30. September 2009

Kein&Aber

Bandsalat
(via)

Feierabend bei Tageslicht ist eine Sache, an die man sich gewöhnen mag. Nur bin ich meiner Schwäche für Fragebögen erlegen und wollte über meine Antworten auf 100 Fragen grübeln. Die stammen aus einem Zeit-Artikel und sind durchaus leicht zu beantworten. Hier drei von den simplen:

Wie viele Mahnungen bekommen Sie pro Jahr?
Etwas, wonach Sie süchtig sind?
Können Sie sich besser mündlich oder schriftlich ausdrücken?
Könnten Sie mit der Hälfte Ihres Einkommens auskommen?

Und dann kämpft man sich auch noch wacker durch unangenehmere Fragen wie:

In welchen Punkten belügen Sie sich selbst?
Was haben Sie von Ihrem Vater in Bezug auf Männer gelernt?
Waren Sie eher der, der liebte, oder der, der geliebt wurde?
Was macht Sie unglücklich?

Nur um bei Frage 97 auf die hohe Kunst der provokativen Frageform zu stoßen. An so einer aus dem Zusammenhang gerissenen Frage stoppt man erstmal kurz das Atmen:

Was spricht gegen Selbstmord?

Und jetzt hängt man plötzlich in einem emotionalen Kassensturzdusel wie man ihn von einer Seminarwoche im Sommer noch kennt. Denn die zwei Fragen danach lauten:

Was ändert sich, wenn Sie sterben?
Was stirbt, wenn Sie sich ändern?

Da muss man mal drüber nachdenken. Aber nicht jetzt. Mit 67 zieh ich den Fragenbogen vielleicht mal aus dem Karton im Keller und denk noch mal drauf rum. Denn mit 24 gibt es auf alle Fragen nur eine richtige Antwort: das Herz und ein Kölsch.

29. September 2009

Schon Lange Was Defekt

break
(via)

Blues. Zu müde für alles, was übers Atmen hinausgeht. Der fiese Eindruck, jede Aktion ist nur Malen nach Zahlen. Da will man sich ändern aber dreht sich doch bloß. Fixieren auf Unerreichbares. Und das schönste erreichbare Wort jetzt in diesem Moment auf der Welt ist: Schlaf.

25. September 2009

Brausepulver im Bauchnabel der Demokratie

wahl© scp

Es ist Bundestagswahl. Und ich will mir nicht vorstellen, dass keiner hingeht. Denn man kann über dieses Land wirklich vieles sagen. Hier gibt es zu wenig gutes Olivenöl und zu viel Bürokratie, zu wenig Rhythmus im Blut und zu viel Tennissocken in Sandalen, zu wenig Strand und zu viel Pilawa. Aber es gibt da diese Demokratie, die es zu leben gilt. Und am Ende verlässt man dann doch irgendwie stolz die runtergerockte Gesamtschule und es kommen einem Worte in den Sinn, wie Mündigkeit und Verantwortung. Deshalb wird sich am Sonntag schick und mit dem Edding in der Tasche auf den Weg gemacht.

‘Ob das Erpressung ist
Ist mir doch egal
Du wirst geliebt
Du hast die Wahl.’

‘Und nichts ist beliebig,
Und nichts ist egal,
Atme ein, atme aus,
Du hast immer die Wahl.’

23. September 2009

gepflegter Pessimismus in Scherben

tomaten
(via)

Man findet immer noch Pfennige neben Gullideckeln, Wimpern in Gesichtern und Bernstein im Sand. Und – zu ernst für mein Alter – geh ich damit hausieren.

‘Und ich gebe zu ich bin ziemlich kriegsgeil,
ich will dabei sein wenn das alles explodiert
und dann tot sein oder aufstehen aus Asche und Trümmern
und zusehen dass der Laden wieder funktioniert.’

20. September 2009

Bloss Freunde

Spatzen/Tauben, Dächer/Hände
(via)

„Die Leute denken, wir sind betrunken, dabei sind wir bloß Freunde.“
Und in zwölf Monaten wird wieder Keimzeit auf dem Balkon gehört.

17. September 2009

Jesus didn’t die for me

Hochtief
(via)

Das bezaubernde Konzert, bei dem ich im Eifer des Gefechts am Dienstag in Gedanken zurückgeworfen an die Wand gelehnt meinen Becher in der Hand gehalten und leise die Melodie mitgesummt habe, ist unterm Strich an mir vorbei gerauscht. Und dennoch bin ich ein wenig glücklich, dass ich da und dort traurig war. Denn darin muss man auch erst einmal so gut sein wie ich. Und man gönnt sich ja zwischen Arbeit und Schlaf und Arbeit so wenig gefühlsduseligen Mist. Kann das alles also noch. Und jetzt sind wieder Arbeit und Schlaf und Arbeit dran. Und man bildet sich zu leben ein.

