31. Oktober 2010

Novemberwürmer

Derzeit ist vieles gut. Die Wochenendtage ähneln sich zwar, aber man hat auch noch nie eine Tüte voller unglücklich dreinschauender Maronen gesehen, nur weil sie einander ähneln.
Nachts 2 Uhr gewinnt man triumphal beim Wizardzocken gegen alteingesessene Profis, tagsüber wringt man solang das Gehirn aus, bis ein paar Seiten Diplomarbeit in den Laptop tropfen. Und abends entdeckt man zwar nicht den Seeweg nach Indien, aber beim Sport immerhin Muskeln, die wahrscheinlich selbst noch nicht wussten, dass sie existieren, geschweige denn verhindern können, dass man nach einer Stunde in der Lage ist, stilvoll vom Rad zu steigen. Und auf dem Heimweg fliegen Zugvögel vorbei, die neben den Ohren wunderbare Würmer abwerfen. – Da dieser Tag mit 25 Stunden so vollschlank war wie der Weihnachtsmann, hat sicher jeder die Zeit diese beiden Musik-Sahnehauben zu hören. Man kann dabei auch 1a glücklich über Laub schweben, im Karton nach der alten Mundharmonika kramen, so zufrieden wie noch nie in der drölfköpfigen Supermarktschlange stehen, fasziniert die rasenden bunten Lichter an einer großen Straßenkreuzung beobachten oder einfach klassisch theatralisch zum ungeputzten Fenster rausschauen.
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25. Oktober 2010

reliability credibility

Hui, da war einiges los in den vergangenen Tagen. Man kannte inzwischen jeden Winkel des Wartezimmers, wusste, welcher Kleiderhaken wackelt und kannte sogar Erscheinungsdaten von Zeitschriften, die man nie wieder lesen will. Und man ist ein bisschen verrückt geworden vor lauter Kopfkino. Nun lichtet sich der Hypochondernebel und übrig bleibt wieder mal sie. Sie, die eigentlich schon längst behandelt wird; das aber augenscheinlich mächtig falsch. Das ändert sich ab jetzt. Und die gesprächigen Rentner im Wartezimmer müssen fortan erst mal ohne mich die Bude rocken. Und mit dieser Dame rupfe ich das altbekannte Hühnchen:

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Doch das ist noch nicht alles. Nachdem man in den vergangenen Wochen visuell nur noch geraten hat, ob das da im Fernsehen der Silbereisen oder der Hinterseer ist und der Augenarzt mehrfach beteuert hat, dass er zwischen den Buchstaben “definitiv” kein Pi-Zeichen versteckt hat, wurde heute die Lady abgeholt. Und es rockt zugegeben sehr, plötzlich zu erkennen, dass es weder der Silbereisen, noch der Hinterseer war, sondern vielmehr Mutter Beimer. Tadaa:

Mal sehen, was sie sonst noch so kann. Die Erwartungen sind schon jetzt hoch: mehr Kulanz beim Umtausch von defekten Elektrogeräten, weniger überraschte Blicke, wenn man auf Und-was-machst-du-so-Fragen antwortet, der umgehende Erhalt von Kopfschmerztabletten in der Apotheke ohne das Vorzeigen des Ausweises. Ebenso würde man sich freuen, wenn man fortan von den Verkäuferinnen in der WMF-Abteilung der Galeria ernst genommen wird. Und irgendein Nobelpreis wäre auch hübsch. Kurzum: Reliability Credibility.

16. Oktober 2010

Fensterplatz

Genau genommen liegt räumlich gesehen erst die Gemüseabteilung am Supermarkteingang hinter einem was die Arbeit an der Diplomarbeit angeht. Aber schon jetzt beginnt man an den Wochenenden Menschen nicht mehr länger ‘nur so mittel’ zu finden, sondern man findet sie gar nicht mehr. Alles, was nach mehrstündigen sozialen Kontakten riecht, wird derzeit in Einweggläser gefüllt und konserviert fürs Frühjahr – Wenn die Hunde wieder, statt auf welkes Gras, auf junge Buschwindröschen kacken. Mit etwas Glück gehen Euphorie und Empathie bis dahin nicht ganz verloren. Die kleinen Pausen, die für ausgedehnte Sonntagstreffen nicht ausreichen, wollen dennoch charmant verbracht werden. Und wenn man es mag, die Hitzigkeit eines schreienden Vorschülers vorm Schokoriegelregal, die Kompromisslosigkeit einer Guillotine und die entwaffnende Schonungslosigkeit eines 70-jährigen Saunagängers zusammen in nur zwei Ohren schallen zu lassen, der ist hiermit sowas von gut bedient. Denn das eine oder andere Organ kann sich im Grunde in den letzten zwei Minuten gar nicht dagegen wehren, sich wie eine Sultanine zusammenzukrümmen vor – jaha – emotionalem Content.

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(Da hat einer Recht wenn er sagt: “I could listen to this man reading a book.”)

15. Oktober 2010

Nestwärme und Wissenschaft

Die Zeit vergeht mal wieder wie Softeis unterm Heizpilz. Trotzdem ist viel passiert; und wie immer für die eigenen Ansprüche zu wenig. Die Nestwärme war zu Besuch und hat die ersten Plätzchen und selbstgemachte Marmelade da gelassen. Damit ist der Brotaufstrich- und Nestwärmevorrat für die kommenden – hmpf – sechs Monate gedeckt. Das passt gut, denn genau in dieser Zeit wird Nervennahrung in Esslöffelgroßen Portionen gebraucht: Denn nach 14 lehrreichen, zauberhaften, bürokratischen, teils anstrengenden, teils ignorierten, Herz erwärmenden ostdeutschen und Ehrgeiz weckenden westdeutschen Hochschulsemestern muss der Pott so langsam mal nach Hause geholt werden. (Auch wenn der Pott in diesem Fall nur ein unspektakulärer Fetzen Papier mit der Aufschrift „Diplom“ und kein großer, glänzender Pokal mit Gravur ist) Das erste Torwandschießen ist vollbracht und die kommenden Winterwochenenden werden mit Büchern, Laptop, 84 Nachrichtenausgaben, Tee und Studentenfutter verbracht. Wer solidarisch für Nachschub der letzten beiden sorgen will, fühle sich darin bestärkt, bestärkt, bestärkt. (the art of Redundanz)
Für hübsche Sonntags-bei-Winterkälte-noch-Fertigsuppe-an-der-Tankstelle-kauf-Musik inklusive Landschaftsfernweh reicht die Zeit aber trotzdem noch:
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