Berlin II – Unbekannte im Nenner

Berlin kratzt die Reste aus dem Topf, klebt Bildchen auf die Löcher in der Jeans statt sie wegzuschmeißen. Berlin fährt nicht zu Ikea, sondern kauft seine Möbel lieber in Hinterhofflohmärkten zusammen. Berlin zieht den Bauch vorm Schaufenster nicht ein, ist bodenständig und verkauft keine Currywurst mit Blattgold. Berlin gibt einem das Gefühl, hinter der nächsten Ecke wartet das Verlieben.
Und mit Fotos versucht man abzubilden, was sich eigentlich gar nicht einfangen und konservieren lässt. Berlin hat blühendes Unkraut zwischen den Kopfsteinpflastern, während in anderen Städten die Rillen mit Teer versiegelt werden. Berlin erinnert an das, was war und noch gehen kann. Berlin trägt Umzugskartons mit eigentlich zu kurzen, rot lackierten Fingernägeln. Berlin hat keine Fußbodenheizung, aber es sind immer gerade so viele Menschen im Raum, die man im Augenblick um sich braucht, um nicht zu frieren.
Berlin drängt sich nicht auf, bietet aber immer eine ausziehbare Schlafcouch, auf der man sich zu schnell zu Hause fühlt. Auf sehr lange Sicht könnten die Kangalfische an der Hornhaut der Gewohnheit und Bequemlichkeit nagen, Heringe rosten und porös werden und geschlagene Wurzeln trocknen.
Berlin i like.

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3 Responses to “Berlin II – Unbekannte im Nenner”

  1. 1
    johannes Says:

    wo du’s so schön beschreibst… muss ich auch mal wieder hin…

  2. 2
    unnaaf Says:

    Jetzt sag mir bitte, dass Du mit Deiner Fotografie Geld machst. Alles andere wäre ein Verbrechen.
    Gruß, unnaaf

  3. 3
    magmatronic Says:

    [...] gibt es im Grunde nichts, was nicht schon gesagt wäre über Berlin. Man kann nur das schon Vorhandene unterstreichen und kleine Herzchen daneben kritzeln. Und vor der Weltreise musste man einfach noch [...]

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