31. Dezember 2010

personal Mayotte

Dieses Jahr war ein gutes; so offenbarend wie ein Glas Wein bei Turbulenzen im Flugzeug. Das Jahr war Zuckerwatte und harte Nuss, Bodennebel und Regenbogen, Schorf und Bärchenpflaster, Grand Prix und little loss, gefüllt mit bedeutenden Menschen und überbewerteten Pflichten, Höhenflügen und Unterwasserrauschen. Und es wurde ein Samen in der nassen Erde vergraben, der 2011 über den eigenen Kopf wachsen wird. Und mit einer Leiter, einem Leuchten und der Entschlossenheit, alle Heringe aus dem Boden zu ziehen, ist die Liste für 2011 lang.

Im indischen Ozean zwischen Mozambique und Madagaskar liegt ein Ort namens Mayotte. Der Lebensstandard ist für die Region vergleichsweise hoch, die Schulen sind besser, die gesundheitliche Versorgung auch. Denn Mayotte zählt im Gegensatz zu den Nachbarinseln zur Gebietskörperschaft Frankreichs. Ab morgen wird Mayotte sogar zur Europäischen Union gehören. Seitdem das feststeht, riskieren Menschen ihr Leben um ihre Hoffnung auf ein besseres Leben schwarz auf weiß in den Händen zu halten. Zwischen dem Aufstieg von der dritten in die erste Welt liegt also nur díe Straße von Mozambique. Es geht um Rechte, Gleichheit, Freiheit, Träume, um einen französischen Pass oder Abschiebung, und oft auch um Leben und Tod. In den vergangenen Monaten hat die Bevölkerungzahl Mayottes rasant zugenommen, Frauen haben ihre Kinder auf der Insel zur Welt gebracht, um ein Leben leben zu dürfen, auf das sie eigentlich immer ein Recht hatten, Menschen wurden auf Schiffe gebracht und mussten die Insel als Leute verlassen. Mayotte ist eine Chance, der Kitt zwischen hungrigen Tagen, ein Grund, der umgefallene morsche Baum, der in eine bessere Welt führen kann.

Im Kopf zwischen Hypothalamus und Hoffnung liegt ein Ort bei dem es sich lohnt dem Ehrgeiz immer wieder so lange mit dem Handrücken auf den Brustkorb zu schlagen, bis der sich wieder von allein hebt und senkt. Und das Bild liegt nicht hinter Milchglas. Die türkise Farbe an der Holztür blättert durch die Witterung ab, eine braungraue Dogge zieht vorsichtig einen Streifen Bacon vom Tisch, verschlingt ihn und verschwindet zwischen den Schatten der Baumkronen im Garten. Auf der Fensterbank rauscht leise ein kleiner Fernseher, auf dem seit Tagen CBS ohne Ton läuft. Am Kühlschrank hängt ein Polaroid von einem Pferd mit Augen, die Leben retten können. Und auf dem alten weißen Holztisch neben dem Buch stehen zwei bunte Kaffeetassen aus denen Dampf aufsteigt.
In jedem Kopf: ein kleines Mayotte. Und man kann allen nichts Größeres wünschen, als dass jeder 2011 seinem kleinen Mayotte näher kommt.

Thanks for filling 2010 with excellent memories. Spending days surrounded by you feels like jackpot.
See y’all next year. In the meantime: cheers and happy new year!

23. Dezember 2010

dezember 22,23,24

Die beste Stelle auf Bildern ist die, an der die Farbe so dick aufgetragen ist, dass sie aufspringt und Risse entstehen. Und trotzdem blättert die Farbe nicht auf den Boden. Und drum herum ist alles flach und man erkennt die Struktur der Leinwand. Und aus der richtigen Entfernung betrachtet, erinnert das einen an etwas, dass man noch nie gesehen haben kann.

Die beste Stelle in Filmen ist der Moment, in dem man die Luft anhält und vergisst zu atmen, weil die Leinwand nach einem Einbahnstraßensatz wie eine Wunderkerze flimmert und man ahnt, dass man diesen Film unter der warmen Mütze verstecken und mit nach Hause nehmen wird.

Die beste Stelle in Büchern ist der Absatz, auf den man sich seit drei Seiten schon vergeblich vorzubereiten versucht hat. Und trotzdem kann man nicht anders, als mit dem Zeigefinger die scharfen Seitenkanten entlang zu fahren und den Absatz ein zweites, drittes, viertes, fünftes, sechstes und siebtes Mal zu lesen. Und ab genau diesem Moment liest man die Sätze so langsam, als wäre dieses Buch das einzige auf der Welt. Und man kann sich den Tag nach der letzten Seite nur schwer vorstellen.

