26. November 2011

Geschmackssache

Ja, verrückt. Man sagt ja, alle sieben Jahre ändern sich die Geschmacksnerven. Und da is was dran. Inzwischen landen Spiegelei, Kapern, Spargel und Oliven auf dem Teller. Allerdings scheint das auch für Fernseh-und Kinogedöns zu gelten. Anders lässt sich nicht erklären, dass – ja, ich weiß doch auch nicht wie das passieren konnte – man sich neulich dabei erwischt hat, Mitglied in einer Videothek zu werden, nur um leicht peinlich berührt zwei DVD-Hüllen über die Theke zu schieben. Ja, aber diese Twilight-Saga ist ja auch irgendwie total gut gemacht von den Effekten her und so, und die Handlung ist ja auch irgendwie zeitlos. Nun ja, ich werd wohl nächste Woche mal die Mittagspause auf nem Schulhof verbringen müssen um jemanden zu finden, der auch den vierten Teil im Kino sehen will.

Aber das ist noch nicht alles. Auch Castingsshows hab ich bisher verschmäht und auf dem Teller liegen lassen. Und jetzt dieses The-Voice-of-Germany versaut mir die Bilanz. Aber das ist echt total spannend, uffreshend schon allein wegen der sich anbietenden bezaubernden Schärfenverlagerung zwischen Jury und Sänger so klug gemacht, dass es mich ganz schön catcht. Und dann auch noch der Xaver, der Held meiner musikalischen Jugend. Für den stand ich mit meiner Schwester mittags 13 Uhr vor einer Halle und musste so dermaßen aufs Klo. Weil aber die erste Reihe dem Damenklo immer vorzuziehen ist, hatte ich es bis nach dem Konzert ausgehalten. Und ich könnte noch von sage und schreibe sieben anderen Konzerten erzählen, die mit langem Warten begannen und mit Xavier Naidoo endeten. Und es war die Sache immer wert. Also gut, vielleicht wird man der letzte Mensch sein, der den Kram wegen dem Kurt guckt. Aber da bleibt immer noch meine Schwester, die das auch noch guckt und zumindest heißt das, dass sich nicht alle Geschmacksnerven irgendwann ändern. Und ein bisschen Konstante ist ja auch eine feine Sache. Und wer in der Pubertät sowas oder sowas (bei 1:24 hab ich mit meiner Schwester immer auf “still” gedrückt) hört, kann doch gar nicht sooo ein schlechter Mensch sein. (Ach, der is toll, nicht trotzdem sondern deswegen!)

19. November 2011

The Art of: Kackdreistigkeit

Es gibt ja so Tage, die laufen so schief wie italienische Türme, die sind so unglaublich wie die Existenz guter Preisverleihungen im deutschen Fernsehen, so monoton beschissen wie der einzige Gesichtsausdruck mit dem sich die Ferres seit Jahren durch Filmdramen schauspielert. Und an diesen Tagen verwandelt sich Enttäuschung wie ein Chameleon in Wut, Angepisstheit und schließlich in blinden Beschwerde-Aktionismus. Denn: man ist ja auch nur deutsch. Und das muss schon alles seine Richtigkeit haben. Neulich war genau so ein Tag.

Und man könnte sich jetzt auslassen darüber, dass die DHL nicht in der Lage ist, innerhalb von mehr als acht Wochen eine Nachnahmegebühr zu überweisen und dass die armen Callcenterwürste für nichts anderes geringfügig bezahlt werden, als das Elend von armen Kundenwürsten zu verwalten.
Man könnte auch darüber reden, dass unter dem Straßenbahnfahrerpersonal der Rheinbahn scheinbar ein interner Wettkampf in der Disziplin “Kunden-Verarschen” ausgetragen wird – in dem derjenige gewonnen hat, der am längsten auf einen heraneilenden potenziellen Bahnfahrer wartet, nur um dann in dem Moment, in dem dieser den Türknopf erreicht, kackdreist loszufahren.
Und man könnte sich auch über die Philosophie der GEZ auslassen, die bisher brav zahlenden Menschen unterstellt, bald vom anderen Ende der Welt zeitgleich über Empfangsgeräte in Deutschland Silbereisen und Sturm der Liebe heimlich konsumieren zu wollen.
Aber das lohnt sich alles gar nicht. Bald ist Weihnachten.

6. November 2011

hin und weg

Fast hätte ich es geschafft. – Es ist so: Wenn man eine Weltreise plant, sollte man eigentlich nur drei Ratschläge befolgen:

  1. Keine Jack-Wolfskin-Jacke kaufen. – Das tragen nur Partnerlook-Rentner, die den Winter alljährlich auf Mallorca verbringen und Sätze zementiert haben wie „Mallorca hat auch schöne Seiten. Vor allem der Norden.“
  2. Irgendwann is auch mal gut mit Planen.
  3. Auf keinen Fall vor der Abreise verlieben.

Und fast hätte ich jeden dieser Punkte eingehalten. Aber jetzt als Tante reicht allein schon die gebuchte Foto-Flatrate aus, um entwaffnet festzustellen, dass es um mich geschehen ist. Spätestens in echt, 3D und Dolby Surround wird der kleine Kerl sich unumkehrbar seinen Platz an der Herzinnenwand sichern. Man ist hin und weg aber auch bald auf und davon. Aber es gibt Skype und wenn er dann in ein paar Jahren mal so gar nicht müde werden will und eine Gute-Nacht-Geschichte nach der anderen bei mir einfordert, werde ich fantastilliarden viele Abenteuergeschichten von allen Ecken der Welt auf Lager haben um ihn ausdauernd in den Schlaf zu entertainen.