15. September 2011

Wildgänsehaut

Diese Musik ist keine Musik im Sinne von Noten und Strophen. Sie ist das warme Atmen an kaltes Glas und alles das, was dann, irgendwann mal mit Fingern auf die Glasscheibe geschrieben, sichtbar wird.
Sie erinnert an das, was man noch riskieren muss um irgendwann einmal in einer alten Küche zu sitzen, die Katze auf dem Balkongeländer dabei zu beobachten, wie sie die Basilikumtöpfe streift und sich vom Pfeifen des Teekessels nicht aus der Ruhe bringen lässt und um aus der Dusche einen kurzen Schrei zu hören weil der Küchenwasserhahn das warme Wasser stielt.
Und sobald das alles so ist, muss nur noch auf repeat gedrückt werden, weil nichts aber auch gar nichts mehr fehlt.
Diese Musik bedeutet.

Please listen to: boy.

11. September 2011

Wachstumsschmerzen

Heute vor zehn Jahren war ich 16 und habe eine Klassenarbeit in Geschichte geschrieben; ausgerechnet. Eigentlich würde man sich da nicht mehr dran erinnern. Aber ein paar Stunden später wurde die eigentliche Geschichte geschrieben. Eine, die man nie vergessen wird, weil sie in so vielen Bildern und Gesichtern erzählt ist. Das Geschichtsbuch war der Fernseher. Das Damals war Live. Schwarz/weiße Zeichnungen waren Bewegtbilder in Farbe. Und bis heute wird die Vorstellungskraft von diesem Tag herausgefordert und bis heute scheitert sie.
Wer danach einmal in New York war, weiß um den Stolz und das Trauma, um den Pathos und das Loch, um den Glauben und die Lücke. Wachstumsschmerzen, die nie aufhören. Wachsen und lernen, dass man lieber früher als später so viele Weltwinkel wie nur möglich bereisen sollte, bevor sich wieder alles ändert; so viele Menschen wie möglich erkennenlernen sollte, so viele Perspektiven einnehmen und sich in so viele Situationen begeben, so viel Wissen aufsaugen und Gefühle fangen sollte wie man kann um so viel wie nur möglich zu verstehen.

empire state of mindfake empirebrooklynfake for real, new york

 

5. September 2011

status quo vadis

Dieses Leben ist vollgestopft mit Menschen von kitschiger, kompromissloser Relevanz, Momenten von Belang, Scheitern mit Verlusten, Entscheidungen ohne Kalkül, Stürzen mit tiefem Schorf, Orientieren ohne Plan, Liebe zum Detail und fürs große Ganze. Alles, was heute Teil davon ist, muss es unter allen Umständen gefälligst bleiben und alles was noch nicht ist und fehlt, wird sich noch geholt, mit Mut, subtilem Charme, Naivität, Pathos und fehlender Kompromissbereitschaft. Der Gedanke, bald neu zu beginnen, bricht das Herz und lässt es höher schlagen. – Und jeder Teil dieses Satzes ist so ehrlich und wahrhaftig, das es wehtut und gleichzeitig Hummeln im Hintern summen lässt, einen zum Zweifeln bringt und gleichzeitig in der Sache bestätigt. – Eine Punktlandung also für den 26ten. Alles ist genau so, wie sich gehört: Alles kann, Alles muss. Cheers