23. Juli 2011

The art of Pauschalurlaub

Zeitweise schien er so weit entfernt wie Milch von der Milchschnitte, Jugend vom Sibereisen und schlechte Laune von der Roth. Der Urlaub. Hui, es warten türkische Sonne, Sand, 35 Grad, Sat TV, 4 ½ Sterne.
Und man war shoppen, und das seriös ergebnisorientiert: türkiser Urlaubs-Nagellack, Bikinis, Retro-Sunglasses, James-Dean-Sunglasses.
Die Herausforderungen dieses pauschalen Weltreise-Kontrast-Urlaubs hat man im Vorfeld wie folgt zusammengefasst:
- Pendeln zwischen Pools und Strand
- regelmäßiges Wenden von Rücken auf den Bauch
- abendliche Animationsbespaßung in allen Sprachen verstehen
- Senioren am Bingoabend noch älter aussehen lassen
Wenn alles nach Plan läuft, wird man nach zwei Tagen schon so tiefenentspannt aus der Zeit gefallen sein, dass man Datum und Wochentag nicht mehr ohne Kalender benennen kann. Ein Luxus.
Es werden also sieben anstrengende Tage.
high five

21. Juli 2011

Auf die Zwölf

Yehaahhh! Durchatmen. Ausschlafen. Weltreise weiterplanen. Familie. Freunde. Wegfahren. Fern sehen statt machen. Mehr sehen als Bürobewohner. Nichts tun. Nichts tun. Nichts tun. Auftanken für das nächste halbe Jahr, die letzte Etappe davor.
high five!

17. Juli 2011

Sowas wie Sommer

Es ist so offensichtlich wie die Notwendigkeit mancher Sender, den drölfhundertsten Moderator einzukaufen. Aber: es ist wohl sowas wie Sommer. Ein SONNtag sollte zumindest eine Ahnung davon geben. Aber: da kam heute nun wirklich gar nichts in der Richtung rüber an Sommervibes und so. Fast wollte man Plätzchenbacken und Kürbissuppe machen. Aber das wäre ja auch irgendwie nur Trotz.
Und dann ist da ja auch noch Penelopé, an der man den Sowaswiesommer ablesen kann. Denn die Tomaten sind inzwischen eindeutig rot gefärbt. Da kann man sich ja auch mal drüber freuen. Und außerdem ist WM-Finale-Gucken-Tag. Und es kann niemand gewinnen, dem man es nicht gönnen würde. Der Unterschied zum Jubel ist marginal, jetzt mal abgesehen vom übermütigen Handinnenflächenrotklatschen.

11. Juli 2011

kuntergraudunkelbunt

Es ist faustballend, kompromisslos und so geladen mit Vehemenz, dass man mit ihm in Ohr immer einen Schritt schneller läuft und dunkelgelb für grün erklärt. Seit drei Tagen kratzen die Ohren an den Rillen dieser Platte, die alles ist aber nicht plump und naiv. Sie trägt ein Kleid, das man sonst an der Stange hängen lässt. – Hip Hop. Aber sie ist so dermaßen über alle Maßen jenseits von einem Maßband, von dem es angemessen wäre es anzulegen. Sie ist klug, runter gebrochen auf Essenz und hoch gekocht auf den Siedepunkt. Im Grunde fühlt sie sich ein bisschen danach an, als drehte man die Handinnenflächen beim Laufen durch den schwülen aufgeheizten Sommerabend nach vorn. Der warme Wind fließt durch die Finger und ein bisschen schämt man sich weil jemand einen dabei beobachten könnte. Und dann irgendwann ist es einem ganz gleich, weil dieses Album einfach besonders und nicht besonders einfach ist.

“Wenn schon scheiße tanzen, dann sodass die ganze Welt es sieht.”
Casper_xoxo

10. Juli 2011

Mentos im Blut

Man erinnert sich noch sehr gut daran. An eine Nacht im vergangenen Februar. Es war eine Nacht, die die US-Amerikaner zum Tag gemacht hätten, wäre dort nicht ohnehin Tag gewesen. Es war Superbowl. Man hat sich durch die mitteleuropäische Nacht gequält, mit lauter US-Süßkram vom Discounter. Kaufkriterium waren Stars&Stripes auf der Verpackung. Und der Superbowl war wie immer großes Kino, Glitter, aggressiv, Nebelmaschine, Feuerwerk, laut und somit auf indiskutable, dekadente Weise so auf dicke Hose, dass man am Ende nur noch impressed wie ein Kind ohne Münzgeld vorm Greifautomaten stand. Spätestens in der Halbzeit wollte man sich dann gern noch 46 weitere Sterne auf den Bauch tätowieren lassen, denn: wenn ‘phänomenal’ ein Schokoriegel ist, dann war das ein Karamellriegel im Kokosmantel mit Kirschvanilleeisfüllung, der anschließend noch flambiert wird. Das alles wäre wunderbar anzuschauen, so im Morgengrauen wenn die Öffentlich-Rechtlichen um die Bedeutung der angemessenen Nachbetreuung wissen würden. Im vergangenen Jahr wurde Sekunden nach Ende des Superbowl die Übertragung beendet. Nicht für einem erstklassischen Hollywoodstreifen, auch nicht für eine gesellschaftskritische Doku. Nein: Die schönstens Bahnstrecken Neuseelands sollten dem Gebührenzahler nicht vorenthalten werden. Und so saß man mit seinem sportlichen Emotionen vor Bahngleisen. 2011 die gleiche Geschichte: Statt Emotionen und Statements nach dem Spiel: die schönsten Bahnstrecken der Schweiz – der SCHWEIZ! Da hackt nicht nur die Milch. Sie zeigen wie der Teig geknetet wird und schwenken weg, wenns ans Ausrollen geht.

Heute dann: schon wieder. Die US-Fußballerinnen, die es ohnehin als erstes vermocht haben, einem ohne wenn und aber klarzumachen, warum Frauenfußball geguckt werden muss, sind spektakulär ins Halbfinale eingezogen. Spektakulär im Sinne von Blut in den Adern, das sich wie Cola verhält wenn man Mentos reinwirft.
Okay, es folgten wenigstens keine Bahnstrecken, sondern die verspätete Tagesschau. Aber wofür gibt es denn Eins Festival, Eins extra und all den anderen Kram? Flexibilität erschöpft sich nicht in der Höhenverstellbarkeit von Intendantenkonferenztischen. Wenn man nicht noch vor Freude Mentos im Blut hätte, man wäre sauer. Amerika, Amerika…

6. Juli 2011

Relativitätstheorie

Bei Fußball liegt die Betonung auf Fußball, nicht auf Frauen. Zugegeben: man greift sich auch mal an den Kopf und verlässt den Raum wenn es absurd wird. Bei Fußballspielen und Männergesprächen. Es ist grobkörnig und nicht Hochglanz. Hat auch was. Fußball ist Fußball ist Fußball.