Die beste Stelle bei Liedern ist die Textzeile, die einen an den Ort erinnert, an dem man mal ankommen will und an den Menschen, der man mal sein will. Und die Melodie schlägt Wellen unter der Haut und der Schalk krabbelt aus dem Nacken und die Flausen aus dem Kopf. Und diese Musik auf einen tiefen Teller gelegt, wird so grundlegend, bedeutend und merk-würdig, dass man allein von ihr satt werden könnte. Und man will allen guten Menschen, die man kennt, diese Musik behutsam in die Ohrmuschel legen, weil sie das Beste ist, was in den Gehörgängen rumspazieren kann:

my list of splendid music in 2o1o:
+ today (joshua radin)*
+ please don’t go (william fitzsimmons)*
+ slow show (the national)*
+ breakeven (the script)*
+ welcome home, son (radical face)*
+ california (korey dane and tess shapiro)*
+ spanish sahara (foals)*
+ hurra, hurra! so nicht (gisbert zu knyphausen)*
+ killin’ the vibe (ducktails)*
+ just the way you are (bruno mars)*
+ empire state of mind (alicia keys)*
+ afraid of everyone (the national)*
+ little river (the tallest man on earth)*
+ kräne (gisbert zu knyphausen)*
+ wavin’ flag (k’naan)*

enjoy. and merry christmas.

21. Dezember 2010

dezember, 21

Sonderzug nach Panke (Weihnachtsgesetz §1. Absatz 24: schlechte Wortwitze sind erlaubt.)

Wäre die Deutsche Bahn ein Brotaufschnitt, dann wäre sie Kochschinken. Mit Wasser gestreckt versucht der auch nur über die schlechte Qualität hinwegzutäuschen.
Die diesjährige Weihnachtsheimreise lässt sich wie folgt zusammenfassen: 16 ½ Stunden für 400km mit der Deutschen Bahn. Damit lag der Osten Deutschlands gefühlt am Kaukasus und jenseits der Mitteleuropäischen Zeitzone.

Wäre die Deutsche Bahn ein VHS-Kurs, dann wäre sie ein Seminar über non-verbale Kommunikation für Fortgeschrittene. Man stand mit Notstrom und ohne Handyempfang im Tunnel und vertrieb sich die Zeit einfach mit einer Friends-Staffel. Ältere Damen klagten über allmähliche Sauerstoffknappheit im Abteil und der Rest leere den Biervorrat im Bordrestaurant. Nach 45 Minuten gab es dann die erste kapitulierende Durchsage, in der die Worte „Stromabnehmer zerschossen – keine Ahnung – kein Kontakt zur Zentrale – aus eigener Kraft nicht weiterfahren – Verzögerung der Weiterfahrt – unbestimmte Zeit“ fielen.

Als man in der Nacht zumindest in Frankfurt gestrandet war, gabs eine Hotelübernachtung inklusive Frühstück zu gewinnen. Der Abend bestand also aus Mädchenbier, Pommes und Intercityhotelromantik. Am nächsten Morgen gings dann in der Dämmerung mit dem ersten Zug weiter in die Heimat. Und mit erneuter Verspätung und erstklassigem Jetlag ritt man dann traditionell mit Clueso im Ohr in Erfurt ein.

Unterm Strich wird einem die Weltreise weitaus schlimmere Och-nööö-echt-jetzt?-Situationen schenken. Insofern kann einen nichts erschüttern. Denn dann wird man die Wartezeit in der Pampa nicht mit Friends-Staffeln und Plätzchenvorrat überbrücken können. Oh das wird großartig. Absurd, dass man sich dermaßen auf das Aufgeschmissensein auf internationalem Boden freut. Jetzt wird sich aber erstmal auf Weihnachten eingegroovt.

20. Dezember 2010

dezember, 20

In diesem Jahr gab es Bücher, deren Zeilen müsste man mit Schneespray auf Fensterscheiben schreiben oder großflächig in den Schnee pinkeln sodass die wenigen Flugzeuge, die derzeit abheben, die Texte von oben lesen können. So gut waren diese Bücher. Und ddarunter ist auch eines, das trägt man schon seit Tagen bei sich rum und traut sich gar nicht, die letzten Seiten zu lesen weil es einem so ans Herz gewachsen ist, dass man nie beim letzten Satz ankommen will.
(All die Loney Planets seien an dieser Stelle ausgespart.)

