Die verlorene Ehre von RTL

Richtig, als Kind hatte ich ihm viel zu verdanken: erst schuf er den “Mini-Playback-Show”-Familienabend und ging dann mit “Traumhochzeit” und “Der Preis ist heiß” in meine persönlichen ersten Fernsehmemoiren ein – der Sender RTL. Nachrichten waren nie seine Stärke; definiert er doch einen Mann als Anchor, dessen Mission in Interviews stets die Beteuerung des eigenen, leider verkannten Humorpotenzials ist. Dass er junge Menschen 18:45Uhr mit bunten Piktogrammen und lebensgroßen Tortendiagrammen zu Nachrichten lockt, habe ich nicht zuletzt vor Ort akzeptieren gelernt. Doch diese unsägliche Durchdringung seines Mittagsmagazins mit Pseudonews über Pseudopromis, penetranter Gewinnspielaggression und (das Inakzeptabelste:) diese medienethisch und handwerklich mehr als bedenkliche Berichterstattung über tatsächliche Nachrichten, lässt einen aus tiefsten Herzen würgen und RTL auf der Fernbedienung zwischen 9Live und dem Poker Channel verbannen. Nach dem “Chaos vom Feinsten” nun also “Großes Tohuwabohu”. Und heute kann RTL nicht mal mehr gute Fernsehshows produzieren. In dieser konkreten Sache muss man ehrlich ergänzen: viele Online-Ableger der Zeitungen und Zeitschriften haben beim Thema Apeldoorn 1a Fallbeispiele für ein Seminar über Bildethik geliefert. Gebraucht werden diese Veranstaltungen demnach mehr denn je. Ich guck heut WDR.

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