielt und heute sind sie dreifache Eltern von großartigen Zwillings-Boys und einer fünf Monate jungen Lady, die versucht, mit meinem Finger ihre ersten Milchzähne mittels Draufrumkauen ans Tageslicht zu befördern. Und dann sitzt man da so zwischen Lego und Zweifeln und all die Backsteine, die in NRW balanciert werden, sind irgendwie so weit weg, dass einem Nervosität in die Nieren schießt. Ich mag mein Leben, sehr sogar und weiß gleichzeitig, dass man davon ein bisschen kaputt gehen kann. Aber immerhin hat man dann selbst die Backsteine gestapelt.

5. August 2009

Alles beim Neuen

Altern
(via)

Nach acht Monaten das erste Mal in der Heimat. Und das Wiedersehen mit vertrauten Menschen macht klar, dass man in vielen Gesten und Worten noch immer die Gleiche ist und gleichzeitig wie sehr man nicht mehr die ist, die damals wegzog. Bemerkenswert verwirrend.
Da sind Dinge, die bedürfen Ergänzungen, Einschränkungen und Erklärungen. Und dann sind da Sätze, die vollkommen absolut sind.

„there’s nothing left for me to say, you break my heart in every way.“
„you’ve done nothing at all, to make me love you less.“