Michael Wigge – Ohne Geld bis ans Ende der Welt
Elisabeth Rank – Und im Zweifel für dich selbst
Portia di Rossi – Unbearable Lightness
Sarah Kuttner – Mängelexemplar
Lonely Planet Weltreise – Mit Lonely Planet durch alle Länder der Erde

Wishlist:
Falk Werner – Weltreisen: 365 Tage der Sonne hinterher
Christoph Pokrandt – Weltreise zurück ins Leben: Die Geschichte eines Aussteigers

17. Dezember 2010

dezember 17, 18, 19

Dieses Internetz kann ja vieles. Nur die Sache mit dem Geruchs- und Geschmackssinn ist ausbaufähig. Bis es soweit ist, gibt es ein paar Fotos, die vielleicht trotzdem wie die Pawlowsche Glocke funktionieren und einen zum Backen bringen. Man selbst hat das in zwei Nachtschichten mit sehr guten Menschen, viel Kreativität und Butter getan. Heraus kam ein Kofferraum voller Technoplätzchen, Kekse mit Migrationshintergrund und Meisterwerke der Kleingebäckkunst. Und wie immer war der Weg das Ziel, denn so viele Kekse kann kein Mensch essen, ohne ein Laufbandabo abschließen zu müssen.

15. Dezember 2010

dezember 15,16

Irgendwo zwischen Live-Interview und Kommentar hat man heute eine Pause gefunden und ein paar famose Videos über eines der charmantesten aber oft unterschätzten Musikgenres entdeckt weil dazu nur eine Idee, zweimal Mut und dreimal Leidenschaft gehören. Unter den Musiken ist es das Kind mit Schorf am Knie und Schalk im Nacken – Die Straßenmusik. Und wer genau hinschaut, findet sogar einen wahnsinnig herzerwärmenden Weihnachtsmann.
make the best of what you’ve got:

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com
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14. Dezember 2010

dezember 13, 14

Die ersten Weihnachtsgeschenke wurden bereits in der durchaus existierenden Stadt Bielefeld bei drei süßen Nasen verteilt. Und wenn der Endspurt – one day 25 pages – endlich rum ist, kann man sowas wieder sehen, um sich einzugrooven auf Kartoffelsalat&Würstchen, Out of Space-Feiertage, an Wimpern hängende Schneeflocken und Mädchenweihnachtsfilmklassiker inklusive phänomenalen britischen Akzent:

Medium: www.youtube.com
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12. Dezember 2010

dezember, 12

A lot of reading and writing and in between looking forward to new purpose in life after the age of studying.
Today: again sum glowing pictures:

href=”http://www.magmatronic.de/wp-content/uploads/2010/12/weihnachtsmarkt31.jpg”>

11. Dezember 2010

dezember 9, 10, 11

So, diesmal gibts Türchen im Dreierpack. Heute ein Gewinnspiel rund um die Heimat, Weihnachten und den Rest. Die ersten zwei von euch, die auf alle Fragen die richtige Antwort mailen oder (Vorteil für den 2.Gewinner) posten, bekommen einen Gewinn, der bei keinem Einzelhändler, Punkt9-Quiz oder Bild-der-Frau-Kreuzworträtsel winkt. Der zweite Vorname verpflichtet: Und deshalb winkt ein individuell und liebevoll zusammengestelltes deluxe premium Überraschungs-Mixtape der Musik des guten Geschmacks.
Erst aber die Arbeit:
1. Welcher unglaublich wunderbare Singer-Songwriter-Held ist Erfurter?
2. Welche Wurst ist tausend Mal besser als die Nürnberger Bratwurst?
3. Welcher großartige Filmklassiker in dem die Worte „Gallonen“ und „Simon befielt“ fallen, läuft jedes Jahr an den Weihnachtsfeiertagen im Privatfernsehen, auch wenn die Weihnachtsfilmlegitimation aus lediglich drei Schneeflocken in der letzten Filmszene besteht?
4. Wie heißt die in Europa längste, komplett mit Häusern bebaute und bewohnte Brückengasse, die – natürlich – im schönen Erfurt steht?
5. Was ist die Hauptstadt der Fidschi-Inseln (yeah, worldtrip, Alter)?