29. Juli 2010

1250°Celsius

Das Wetter ist ja derzeit eher Moll. Abgesehen von nächtlichen Gewitterwolken, die ohne Ton im Dunkeln immer wieder leuchten, hat das Ganze wenig Reiz. Aber hier stapeln sich so langsam Bücher, von denen man sich in den nächsten eineinhalb Jahren ernähren will. Diese Bücher sind der Perforationsstreifen für den Plan, der vom Schmieden noch heiß ist.

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27. Juli 2010

sede por viagens

Heute ist man doch noch schwach geworden und hat sich im Buchladen das bezauberndste Buch gekauft, dass man sich derzeit vorstellen kann. Dagegen ist die Bibel eine Bedienungsanleitung fürs Bleigießen. Dieses Fernweh legt sich wie hundert Zwiebelschalenschichten um die Flausen im Kopf. Und weil Zwiebeln so riechen, kann man sich nicht allzu lange auf andere Dinge konzentrieren.

26. Juli 2010

Weltuntergang

Man hat einen Hals, einen Hals so breit, dass der Kopf darauf so klein wirkt wie ein Kolibri auf einer 150 Jahre alten Eiche. Es wurde inzwischen alles geschrieben, und leider sogar noch mehr. Und genau jetzt wäre es groß, das Level der Tausend Emotionen und Wahrheiten zu verlassen, abzuwarten, zu beobachten, an verantwortlichen Stellen nachzufragen um reflektiert und respektvoll aufzuklären, wieso wurde, was nun ist. Unfassbar ist gerade vieles, auch Journalisten, die Geschmacklosigkeit als Rechercheleistung deklarieren, wild mit einer Namensliste in der Luft rumwedeln und einen davon überzeugen wollen, es wäre Journalistenpflicht, einen 10 kg schweren Salzsack durch den Telefonhörer in unfassbar große frische Wunden rieseln zu lassen. Ja, Pietät ist tatsächlich ein Fremdwort. Aber es gibt Fremdwörterbücher.
Zeit, bald wieder nach Hause gehen.

24. Juli 2010

Wenn man sich eigentlich angebrachte Sprachlosigkeit nicht leisten darf, weil man ein Mikrofon mit der Aufschrift WDR in der Hand hält und Menschen informiert werden wollen, dann ist es immer die richtige Entscheidung, auf umgangssprachliche Phrasenscheiße zu verzichten. Wenn ein Reporter der Lokalzeit also nach einem solchen Unglück kommunizieren will, dass sich die Menschenmengen allmählich auflösen und (sofern das überhaupt etwas zur Sache tut) generell relativ wenig betrunkene Menschen vor Ort sind, dann ist “Schnapsleiche” in diesem Kontext ein Wort, das, so unbewusst und undurchdacht es rausgehauen wird, so unpassend ist, das einem spontan schlecht würde, wenn einem nicht ohnehin schon schlecht wäre.
Ja, es ist eine Ausnahmesituation. Aber: Ja, es gibt eine journalistische Ausbildung und gesunden Menschenverstand.

20. Juli 2010

Steakcharme

An Wochentagen verbringt man die Zeit zwischen Schlafen und Schwitzen (is there any difference?) mit Arbeiten. Das wiederum besteht oft zu Großteilen aus Rumfahrerei – Rheinland, Ruhrpott, Münsterland. Trotz der Hitze ist das irgendwie wunderbar; so wunderbar, dass man auch an den Wochenenden noch rumfährt. Und wenn es nur wieder für den rauen Charme im Duisburger Landschaftspark ist. Wäre dieser Ort Fleisch – er wäre ein blutiges Rindersteak; aber mit einer Qualität von der argentinische Rinder nur träumen können. Und wenn man erstmal hinschaut, entdeckt man irgendwo am Tellerrand sogar ein bisschen Petersiliengarnitur.

19. Juli 2010

Aorta40

Genau deshalb mag man NRW. Im Grunde: ein großer Stadtstaat. Und die Aorta bringt jeden in seinen Stadtteil, sein Stadion, seine Stammkneipe. Gestern: zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Dass ein Hitzetag auf dreispurigem Asphalt so smart sein kann.

18. Juli 2010

Wetterleuchten

Das Beste am Gewitter ist die Luft danach. Quasi originalverpackt erzählt sie noch keine Geschichte, erinnert an nichts und will einfach für Gutes genutzt werden: Balkonabende mit fabelhaften Menschen, Fahrradreifen, Luftschlösser. Behalten sollte man nur die alte Luft in Einweggläsern, die einen lächeln lässt wenn man sie atmet. Alles andere gehört weggewittert.

14. Juli 2010

Die Wette III

Damit wäre man dann jetzt bereit für den Pokal. In vier Jahren oder irgendwann oder doch lieber in vier Jahren. Tadaa (Wette I, Wette II)

13. Juli 2010

Konturprognose – Die Wette II

Kurz: Ich habe Feuer gemacht.

Lang: Der Tag nach der WM ließ einen überraschend sanft, ja triumphal fallen. Denn: Man ist tatsächlich Tippsieger. Den ganzen Tag also mit „Ich habe Feuer gemacht“-Gesicht im überhitzten Zug gesessen und überlegt: Wohin mit all dem Reichtum? Für ernsthafte BaföG-Rückzahlungen fehlen diverse Nullen am Ende und ein Patenkind in Afrika hat man bereits. Also: eine Investition in die Zukunft und den Glauben daran. Neulich hat man hier gewettet. Daraus wurde nichts. Deshalb wird der Tippgewinn schon mal in die Kontur für den Tag investiert, dessen Zeit so reif ist wie Sternfrüchte nur dunkelgelb vom Baum hängen können. Schon allein der Gedanke daran, dass man irgendwann – wenn Deutschland tatsächlich den vierten Stern holt – im Rentenalter zum Tätowierer rollt, die faltige Haut straff zieht und sich den Inhalt des Sterns mit Farbe füllen lässt, versetzt einen vor jugendlicher Tollkühnheit in Euphorie. (Gern aber auch früher.)
Diese Wochen waren gute und die Leute waren Menschen.