13. September 2009

TV-Duell-Senf

22:49: So, ENDE, jetzt bitte über die Wahlentscheidung schlafen. Schüssi.
22:21: Stoiber ähhht, ZDF: DVBT-Störung, RTL: Klöppel berichtet in gewohnter Gähn-Weise von seiner Innensicht, Sat1: muss Werbung machen.
22:19: Oh, Heiner Bremer wurde von RTl nochmal angerufen und vor den Bildschirm gezerrt. Und Frau Essmüller kämpft damit, sich vor einen Fernsehwinker zu stellen.
22:11: Oh wenn sie schon die Bunte-Chefin Riekel haben, warum haben sie nicht gleich Frau Weischenberg eingeladen? Und schläft Herr Peymann schon?
22:07: Ui, Steinmeier ist der Bill Kaulitz der Politik?
22:06: Ui, der Jörg. Warten, Zahlen und so gucken.
22:02: Huch, Herr Stoiber ist noch fast wach und Herr Wowereit hat eine komische “Hey-ich-hab-noch-viele-Haare”-Frisur. Herr Jauch guckt so wie ich mir genau in diesem Moment viele Menschen auf der Couch vorstelle, die grad nicht die Simpsons geschaut haben.
21:59: Merkel will menscheln und klingt so als würde sie morgen ein Paket für mich entgegen nehmen, wenn ich nicht da sein sollte und der Postbote es sonst zur Filiale bringen würde, wo ich mich am Folgetag in die lange Schlange stellen müsste. Und sie lächelt so, als gäbe es eine Regieanweisung in die Richtung.
21:58: Steinmeier liest beim Schlussplädoyer ab und klingt wie ein Schröder für Freunde der Wärmflasche.
21:55: Frau Merkel sieht müde aus. Und ich habe gerade ein déjà vue: Merkel sagt: “Es geht um die Zukunft dieses Landes.” – Bingo.
21:47: Bin grad im Zuge des Gedanken an aufschauenden Stolz auf einen Freund gekommen, der jetzt in Berlin sitzt und mehr als wach hinter dem Geschehen sitzt und auf diversen Gegenständen kaut.
22:40: Spider-Schwein verpasst, schade.
21:36: Herr Plasberg ist ebenso großartig ohne Touchscreen. Aufschauender Stolz.
21:34: Herr Steinmeier macht sich Notizen. Anzeichen für Schwächen des Denkapparats?
21:27: Ach, schönes Hemd des Herren rechts. Ich werde das der bezaubernden Frau, die die Garderobe übernimmt schon bald sagen.
21:07: Oh, Merkels Dienstwagenaffärenpendant wird Thema: Die Geburtstagsfeier von Herrn Ackermann. So wie sie das formuliert, könnte ich euch alle nächstes Jahr zum Geburtstagsabend ins Kanzleramt einladen.
21:02: Merkel nennt im Zusammenhang mit der Atomenergie das Wort “Brückentechnologie”. Verdammt, hätte ich beim TV-Duell einen Bingo-Abend veranstaltet, hätte ich eben laut Bingo gerufen. Ein Hoch auf schwammige Worte.
20:58: Und was für einen hektischen Abend hat Udo Walz denn bitteschön heut Abend? Erst die Kanzlerin frisieren und dann anschließend Christiansens Kopf in einen formschönen Wischmob verwandeln?
20:57: Welche Symbolsprache hat eigentlich Merkels Halsschmuck? – Lässt sie sich als Kanzlerin vielleicht doch gern noch einmal vier Jahre lang von den Roten zärtlich in Ketten legen?
20:47: Hey, wäre ganz lieb von den Kollegen aus der Regie, wenn der Kopf von Herrn Plasberg nicht hinter dem ARD-Logo verschwinden würde. Danke.
20:42: Erster Wattebällchenangriff gegen Merkel. Also doch ein Duell.
20:37: Ich glaube Merkel und Steinmeier springen gleich Händchenhaltend aus dem Studio in den Sonnenuntergang.
20:31: Mein Sieger steht ganz rechts und hat die Chuzpe, keine Krawatte zu tragen.
20:20: Der Günther Jauch schaut so in die Kamera als verstünde er genauso wenig wie wir die Statements von Äh Stoiber.
20:21: Das muss Jauchs Geheimnis sein: Er schaut immer in die Kamera und schafft damit Verbrüderung mit dem Zuschauer. (merken! für die spätere Berufslaufbahn!)
20:16: Aha, Countdown im Ersten also. Muss also aufpassen 20:30Uhr nicht laut “Gesundes Neues” aus Reflex zu schreien.
20:07: Man rüstet sich mit Wein und Knabberzeug. Ich fühle mich wie 45. Man ist ich bin so aufgeregt!

