28. Mai 2011

Panik Präsidentin

Schlimm. Da ist eine Krankheit, der ein müdes Lächeln nicht im Geringsten gerecht wird. Nachdem in den vergangenen Tagen Feind Kohlehydrat plötzlich zum Freund geworden ist und Gurkenessen mindestens ebenso riskant wie das Springen von Klippen mit Cocktailschirmchen eingestuft wurde, bekommt man derzeit verdächtige Phantom-Bauchschmerzen wenn Mutti erzählt, dass sie Gurkensuppe gegessen hat.
Heute zwei Stunden damit verbracht ein Ziehen in Nierennähe nach allen Künsten der Hypochondrie als unumstößliches und nicht von der Hand zu weisendes Symptom zu definieren. Man zählt die Tage seit dem letzten Gemüseverzehr und gleicht sie mit der maximalen Inkubationszeit ab. Ja, es gibt Argumente, Ja, es gibt die Vernunft, Ja, es gibt die Stochastik und Ja, es gibt die leidenden Gemüsehändler, aber: es gibt auch Unsicherheit, ein “Was aber wenn?”, es gibt vorgekochtes Tiefkühlgemüse und es gibt ein irrationales “Trotzdem”. Bis alles wieder gut ist, wird nun ein Pfund Gewichtszunahme toleriert und sich auf unbedenklichere Lebensmittel gestürzt:

22. Mai 2011

Digitale Kindergeburtstagstiefkühltorte

Ein Moment wie am achten Geburtstag, als die monatelang gewünschte Bofrost-Pumuckl-Torte auf dem Tisch stand. Und man fand sie so schön, dass man sie am Anfang zu schade zum Anschneiden gefunden hat. Da sonst aber alle eingeladenen Kinder hungrig nach Hause gegangen wären, wurde das bunte Sahnekunstwerk doch gegessen.
Was damals zum Geburtstag die Torte war, ist heute zum Diplom eine großartige neue Spiegelreflexkamera. Man hat monatelang mit ihr geliebäugelt, weil sie schwenkend leicht Bild und Full HD Video kann, Und das Schöne ist: sie hält länger als eine Kindertiefkühltorte. Nicht auszumalen, was die Dame in Zukunft noch alles vors Objektiv kriegt.
Wer die Fotos hier übrigens mag, kann gern dort weiterstöbern.

21. Mai 2011

Diplomagmatronic

Acht Jahre Ermäßigung im Zoo. Das kommt erst als Rentner wieder.
Vieles aber kommt gar nicht wieder: Lerngruppentreffen, Urlaubssemester, BaföG-Anträge in Leipzig, Mensaessen, Praktika, acht WGs, Glühwein im Hörsaal, Nebenjobs, Diplomarbeit, mündliche Abschlussprüfungen in Dortmund.
Vieles kommt jetzt: feierliche Ordnerentsorgung, freie Wochenenden, Himmelgucken, vollen Eintritt im Zoo zahlen und Brennholz für Träume nachlegen.
Und das mit dem Lernen soll ja nie so wirklich aufhören, munkelt man.

16. Mai 2011

Glühende Kohlen

Der Zirkus ist weitergezogen, kitschig verdient in ein Land, das anscheinend auch irgendwie in Europa liegt. Diese Geschichte ist also geschrieben. Eine andere schreit schon nach neuer Tinte. Und wenn man tagsüber nicht gänzlich ausgelastet wäre, man würde auf glühenden Kohlen sitzen, voller Anspannung, Nervosität, Anspruchshaltung an sich selbst und finaler Hibbeligkeit. Aber so, so verliert man nur in den freien Abendstunden ein bisschen die Nerven, betet beim Zähneputzen dem Spiegelbild Argumentationen vor und döst dann mit Ordner im Arm ein. Nicht zu empfehlen sowas – zu viele Kanten. Aber (und darauf kommt es an:) auch bald Geschichte.

14. Mai 2011

Limobrausepulverflash

So viel Flammen, Feuerwerk, Glitter, Nebel und LED hat man noch nie gesehen. Und so viele professionelle Bewertungen wie “krass”, “abgefahren”, “Wahnsinn” und “Wie geil ist das denn, bitteschön?!” hat man lange nicht am Stück ausgerufen. Eigenlich noch nie. Diese Halle ist wie Brausepulver, das man mit Limo gurgelt während man kopfüber am Klettergerüst baumelt und durch ein Kaleidoskop schaut. Und ein bisschen Wunder darf heute Abend auch gern sein.
Das ist ein bisschen Geschichte; belanglose aber auch sehr, sehr bezaubernde.

