26. Februar 2010

Karussell im Kopf

Es liegt 1. eine der anstrengendsten Wochen überhaupt hinter mir und 2. an mir.
So langsam tritt aus dem Hinterkopf nur noch der Rauch, wie aus Stroh, dessen Brand im Inneren man rechtzeitig löschen konnte. Das Karussell im Kopf dreht sich allmählich langsamer und der Schlaf war so lange nicht mehr da, (wir schrieben uns in den letzten Wochen nur unregelmäßig Kurzmitteilungen) dass wir uns so langsam mal wieder lange unterhalten müssen; gern neun Stunden am Stück. Vielleicht helfen die Filme, die die Liebe ausleiern und sie so allgegenwärtig erscheinen lassen, wie kahle Bäume im Winter und Oberlippenbärte im Kiosk.
Inzwischen gehen in allen Bereichen, die sich auf dem Spielplatz nicht umdrehen, wenn man ‚Arbeit’ oder ‚Uni’ ruft, die Adjektive verloren. Dinge finden statt aber keine Worte.
Zeit für Tage, deren Datum man vor lauter neuen Eindrücken nicht mehr weiß und für Perspektiven, aus denen mehr Licht ins Objektiv fällt.

22. Februar 2010

Instinkt

Heute nur ein paar Kilometer unbekannte Strecke gefahren, dabei Windräder gesehen und eine Sonne, die sich aussichtslos durch Decken von Wolken zu kämpfen versucht. Und dann waren da Schornsteine, die aus der Nähe nur Abneigung einfordern, aus der Distanz aber beständig in einer Selbstverständlichkeit vor sich hin schloten, dass man neidisch wird, weil sie wissen, wozu sie da sind und nichts hinterfragen. Und die Autos links und rechts, über und unter einem werden vorne wie hinten so zuverlässig kleiner, dass alles von oben wie ein gut organisierter Ameisenhügel im Wald aussehen muss. Alles muss genau so und nicht anders. Und am Ende eine Ahnung davon, dass die eigentliche Kunst beim Rastlosen im Gespür für das Anhalten besteht.

21. Februar 2010

Frühvorstellung

Das letzte Mal war man wohl neun Jahre alt, als man 11 Uhr vormittags im Kino saß. Damals kostete die Kinokarte etwa ein Viertel des heutigen Preises, aber das war sowieso egal, denn Mutti hat das Ganze bezahlt und das Popcorn hatte man schon gierig während der langen Filmwerbung für „Free Willy“ vernichtet.
Heute Morgen also klingelte der Wecker, damit der Film nicht ohne einen beginnt. Grund war dieser, nennen wir ihn Schlumpffilm 2.0 in 3D. Der Fachmann meinte, man bräuchte gute Plätze, um das 3D-Gedöns richtig „zu erleben.” Und sonntags 11 Uhr fallen die Menschen aus den Kneipen, denken an Schlaf oder Kirche, nicht aber an drei Dimensionen.
Weil man sich Rituale auch bewahren sollte, gab es heute, wie damals nach besonderen Kinobesuchen, ein Kids Club Menü. Und wie bei Überraschungseiern gilt alle Aufmerksamkeit dem Spielzeug; heute: Spiderman. Diesmal aber alles selbst bezahlt.

20. Februar 2010

Heimlich gemerkt

Solange die Tage mit dem Abend in Sachen Beleuchtung konkurrieren, ist man nachts wach und denkt an Schlaf, den Tag und das, was darin aus Zeitgründen keinen Platz gefunden hat. Und wenn sowohl am Tag als auch in der Nacht der Strom nicht fließt, steigen Musik auf dem Laptop und Taschenlampe im Wert. Zeit für Sonne um 22 Uhr, Lederjackenwetter, Unbehaun, sogar für Tennissocken in den Sandalen. Das wird korrigieren, berichtigen und zurechtrücken.

