26. Juni 2011

Vorbeicycle

Ich echauffiere mich. Man hat mir mein Fahrrad geklaut. Da war nur noch das Vorderrad, das am Fahrradschloss hing. Da sind Menschen schlecht erzogen. Es war ein gutes Rad, ohne Licht aber dafür mit viel Charakter. Es ist vorbei bei bei Junimond. Nicht auszumalen, was passiert, wenn ich mein verrostetes Hollandrad oder auch nur Teile davon in den nächsten Tagen auf dem Flohmarkt entdecke. Falls jemand zufällig ein gebrauchtes Erwachsenen-Fahrrad besitzt, das traurig im Keller verstaubt, stubenrein ist und bis Jahresende noch Auslauf braucht…

Nachschlag, 30.6.
Awesome… So enttäuscht von der Fahrrad stehlenden Menschheit, hat sich innerhalb von nur 48 Stunden ein Held gefunden, der ein schnittiges, ungenutztes Rennrad im Keller stehen hatte. Für die Monate, die ich es Gassi fahren darf, nenne ich es Touareg und werde es stets im Keller abschließen. Seltsam, wenn ich so radfahrend am Schaufenster vorbei rase, könnt ich schwören, im Spiegelbild ein gelbes Trikot an mir zu erkennen. Jede Fahrt heißt ab sofort Etappe. Dankeschöhön, lieber Kollege. Erst diese Charaktercouch und jetzt das. Am nächsten Sommertag gibts eine Ladung Kaltes von Unbehaun.

24. Juni 2011

Papier schöpfen

Irgendwie seltsam. Die Tage sind so prall gefüllt, dass der Reißverschluss zu platzen droht. Und deshalb bestand die feierliche Exmatrikulation aus einer Vollmacht und dem Überreichen des akademischen Papiers in der Redaktion. Und genau das ist eigentlich die feinste Form: denn der Zettel ist nur ein Zettel ist nur ein Zettel und der Aushändigende ist ein Kollege ist auch ein guter Freund. Er hat die Blätter vor- und fürsorglich in eine Folie gepackt und sie mir merk-würdig aber nicht bedeutungsschwanger in die Hand gedrückt. Und das ist ja mal sowas von angemessen schnörkelos schön, dass sich auch das ins Gedächtnis brennen wird. Denn es ist nur ein Stück Papier, zugegeben so dick wie Tonpapier und zugegeben kost- und zeitspielig geschöpft.
Aber im Grunde sind es nur Federn, die eigenen, an denen in Zukunft das skeptische, herablassende Wasser abperlen wird. Es ging auch ums Selbstbeweisen, ums Sicherheitsnetz. Und jetzt kann visionär und völlig unwissenschaftlich mit ausgebreiteten Armen und Blick nach oben durch die Straßen geradelt werden.
Einfach um der Sache selbst Willen.

11. Juni 2011

Atombola

Eine Woche für die Geschichte. Man ist nicht wahnsinnig stolz wenn einem im Ausland grinsend Pünktlichkeit, Rostbratwurst und Kuckucksuhren aufgezählt werden sobald man sagt, dass man aus Deutschland kommt. (Okay, bei Rostbratwurst schon ein bisschen.) Nun wird man aber ein bisschen stolzer sein, weil jetzt vielleicht noch vor Rostbratwurst und Kuckkuchsuhren Atomausstieg genannt wird. Weil es manchmal egal ist, wer es warum macht. Hauptsache es wird gemacht.