car crash weather

new york
(via)

Das gibt es Tage, die beginnen so, wie man sie dann spontan auch von vorn bis hinten verbringen will. Der Regen überlagert akustisch die sonst immer nervenden Kirchenglocken. Und im Grunde genügt einem an diesem Tag eine dicke Decke, eine Staffel sehenswerten amerikanischen Serienguts und ab und zu eine Tasse heiße Milch. Und sobald man doch versucht, mehr aus diesem Tag zu holen, straft einen der Sonntag direkt mit bösen Blicken. Denn obwohl alles für einen perfekten Sonntag im Haus, Kühlschrank und DVD-Laufwerk ist, fällt mir plötzlich ein, dass ich die vergangene Woche eigentlich mit Freunden in New York verbringen wollte. Und dann ließen mich Fernweh und das Scheitern bei der Frühstückseiproduktion durch die Wohnung tigern. Inzwischen kenne ich mich aber schon ganz gut und deshalb habe ich mir vorgestellt, ich säße in einer New Yorker U-Bahn, würde mir Kaffee vom Sitznachbarn auf die Lederjacke schütten lassen und dann im unerwartet windigen Central Park spazieren gehen. Und mein Plan ging auf. Hätte ich heute genau das getan, wollte ich nur an einen Ort: unter eine Decke, mit heißer Milch in der Hand und siehe oben. Deshalb habe ich meinen Frieden mit diesem Sonntag geschlossen und tue jetzt genau das. Und heute Abend werde ich bei Studentenfutter und Kölner Genussmittel zwischen vier Sendern switchen und dennoch überall dasselbe sehen. So etwas wie gut, dieser Sonntag.
sincerely_

milk honey
(via)

12. September 2009

Vereintes Deutschland

Fortuna Düsseldorf© scp

Der liebe Gott hat mir eine genetisch angelegte Zerrissenheit geschenkt, die durch die Wiedervereinigung nochmals multipliziert wurde. Damit bewegt sich der Wert meines Minderheitenquotenpotenzials mindestens im oberen Drittel der Skala und alle Firmen sollten sich eigentlich um mich prügeln. Genau genommen, bin ich sozusagen wie Zimt in der Tomatensauce und Lebkuchen im Supermarkt-September-Sortiment. Ungewöhnlich irgendwie. Das hinterlässt natürlich auch Spuren bei der Identitätssuche. Vor allem wenn zwischen den Stühlen so ein bequemes Kissen liegt.
Derzeit widme ich mich intensiv der Frage, deren Relevanz weit über Fangesangsrepertoire und Halsdekoration hinausgeht. Denn die Antwort darauf sollte auf Lebenszeit dieselbe bleiben.
Es ist die Frage nach dem Fußballverein des Herzens. Gestern: den ersten Kandidaten getestet. Und eines muss man Fortuna Düsseldorf lassen: Der Verein würde mit meinen Personalausweisdaten harmonieren. Und auch der Schlachtruf „Fortunää“ kommt meinem ostdeutschen Sprachbackground entgegen. Allerdings war das gestern im Stadion ein Fußball, den man, nun ja, mögen muss. Ähnlich mögen muss, wie Malen-nach-Zahlen-Bilder, bei denen das Kind trotzdem noch fett über den vorgezeichneten Rand gestrichen hat. Dass Fortunää in der zweiten Bundesliga spielt, ist also zu sehen, löst aber auch ein bisschen Underdogsympathie aus. Außerdem gefällt ein wenig die unbewusste Liebe zur Alliteration: Denn im Kader gibt es neben Claus Costa auch noch Michael Melka und Stephan Sieger. Vielleicht liegen die Zweifel aber auch darin begründet, dass der Abend nach Spielabpfiff netter wurde.
Bin also nach wie vor unentschlossen und plane zur finalen Entscheidungsfindung demnächst ein Spiel der Kölner und eventuell auch der Dortmunder im Stadion zu sehen. An dieser Stelle verhehle ich ehrlicher Weise nicht die generelle Grundaffinität zu vierbeinigen Vereinsmaskottchen.