19. Februar 2010

Assimilation

Manchmal laufen die Fensterscheiben vom Temperaturunterschied innen und außen so sehr an, dass Assimilation so etwas wie süchtig macht, weil man sonst nichts mehr sehen kann. Es werden gemeinsame Musik, geteilte Meinungen und gleiche Ziele im Leben gebraucht. Bereitschaft für mehr als „auf halber Strecke“. Und am Anfang ist die Performance ausbaufähig, die Pausen zu lang und die Stimme hängt sich am Satzende immer an der höchsten Stelle des Raumes auf und baumelt dann unsicher hin und her. Dann irgendwann ist man von sich selbst überrascht, redet zu viel und zu laut über belanglosen Mist, der wirklich vieles ist aber auf keinen Fall bedeutend. Und man muss sich bremsen, das alles nicht selbst noch zu glauben.
Und dann wartet man auf Magenschmerzen, um zu sehen, ob das Bauchgefühl überlebt hat. Und um sich nicht selbst fremd zu werden, macht man, an die kalte Wand gelehnt, einen Kopfstand und hält ihn so lange, bis die Adern an den Schläfen anderes nahelegen. Dann beschleicht einen so etwas wie eine Ahnung von oben und unten, Problem und Lösung, Kompromissen und Assimilation.

12. Februar 2010

Bariton

Draußen heißt kalt. 75 Seiten sind ein Ende und doch nur der vierte Akt. Und Kamelle will eine Jahreszeit bedeuten. Ein Album zieht drei weitere nach sich. Bariton will die einzig angemessene Tonlage sein. Und „bis die Tage” bedeutet zwischen 241 Stunden und das war’s.

You were right about the end
It didn’t make a difference
Everything I can remember
I remember wrong

10. Februar 2010

Mädchen

Manchmal reagiert man auf Musik noch immer wie ein 14-jähriges Mädchen. So auch gestern Abend. Hmm

4. Februar 2010

Anfang vom Ende

Wenn man fast sieben Jahre [mehr oder weniger] studiert, überkommt einen überraschend etwas Wehmut, wenn dann plötzlich und herbei gesehnt zugleich das letzte Seminar hinter einem liegt. Dann denkt man trotz Studienortswechsel an die Zeit in Leipzig, als am See gelernt und im Hörsaal Glühwein getrunken wurde. Und man denkt an dieses Jahr in Dortmund, in dem man zur Arbeit schielend trotzdem Leuten begegnet ist, die man schätzen und missen gelernt hat. Und ein bisschen ist man erleichtert, dass noch der eine oder andere studentische Kraftakt ansteht, bevor dieses Ex-Wort einen endgültigen Strich unter diese prägende, schwere, leichte, schwarze, weiße, umwerfende Zeit zieht. Und am Ende steht die Erkenntnis, dass Leipzig und Dortmund mehr gemein haben, als viele, die nur an einem der Orte studiert haben, glauben mögen.

1. Februar 2010

Disregard

Man verliert ja, blind vom Blick ins Blitzlicht der Dinge, die im Argen liegen, die Sicht auf so manche Sachen, die eine Rolle spielen sollten. Und das in so vielerlei Hinsicht, dass man gern rund um den Kopf Augen haben möchte. Aber dann dürfte man keine Mütze mehr tragen, was bei diesem Winter ein Opfer wäre. Und im Sommer müsste man eine Pilotenbrille tragen, die aus so vielen Gläsern bestünde, dass man mit dem Polieren nicht hinterherkäme. Deshalb heute nur zwei Gedanken zum Thema Vernachlässigung.

(via)

In den vergangenen zwei Semestern habe ich an der Uni die Zeit damit verbracht, eingereichte Themen zu checken, die für viele von Bedeutung sind, aber in den Medien trotzdem von Michael Jacksons Tod oder dem neuem Macker der Ferres verdrängt wurden. Herausgekommen ist am Ende eine Liste, bei der mein überprüftes Thema von einer Jury am Wochenende auf Platz 1 der vernachlässigten Themen gewählt wurde. Man ist überrascht wie zufrieden und ein bisschen auch stolz das doch macht – auch als Bilanz eines Spagatjahres zwischen Arbeit und Uni.

(via)

Noch elementar bedeutender und näher am Herzen ist aber die Tatsache, dass man endlich etwas durchgezogen hat, das seit Jahren die Hirnrinde drückt. Mag es an den Wurzeln liegen oder am Helfersyndrom. Gestern wurde Schnee für das Patenkind in Niger fotografiert. Und man nimmt die Sache sehr ernst; so ernst, dass man notfalls bereit wäre, auf Handyflatrate, Haftpflichtversicherung und neue Klamotten zu verzichten, sollte man sich entscheiden müssen. Prioritäten.
Es werden noch ein paar Monate vergehen; Rechnungen und Werbeprospekte den Briefkasten durchqueren, bis man Post von Kadidja bekommt. Aber auf den Tag wird sich gefreut.