30. Juni 2010

Wahlwiederholung

Hui, wie warm das heut wieder geworden ist. Auf dem Weg quer durchs Land glühen die Gleise und die Luft darüber flimmert und diese im Wachkoma geglaubte Dame Demokratie macht an diesem Tag alles außer zu dehydrieren. Im Gegenteil: sie hat sich heute wahrscheinlich in die brütende Sonne gelegt und vorher keinem verraten, dass sie wechselwarm ist.
Tante Demokratie dankt sicherlich denen, ohne die das alles – ihr wisst schon…
“Und, was hast du am WM-freien Tag so getrieben? – Ach dreimal 1244 Namen vorgelesen.”
Warum der Lammert nicht einfach das Tor in den Plenarsaal schleift und die Geschichte so austrägt, wie es sich in diesem Sommer gehört. Politik Viewing.

29. Juni 2010

Schutt und Asche

Und die Grundhaltung liegt in Schutt und Asche. Wenn man Menschen eigentlich gern pauschal erstmal nur so mittel findet, ist das immer so wunderbar, auf welche zu stoßen, die so sehr zu den guten gehören, dass einem der Thees pathetisch “Für immer die Menschen” ins Ohr summt. Da sind viel mehr Rosinen im Brötchen, als man vermutet mag, wenn man sich das nur von weitem in der Auslage anschaut.

27. Juni 2010

Balkonfrühstück II

Noch ein bisschen Ruhe vor dem Sturm, also Klose.

Nachtrag, 20:55Uhr
Die absolute Wahrheit und die Annäherung daran. Ein Hauch Orkan von Wembley:

(via)

26. Juni 2010

Balkonfrühstück

Man kann das so wunderbar lange machen bis es nur noch sonderbar ist, oder wunderlich. Da ist nur etwas Übung nötig, für ein “gut, bye”, das eigentlich “ach, komm schon” meint. Und auf dem Heimweg mit dem Fahrrad vorbei am Haus mit den Nummern am Fenster. Die Damen spielen unfreiwillig Tupperabend: Jeder guckt, fasst auch mal an, aber kauft am Ende doch nicht. Die Herren investieren diesmal in andere Genussmittel: Bier und Zigaretten. Zeit für vier vertraute Wände.
Am Morgen klebt einem die Sonne dann schon an der Haut und die Adern zeichnen sich gegenseitig ab, die Nachbarn sitzen in gestreifter Unterhose am karierten Tisch auf dem Balkon und alles ist irgendwie nicht nur sowas wie gut; sondern sowas von gut. Der Sommer macht so ein Flimmern, dass man endlich nicht mehr so einen langen Schal aus den Gedanken strickt. Die Energie reicht aber aus, um mit Sand in den Augen Burgen zu bauen. Wenn man groß ist, will man am liebsten hier und da Fotos verkaufen und ansonsten irgendwo mit Salz in den Haaren und Sand zwischen den Zehen sitzen und immer “ach, komm schon” sagen, wenn man “ach, komm schon” meint.

23. Juni 2010

Flaggenmast

Tzz, wie kann man nur schon beim Aufstehen aufgeregt sein, als wäre man neun und heute der 24.12.? Wie kann einem den gesamten Tag über dieses Lied durch die Ohren kriechen, sodass man nur schwer arbeiten kann? Und wie konnte es so weit kommen, dass dieses ganze Gedöns so Besitz ergreift? Ganz einfach mal: Darum. Wenn alle nackt sind, wer ist dann der Rebell?
Und dann ist da noch die Sache, dass es diesmal so ungemein aufgeladen ist mit Weltpolitik im Großen und der Idee, manchen Dingen doch endlich mal auf der angemessenen Augenhöhe zu begegnen im Kleinen; zwischen den lauten Zeilen.

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22. Juni 2010

Tippherrschaft – Eine Momentaufnahme

Ein Zeugnis meiner bisher erfolgreichsten Stunden während der WM:

Harr, harr, ich habe Feuer gemacht. Hach, wie bezaubernd unsympathisch, diese niederen Instinkte.

19. Juni 2010

Holga – Nostalgraphie

Sie ist da, endlich, unendlich bunt und das mit Stil. Erst lag sie im Kiosk zwischen Zigaretten, Schmuddelhelften und Kinderriegeln. – Jetzt liegt sie hier selbstbewusst im Wohnzimmer rum und wartet auf ihre Premiere: Die neue, formschöne und farbenfrohe Holga. Da an dieser Stelle die Nerdnadel ausschlägt, ein paar Worte zur Erklärung. Die Holga wurde in den 80ern in China als Billigkamera entwickelt um es jedem Einwohner die Möglichkeit zu geben, alles und jeden zu fotografieren. Sie war billig, aus Plastik und reich an Fehlern – ebendiese Eigenschaften bringen Menschen heute in den Playboy. Die Holga jedoch ist zur Diva geworden. In einer Welt in der alles bis ins kleinste Detail festgelegt werden kann und alles zwischen gleich und sofort erfüllbar ist, lächelt die Holga müde über all die Hast und dreht gemächlich ihre eingelegten Filme über den frisierten Tesastreifen. Und erst nach mehreren Tagen (heute so was zwischen Ewigkeit und zu spät) holt man die 12 Fotos im Laden ab und reißt in neugieriger Erwartung den Klebeverschluss der Verpackung auf. Die Holga ist der Walkman unter den Kameras, der Jesuslatsch unter den Turnschuhen, der Faustkeil unter den Messern. Jedes Bild scheint aus einer alten, besseren Zeit und all die smarten Fehler, die sie in den Filmstreifen fräst, machen das Ergebnis noch viel merk-würdiger. [1,2] Hach.

18. Juni 2010

Fußballrelativität

Wenn die Sonne scheint, kann ja jeder Sonnenbrille tragen. In der Sauna kann ja jeder unbehelligt nackt sein. Und es kann ja jeder ein Poldi-Trikot tragen, wenn Poldi ein Tor geschossen hat. Man zieht jetzt also mit Sonnenbrille und Poldi-Trikot in der Hand durch die Gegend und freut sich auf einen famosen Mittwochabend mit leergefegten Straßen. (Ist doch nur Fußball. - Nein, es geht um Deutschland! - Ist doch nur Fußball. Nein, es geht um Deutschland!!)

13. Juni 2010

VerAnstaltung

Die Sache mit dem Fernsehen ist ja so eine Sache. Die einen tauschen ihr Format gegen Formate, die plump, öde und dumm sind. Die Realität ahmen sie aus Bequemlichkeit laienhaft nach und dann behaupten sie das sei Realität. Sie spielen Fernsehenmachen und glauben tatsächlich, sie machen da Fernsehen. Die anderen können wie Tausendfüßler kaum laufen vor lauter Beinen, die alle in eine andere Richtung wollen. Und ständig treten sie sich selbst auf die Füße. Und wenn es dann doch mal in eine Richtung geht, dann überschlagen sie sich vor lauter selbstüberschätzten Stolz, grölen „Habemus…“ und lassen weißen Rauch aufsteigen. Und vor lauter Nebel merken sie gar nicht, dass dabei an ein paar Füßen die Schnürsenkel aufgegangen sind und es nur ein Frage von Zeit ist, bis der ganze Raupenapparat wieder gepflegt auf dem Rücken landet und nur behäbig wieder auf die Beine kommt. Ach du, mein Medium.