27. März 2011

Stück vom Kuchen

Man hat schon viel Zeit ungefragt Dingen geschenkt, auf deren Etikett man Realität gelesen hat obwohl eigentlich immer nur Illusion draufgestanden haben kann. Man hat schon Zeit verloren durch falsches Zögern, Feigheit, Zweifel, Trägheit, Dickköpfigkeit, Sturheit, naive Überzeugungen, festen Glauben. Und am Ende hats Zeitverschenken sich immer gelohnt: für den Moment, Menschen, Melancholie. Und es war immer für irgendwas gut: Erkenntnisgewinn, Heilungsprozess, Vorankommen.
Wenn die kleinen, dicken Kinder also immer noch unterm Tisch hervorlugen und an der Decke ziehen weil sie nach einem Stück Kuchen suchen, dann kriegen sie es halt. So sinnlos das sein mag. Unterm Strich strahlen Gesichter und Sonne dann abends länger. Und dagegen kann man jetzt und hier nichts einzuwenden haben. Chapeau Sommerzeit.

httpv://www.youtube.com/watch?v=iEVpvNuwg9Q

20. März 2011

Sonne

So langsam ist sie wohl wirklich zurück, schaut jetzt öfters wieder vorbei, schellt nicht erst weil sie ja noch den Schlüssel vom vergangenen Jahr hat und grinst zufrieden im Stuhl auf dem Balkon, als wär sie nie weggewesen. Wenn man sie so beobachtet, erinnert man sich wie sehr sie in den letzten Monaten doch gefehlt hat.
Und weil man Besuch hat, kann man ja im Grunde nicht anders als den Uniordner auf einen anderen, weniger sonnigen Tag vertrösten. Nur, dass sie immer diesen quengelnden kleinen Bruder Heuschnupfen im Schlepptau hat – das geht so nicht.

18. März 2011

fake empire

Es ist nicht so, dass die Welt vor nur einer Woche eine bessere war. Nur irgendwie sitzt man nun auf der sicheren Seite vorm Röhrenfernseher und die eigene Vorstellungskraft fühlt sich an wie eine Streichholzschachtel, in der plötzlich Mammutbäume wachsen. Und man kann sich vor Ungläubigkeit gar nicht mehr vom blauen Flimmern lösen.
Geschichte schreibt sich derzeit so tief auf dünnes Papier, dass man den Abdruck auf mehreren Seiten noch sieht. Und Deutschland macht Wahlkampf oder enthält sich so feige, dass man sich dafür schämt. fake empire

8. März 2011

Berlin II – Unbekannte im Nenner

Berlin kratzt die Reste aus dem Topf, klebt Bildchen auf die Löcher in der Jeans statt sie wegzuschmeißen. Berlin fährt nicht zu Ikea, sondern kauft seine Möbel lieber in Hinterhofflohmärkten zusammen. Berlin zieht den Bauch vorm Schaufenster nicht ein, ist bodenständig und verkauft keine Currywurst mit Blattgold. Berlin gibt einem das Gefühl, hinter der nächsten Ecke wartet das Verlieben.
Und mit Fotos versucht man abzubilden, was sich eigentlich gar nicht einfangen und konservieren lässt. Berlin hat blühendes Unkraut zwischen den Kopfsteinpflastern, während in anderen Städten die Rillen mit Teer versiegelt werden. Berlin erinnert an das, was war und noch gehen kann. Berlin trägt Umzugskartons mit eigentlich zu kurzen, rot lackierten Fingernägeln. Berlin hat keine Fußbodenheizung, aber es sind immer gerade so viele Menschen im Raum, die man im Augenblick um sich braucht, um nicht zu frieren.
Berlin drängt sich nicht auf, bietet aber immer eine ausziehbare Schlafcouch, auf der man sich zu schnell zu Hause fühlt. Auf sehr lange Sicht könnten die Kangalfische an der Hornhaut der Gewohnheit und Bequemlichkeit nagen, Heringe rosten und porös werden und geschlagene Wurzeln trocknen.
Berlin i like.

7. März 2011

Berlin I – Das Ziel ist das Ziel

Viele Dinge sind ja nicht mehr das, was sie mal waren: Käse auf der Tiefkühlpizza, David Hasselhoff, das eigene Geburtsland. Jetzt gehört also auch die Mitfahrgelegenheit dazu. Ziel war Berlin. Und es mögen Vorurteile gewesen sein, die einen an einer guten Fahrt haben zweifeln lassen: das nervöse Telefonieren des 20-jährigen Fahrers auf dem Parkplatz, die Tatsache, dass 12 Leute vor einem klapprigen VW-Bus mit polnischem Kennzeichen standen und mitfahren wollten oder vielleicht hat auch schon der schlecht aufgebügelte „Versace“-Aufnäher auf der Jeans des Fahrers gereicht, um seine Fahrkünste zu hinterfragen. Im Wagen saßen dann acht Mitfahrer, darunter eine endvierziger Hippiemuddy mit roten Dreadlocks, die ungefragt genügend Geschichten erzählt hat um alle bis Krakau zu entertainen. Der Fahrer telefonierte im 10-Minuten-Takt lautstark auf polnisch mit seinem Vater, der kurzfristig einspringen musste und mit einem zweiten Bus den Rest der Mitfahrer nach Berlin gekarrt hat. Außerdem ließ er uns wissen, dass er damit sein Geld verdiene. Aha. Wenn er nicht gerade durch wilde Gesten mit seiner Mutter im Mercedes A-Klasse auf der Überholspur neben uns die nächste Rast vereinbart hat (ja, man fuhr in Kolonne), war er so frei, am Steuer bei 120 km/h Handynummern von einem Handy ins andere zu übertragen.
Nach sechseinhalb Stunden Fahrt war es dann geschafft. Man freute sich auf ein paar Tage in Berlin und ein bisschen auch, dass man noch lebt. Und am Ende hat sich das alles wieder mal gelohnt: feine Abende im liebenswert groben Kreuzberg, Stundenlanges Quatschen über Karabinerhaken und Kulturen, damals und bald, Fernweh und Ohropax mit awesome Annett, Rückkehr in die vermissten Berliner Programmkinos und ein Sonntag mit Kamera auf dem Flohmarkt. Ach, Berlin ist hartnäckig.
Morgen: mehr. Jetzt: Sonne genießen. Cheerio.

3. März 2011

randomärz

Es ist März. Und der Gingkostock wacht endlich aus dem Winterschlaf auf. Das heißt Angrillen mit Haloumi, Gemüse und Wurst rückt immer näher, Abende auf dem Balkon, Tage am See, Sonnenbrand auf der Nase, flimmernder Asphalt. Yeah. Und nun auch noch ein paar freie Tage. Awesome.