10. Mai 2011

Der Framekamin

Das Fernsehen ist die Banane unter dem Medienobst – vermeintlich gesund aber so energiereich, dass sie im Grunde ein Mittagessen ersetzt. Wahrscheinlich fährt man deshalb als Ossi so drauf ab. Und man mag ja über dieses Fernsehen denken, was man will. Es ist laut, grell, schnell, bunt, böse, aufdringlich, viereckig, anmaßend, flüchtig und ein kalter Framekamin. Es ist aber auch ein wunderbar krawalliger Kasten, der Eskapismus noch groß schreibt und dem oft zu Unrecht eine Oblatendünne Tiefgründigkeit unterstellt wird. Aber Emotionalität wird hier nie zur Bückware und deshalb seien in dieser historischen Woche zwei Dinge ans Satellitenschüsselherz gelegt:

Freitag, 13. Mai, Fröhlicher Frühling mit Wolfgang&Anneliese, Sat1, Primetime

Samstag 14. Mai, Eurovision Song Contest 2o11 aus [Yeha!] „Dusseldorf“,
Das Erste, 21 Uhr.

Nachdem meine Sozialisation mit langgezogenen aber erfolglosen, schlechten und grottenschlechten Grandprix-Abenden vollgestopft war, inklusive langatmigen Punktevergabeprozeduren und androgynem Glittertrashpop, ist der kommende Samstag nicht weniger als historisch. „Gut“ und „Schlecht“ sind NICHT die Kriterien, eher „Abgefahrn“ und „what the hell?” (Apropos: Irland!). In Bild und Ton erklären es die Herren Heinser und Niggemeier seit einigen Tagen auf dem Duslog mächtig vorzüglich.

Man wird hier berichten vom Halbfinale am Donnerstag, dank Traumbegleiter ganz ohne Fernsehen sondern mit Ticket. Yeha. Fieber.

3. Mai 2011

Wurzelbehandlung

Die Tage sind so prall wie Jogurtbecher, die in der Sonne stehen und deren Deckel sich verdächtig spannt. Und nachts klammert sich das Hirn an Thesen und hangelt sich an aufgefädelten Argumentationsketten entlang, die bald sitzen müssen. Und in der überschaubaren Zeit dazwischen kommt einem Musik aus der Heimat in den Sinn, die so wunderbar ist, dass man sich mit prallen Jogurtbechern und aufgefädelten Argumentationsketten wieder versöhnt und zufrieden mitsummt. Und wenn dann noch das neue famose Objektivbaby Fotos ausspuckt, die völlig unbearbeitet nach Märchen riechen, ist alles schön irgendwie, so wie es gerade ist.
Herzerwärmende Musik aus den Thüringer Wurzeln mit bezaubernden Stimmenkurven und ohne Bereitschaft zu Kompromissen:
Alin Coen und Max Prosa.

1. Mai 2011

Stubenarrest

Es gibt besseres als in den Mai zu büffeln. Und heute scheint schon wieder diese Sonne so rücksichtslos und man darf nicht raus, mit den anderen Kindern spielen und Eis essen. Ja, man zergeht in Selbstmitleid wie Schokolade in der Sonne. Aber das ist durchaus legitim  - schreibt auch der magmatronic-Vorstandsvorsitz in der Präambel des aktuellen Quartalsberichts. Ja, es ist die allerallerallerletzte Prüfung. Aber (und jetzt kommt ein sehr gutes Argument): Trotzdem.
Man versucht sich also zwischendurch subtil vom Lernen abzuhalten. Man zieht sogar in Betracht, den Besteckkasten mal wieder aufzuräumen, das Tiefkühlfach abzutauen, ein Brot zu backen oder Tischdeckenbeschwerer zu basteln.
Am Ende wird halt doch nur wieder diszipliniert gelernt. Spielverderber Gewissen.
Kleine Musikpausen sind aber vom Vorstand abgesegnet:

httpv://www.youtube.com/watch?v=pSgcOuh9j7Y