Berlin I – Das Ziel ist das Ziel

Viele Dinge sind ja nicht mehr das, was sie mal waren: Käse auf der Tiefkühlpizza, David Hasselhoff, das eigene Geburtsland. Jetzt gehört also auch die Mitfahrgelegenheit dazu. Ziel war Berlin. Und es mögen Vorurteile gewesen sein, die einen an einer guten Fahrt haben zweifeln lassen: das nervöse Telefonieren des 20-jährigen Fahrers auf dem Parkplatz, die Tatsache, dass 12 Leute vor einem klapprigen VW-Bus mit polnischem Kennzeichen standen und mitfahren wollten oder vielleicht hat auch schon der schlecht aufgebügelte „Versace“-Aufnäher auf der Jeans des Fahrers gereicht, um seine Fahrkünste zu hinterfragen. Im Wagen saßen dann acht Mitfahrer, darunter eine endvierziger Hippiemuddy mit roten Dreadlocks, die ungefragt genügend Geschichten erzählt hat um alle bis Krakau zu entertainen. Der Fahrer telefonierte im 10-Minuten-Takt lautstark auf polnisch mit seinem Vater, der kurzfristig einspringen musste und mit einem zweiten Bus den Rest der Mitfahrer nach Berlin gekarrt hat. Außerdem ließ er uns wissen, dass er damit sein Geld verdiene. Aha. Wenn er nicht gerade durch wilde Gesten mit seiner Mutter im Mercedes A-Klasse auf der Überholspur neben uns die nächste Rast vereinbart hat (ja, man fuhr in Kolonne), war er so frei, am Steuer bei 120 km/h Handynummern von einem Handy ins andere zu übertragen.
Nach sechseinhalb Stunden Fahrt war es dann geschafft. Man freute sich auf ein paar Tage in Berlin und ein bisschen auch, dass man noch lebt. Und am Ende hat sich das alles wieder mal gelohnt: feine Abende im liebenswert groben Kreuzberg, Stundenlanges Quatschen über Karabinerhaken und Kulturen, damals und bald, Fernweh und Ohropax mit awesome Annett, Rückkehr in die vermissten Berliner Programmkinos und ein Sonntag mit Kamera auf dem Flohmarkt. Ach, Berlin ist hartnäckig.
Morgen: mehr. Jetzt: Sonne genießen. Cheerio.

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